Heute Nacht geschieht es!
Die dunkle Seele von Halloween
- hochgeladen von Stefanie Baronin von Sachsen
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Zwischen Gruseln und gut gefüllten Bonbonschüsseln für Kinder liegt ein Stückchen Wahrheit und Klarheit, die manchem das Blut in den Adern gefrieren lässt. Wenn die Schleier zwischen den Welten sich lichten dringt etwas altes wieder zu den Menschen hindurch.
Denn gerade jetzt sind diese Schleier besonders durchlässig.
Warum wir das Gruseln lieben
Es riecht nach nassem Laub, Rauch und einem Hauch Unaussprechlichem. Kinder mit blinkenden Teufelshörnern kreischen durch die Straßen, während irgendwo ein Windspiel klingt - als wolle es daran erinnern, dass diese Nacht älter ist als jede durchtanzte Halloween Party.
Halloween - ein Fest zwischen Plastikmasken und uralten Mythen. Zwischen Neonfarben und Nebelspuren lebt etwas fort, das tief in unserer kollektiven Erinnerung verankert ist: die Faszination für das Dunkle, Unheimliche und Unbekannte.
Von Samhain zu Halloween – wenn der Schleier fällt
Bevor Kürbisse flackerten und Spinnenweben aus Plastik Regale zierten, hieß Halloween Samhain.
Vor über 2.000 Jahren glaubten die Kelten, dass in der Nacht zum 1. November der Schleier zwischen Leben und Tod besonders dünn sei.
Die Toten kehrten zurück - friedlich oder rachsüchtig, man wusste es nie.
Um sie zu besänftigen, stellte man Speisen vor die Tür, entzündete Feuer und trug Masken aus Tierfellen.
Nicht als Spiel, sondern als Tarnung: Wer aussah wie ein Geist, wurde von ihnen verschont.
Mit dem Christentum kam All Hallows’ Eve - der Vorabend zu Allerheiligen.
Doch der alte Glaube ließ sich nicht einfach umtaufen.
Er blieb - als Flackern im Dunkel, als leises Raunen, wenn der Wind durch die Äste fährt.
Mexiko tanzt mit den Toten
Während Halloween in Europa und den USA ein Spiel mit dem Schrecken wurde, feiert Mexiko denselben Moment des Übergangs als buntes, fröhliches Wiedersehen.
Beim Día de los Muertos, dem „Tag der Toten“, schmückt man Altäre mit Blumen, Fotos und Zuckerfiguren - und den Lieblingsspeisen der Verstorbenen.
Man glaubt, dass ihre Seelen zurückkehren, um mit den Lebenden zu feiern.
„Der Tod ist kein Feind, sondern ein Begleiter“. Und einmal im Jahr ist man an diesem Tag wieder fröhlich miteinander vereint.
„Nur wer vergessen wird, stirbt wirklich.“
So wird aus dem Grauen ein buntes Fest der lebendigen unauslöschlichen Liebe - eine Erinnerung daran, dass Leben und Tod untrennbar verbunden sind.
Urängste mit Spaßfaktor
Halloween ist kein Zufallserfolg, sondern eine uralte Bühne für unsere tiefsten Ängste.
Psychologen sehen darin eine Form kollektiver Therapie.
Das Gehirn erlebt Halloween wie ein Märchen mit Adrenalinschub.
Wir begegnen der Angst freiwillig, in sicherem Rahmen - und das stärkt sogar unser Selbstvertrauen.
Ob als Hexe, Zombie oder Michael Meyers-Serienkiller - die Masken sind Spiegel unserer Seele.
Sie erlauben uns mit einem Augenzwinkern das Dunkle in uns zu zeigen, ohne es zu besitzen.
Vielleicht ist es genau das, was diese Nacht so elektrisierend macht: Sie gibt uns die Freiheit, unsere Schatten zu tanzen.
Aberglaube weltweit verbreitet
In alten Zeiten hieß es, Salz schütze vor bösen Mächten, Eisen halte Dämonen fern und klares Wasser auf dem Nachttisch fange böse Träume auf.
Und wer auf Nummer sicher gehen will, lässt das Licht an - denn Dunkelheit war schon immer die sichere Bühne der Ungewissheit.
Zwischen Mythos & Moderne
Halloween ist heute ein globales Phänomen - ein Fest zwischen Kommerz, Katharsis und musikalisch untermauerter, feuchtfröhlicher Kollektivpsychose.
Doch in seinem Kern trägt es uraltes Wissen: dass alles Lebendige vergänglich und alles Vergängliche Teil des Lebens ist.
Wer in dieser Nacht genau hinhört, spürt es vielleicht:
das feine Zittern zwischen Diesseits und Jenseits,
zwischen Lachen und Gänsehaut,
zwischen Sein und Nichtsein.
Vielleicht lehrt uns Halloween mehr, als wir glauben.
Achtsamkeit gegenüber dem Unsichtbaren, Respekt vor dem Leben - und die Erkenntnis, dass Angst und Gruseln manchmal einfach dazugehört.
Denn Mut bedeutet nicht, keine Angst zu haben - sondern ihr mit einem herzlichen Lächeln und einem gut temperierten Glas Prosecco zu begegnen.
Und falls Sie heute Nacht ein Knarren hören, ein Flüstern oder Schritte im Flur...
Denken Sie daran:
Es könnte nur der Wind sein.
Oder auch nicht.
Frohes Halloween!
Und lassen Sie ruhig ein Lichtlein brennen - sicher ist sicher.
- hochgeladen von Stefanie Baronin von Sachsen
Autor:Stefanie Baronin von Sachsen aus Wertheim |
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