Happy Birthday, Heylshof! Gruppenausstellung mit Bettina Heinen-Ayech in Worms

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Das Museum Heylshof in Worms besitzt eine bedeutende Sammlung, die das Stifterehepaar Cornelius Wilhelm und Sophie von Heyl seit 1867 zusammengetragen hat. Die Bestände spiegeln eine konzeptionelle Mischung aus barocken, romantischen und realistischen Strömungen wider und geben Einblicke in die ästhetischen Vorlieben und Sammlungsprinzipien des Paares. Das Museum Heylshof wurde im Juni 1926 feierlich eröffnet und feiert 2026 sein 100-jähriges Bestehen. Seit der Gründung hat das Haus seine historischen Sammlungsfelder durch zeitgenössische Zugänge ergänzt und damit eine Brücke zwischen Vergangenem und Gegenwärtigem geschlagen.

Am 4. Juli 2026 eröffnet das Museum nun eine Ausstellung, die Künstlerinnen und Künstler versammelt, deren Arbeiten in einem Bezug zum Heylshof stehen oder deren Galeristen und Sammler eng mit dem Museum verbunden sind. Die Ausstellung lädt dazu ein, Verbindungen zwischen dem historischen Erbe des Heylshofs und aktuellen künstlerischen Positionen zu entdecken – von klassisch fundierten Ansätzen bis hin zu experimentellen und multimedialen Arbeiten. Dabei entstehen auch einige neue Arbeiten, die eigens für die Ausstellung angefertigt werden.

Zu sehen sein wird unter anderem zeitgenössische und neueste Arbeiten von Norbert Bisky, Günther Uecker, Römer & Römer, Achim Freyer, Neo Rauch, Christopher Winter, Charline von Heyl und Markus Lüpertz, aber auch historische Arbeiten beispielsweise von Max Pechstein. Durch die Auswahl entsteht ein dialogischer Spannungsbogen: Historische Werke aus dem Bestand treffen auf jüngere Produktionen.

Eine solche jüngere Position ist auch Bettina Heinen-Ayech (1937–2020), deren Lebenswerk derzeit wieder im Zentrum des Interesses steht. Dies dokumentieren zahlreiche Artikel in Kunstmagazinen, diverse monographische Ausstellungen sowie zahlreiche posthume Auszeichnungen. Zu diesen zählt auch die Aufnahme in den exklusiven Kreis der 50 bedeutendsten historischen Frauenpersönlichkeiten Nordrhein-Westfalens im Rahmen des Projektes „FrauenOrte NRW“.

Bereits im Alter von 18 Jahren erregte die Malerin Aufmerksamkeit, als sie an der ersten großen internationalen Kunstausstellung der jungen Bundesrepublik neben Karl Schmidt-Rottluff, Paul Klee, Max Beckmann, Max Ernst, Ernst Ludwig Kirchner und Käthe Kollwitz teilnehmen durfte.

Nach intensiven Reisen durch Europa und einem längeren Aufenthalt in Ägypten ließ sie sich 1963 in Guelma in Ostalgerien nieder, in der Heimat ihres algerischen Ehemannes. In den 60 Jahren ihres algerischen Schaffens wurde sie zur Legende, im ganzen Land als „Madame Bettina“ bekannt. Bis zu ihrem Tod wurde Algerien abwechselnd mit Solingen ihr Lebensmittelpunkt.

Bettina Heinen-Ayech hinterlässt ein großes und vielfältiges Werk: das Werk einer emanzipierten Frau, einer großen Künstlerin und Wanderin zwischen den Welten. Sie nimmt innerhalb der deutschen Nachkriegskunst eine eigenständige Position ein, denn in Guelma fand sie nicht nur ein neues Lebensumfeld, sondern auch eine radikal andere Wahrnehmungsordnung. Das nordafrikanische Licht fungiert in ihrem Werk als konstitutives Element der Bildgenese. Farbe wird bei ihr zum Träger von Raum, Zeit und Empfindung zugleich. Ihre Malerei vollzieht sich im Modus des Pleinair, doch geht es ihr weniger um naturalistische Wiedergabe als um die Verdichtung eines situativen Erlebens.

Über ihre malerische Praxis hinaus lässt sich Heinen-Ayech als kulturelle Mittlerin verstehen. In einer Zeit politischer und gesellschaftlicher Umbrüche hielt sie unbeirrt an ihrer künstlerischen Arbeit in Algerien fest und schuf ein Werk, das von transkultureller Erfahrung zeugt. Ihre Malerei wird so zu einem Ort der Übersetzung – zwischen Europa und Nordafrika, zwischen Tradition und Gegenwart, zwischen äußerer Erscheinung und innerer Wirklichkeit.

Bettina Heinen-Ayech steht in einem losen Spannungsfeld zwischen Expressionismus, Postimpressionismus und einer sehr persönlichen Form des Pleinairismus. In einer Kunstwelt, die noch stark von männlichen Deutungsansprüchen geprägt war, entwickelte sie als Frau eine eigenständige Position, die sich weder stilistisch noch biografisch in gängige Kategorien einordnen lässt.

Während viele Künstlerinnen ihrer Zeit mit strukturellen Einschränkungen konfrontiert waren, entzog sich Heinen-Ayech bewusst den etablierten europäischen Kunstzentren und deren Hierarchien. In Guelma schuf sie sich einen eigenen Arbeits- und Lebensraum, der nicht von institutionellen Erwartungen, sondern von unmittelbarer Erfahrung geprägt war. Ihre Malerei ist Ausdruck einer Haltung, die auf Unabhängigkeit, Wahrnehmungstiefe und Selbstbestimmung gründet.

In der Ausstellung in Worms ist das „Doppelte Selbstbildnis in Norwegen“ (1960) zu sehen. Es zeigt die junge Künstlerin vor einer wichtigen Lebensentscheidung nach dem Zusammentreffen mit ihrem späteren Mann, zu dem sie ein Jahr später nach Paris und 1963 nach Ostalgerien ziehen wird.

Bettina Heinen-Ayech nimmt innerhalb der Ausstellung „Happy Birthday, Heylshof!“ eine besondere Stellung ein. Ihre Landschaften sind keine konzeptuellen Bildsysteme, sondern verdichten reale Naturerfahrung zu intensiven Farb- und Lichtkompositionen. Landschaft ist hier nicht Abbild, sondern energetischer Zustand. Im Kontext der Ausstellung wirkt sie damit als kraftvolle Gegenposition zu stärker theoretisch aufgeladenen Ansätzen der Gegenwartskunst und hält die Idee der autonomen Malerei auf hohem Niveau lebendig.

© Museum Heylshof / Marc Peschke

Happy Birthday, Heylshof!
Museum Heylshof Worms, 4.7.-4.10., www.heylshof.de
Zur Ausstellung gibt es auch ein vielfältiges Begleitprogramm: https://www.heylshof.de/veranstaltungen/

Autor:

Marc Peschke aus Wertheim

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