Martin Hahn aus Buchen und seine PUCH MS 50:
Mit 2,5 PS auf der Großglockner Hochalpenstraße
- Unterhalb der Edelweiß-Spitze mit Blick auf das Haus Alpine Naturschau. Foto: Martin Hahn
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mh. Buchen. Mit meinem Puch-Moped und 2,5 PS über die Großglockner-Hochalpenstraße…warum nicht? Dieser Gedanke geisterte schon seit einiger Zeit in meinem Kopf herum. Nun soll man ja Gelegenheiten dann am Schopf packen, wenn sie da sind. Und wenn man ohnehin nach München fährt, nimmt man einfach die Puch MS 50 auf dem Anhänger mit; von dort sind es dann nur noch 180 km nach Bruck am Großglockner.
Die Großglockner Hochalpenstraße zählt zu den beeindruckendsten Panoramastraßen weltweit und ist somit ein vielbesuchtes Ausflugsziel in Österreich. 48 Kilometer schlängelt sich der Paß hoch an die Kaiser-Franz-Josefs-Höhe. Von 800 auf rund 2400 Höhenmeter geht es in 36 Kehren, die mit dem Zweirad die meisten Freude machen. Mittendrin ist noch die Edelweißspitze, mit 2571 Metern der höchste Punkt, inklusive Kopfsteinpflaster und zusätzlichen sieben Kehren. Umsonst ist das Erlebnis nicht: PKW zahlen 40, Motorräder 36,50 und wenn man die Frage der freundlichen Dame im Kassenhaus „is des a Fünfziger“ mit „ja“ beantworten kann, zahlt man nur 30 €. Mit „Fünfzig“ ist, Insider wissen das, der Hubraum mit 50 Kubikzentimeter gemeint, ein Moped eben. Und natürlich ca. 2,5 Liter Sprit (Zweitaktmischung 1:50) auf 100 km.
Mit 2,5 PS gegen 14% Steigung!
Apropos Steigung: Die Hochalpenstraße fordert mit bis zu 12%, die Edelweißspitze mit kurzen 14% heraus. Für uns Odenwälder fast „nichts Besonderes“, unsere regionale „Mopedschrauber-Teststrecke“, die Hornbacher Steige, hat kurzzeitig sogar 18%! Aber eben nur kurzzeitig…von dieser Stelle aus „Hut ab“ vor allen Fahrradfahrern, die sich den Großglockner-Paß hochgequält haben. Ich bin ja nur auf dem gut gepolsterten Sattel meiner Puch hochgeknattert, die nächstes Jahr 50 wird!
Die PUCH ist in Österreich ein Volksheiligtum
Bei diesem Thema muss ich ein wenig ausholen: Die Puch MS 50 ist im Mutterland Österreich so etwas wie ein Volksheiligtum, vielleicht ähnlich wie bei uns bei der Generation vorher die NSU Quickly oder in Italien schon immer die Vespa. Nicht umsonst hieß ein Werbeslogan „Eine Stangl-Puch g‘hört in jeden Haushalt“! Ob in der Stadt, an irgendeinem Parkplatz, am Berg sowieso, überall wird man auf das Moped angesprochen. Dies ging schon eine Stunde vor München an einem Autobahnrastplatz los, ein Österreicher natürlich, „do host aber a schöne MS 50!“. Diese Typenreihe wurde von 1954 bis 1982 über 880.000 mal, also 28 Jahre, in Graz gebaut und ist somit das weltweit am längsten gebaute Moped! Die Simson Schwalbe kam auf 22 Jahre. Das liebevoll „Stangl-Puch“ (wegen der betonten Rahmenkastens zwischen Lenkkopf und Hinterbau) genannte Moped war in seinem Heimatland allgegenwärtig und mobilisierte jahrelang die arbeitende Bevölkerung und auch die Postzusteller. Entsprechend gab es viele Kosenamen wie „Postler-Moped“, „Schichtler-Moped“ und „Maurer-Bock“. Und wichtig im Mutterland: „Puch“ mit weichem „P“.
...20 Sachen im ersten Gang...
Mit dem Moped fährt man an Gebirgspässen „Buckel nuff“ in einer eigenen Geschwindigkeitsklasse: Fahrräder (ohne Strom) fahren mit fünf bis zehn, mein Pucherl im ersten Gang (von zwei) mit 20 km/h (Fullspeed auf der Ebene 50 Sachen) und die „richtigen“ Motorrädern mit üblicherweise gut über 100 Pferdchen unterm Tank entsprechend darüber. PKW und Reisebusse gibt es auch noch. Ich bin mit meinen zweieinhalb Austria-Pferden auch sehr gut hochgekommen! Und natürlich wird man von den Bikerkollegen immer euphorisch begrüßt; ob Daumen hoch oder rechter Fuß raus nach dem überholen…Wahnsinn! Es sind übrigens die Menschen, die einen solchen Trip so wertvoll machen. Und ich bin ehrlich, normal mit dem PKW unterwegs kann man so etwas nicht erleben.
Ein Familienvater aus Tschechien wollte sich unbedingt mit dem Moped fotografieren lassen, zwei Einheimische mit Oldtimer- (wir Badener sagen) Bulldogs der Marke Massey-Ferguson und Wohnwägen an der Ackerschiene waren auf dem Weg nach Italien, der Wiener Puch-Club „Moped-Hetz“ mit einem Dutzend Mopeds waren am Start und auch noch unzählige vorwiegend Männer meines Alters, die früher „die gleiche hatten“ oder heute noch rumschrauben und über mehrere meist Puch verfügen. Das ist übrigens auch so eine Eigenart bei Oldtimerfans, die Zahl „eins“ in Bezug auf Fahrzeuge gibt es nicht – es müssen Minimum zwei oder gerne auch mehr sein.
Die Kaiser-Franz-Josefs-Höhe auf 2370 Metern ist der beeindruckende „End- und Wendepunkt“ des Passes. Blick auf den Großglockner und den dazugehörigen (Rest) des Gletschers, ein interessantes Museum (auch mit Fahrzeugen) und natürlich Gastronomie. Ach ja, und natürlich vielen Männern, die auch mal eine MS 50 hatten. Auf dem Rückweg gönnt man sich natürlich noch den Abzweig nach Heiligenblut „auf an Kaffee“, 600 Höhenmeter runter und auch wieder rauf.
Kleine Reparaturen macht man am Straßenrand
Auf dem Rückweg in einer Kehre winkte mich ein sympathischer Mitzwanziger Österreicher raus, wie soll es sein, auch auf einer MS 50 in schwarz, meine hat die damals in Deutschland sehr beliebte Kombination beige-blau. „Die lauft net gscheid, bist du da Berg rauf kema?“ Klar – aber dann stimmt irgendwas nicht. Sein Moped war schon 40 Jahre in Familienbesitz, vom Opa. Ergebnis das Fachsimpelns, ich würde mal vermuten, Auspuff „zu“, also mit Ölkohle verstopft; macht sich vor allem „bergauf“ durch wenig Leistung bemerkbar. Passiert heutzutage durch die modernen Zweitaktöle fast nicht mehr. Dies wäre allerdings eine Reparatur, die am Berg eher nicht zu machen ist. „Dann bleib halt unten“ war mein Tipp und gehe hinterher die Reparatur an. Wie ich dann abends an meine Bikerpension komme, steht die schwarze Puch schon da. „Du hast Recht g’habt, Auspuff ist zu, hob‘s ausprobiert“. Wie ausprobiert? „Hab ihn einfach weg g’schraubt, is am Berg dann richtig abgonga“. Mein Einwand…ist doch dann aber ziemlich laut – war ihm „wurscht“, hatte Ohrenstöpsel dabei…die armen Radfahrer. Im Mopedschrauber-Jargon würde man vermutlich sagen „…plötzlich abgefallen…“. Der ganze Auspuff war dann übrigens hinten quer auf dem Gepäckträger, die öl- und kohleverschmierte Reisetasche und sein nicht mehr weißes Shirt waren der Beweis dafür. Ja, man muss sich nur zu helfen wissen…Ich hatte keine „richtigen“ Probleme, lediglich ein unwichtiges Verkleidungsschräubchen ging verloren und die Lichtbirnchen wollten nicht mehr (wenn, dann brennen immer beide durch); hat man aber alles dabei und wird sofort am Straßenrand repariert! Noch ein Wort zur Technik: Damit die Oldtimer zuverlässig laufen, ist natürlich auch Pflege und Wartung notwendig – Arbeiten, die regelmäßig mit Freude erledigt werden.
Überall Mopedfans
Abends in Bruck beim Abklappern der Gasthäuser ruft es auf einmal aus einem Biergarten „komm zu uns“…es waren, wie soll es anders sein, die zwölf der Wiener „Moped-Hetz“. Ein kurzweiliger Abend mit vielen Zweitaktgesprächen war somit garantiert. Und dann war da noch morgens beim Parken vor der Frühstücksbäckerei die freundliche Dame, die im Vorbeigehen „sehr schön“ sagte – eine Steilvorlage für meine Frage „Meine Puch oder ich?“…“beide natürlich“. Wie gesagt, es sind die Menschen, die solche Reisen wertvoll und unvergesslich machen.
Infokasten Mopeds und PUCH:
Puch ist nach wie vor Kult im Mutterland Österreich. Es gibt mehrere sehr leistungsfähige Händler, sodass die Ersatzteilversorgung gesichert ist. Natürlich hatten auch wir hervorragende Mopeds, allen voran Hercules, Kreidler und Zündapp, zuvor natürlich NSU und nach der Wiedervereinigung Simson aus den neuen Bundesländern. Im deutschen Fahrzeugportal mobile.de sind aktuell rund 170 Zweiräder (bis Bj. 1990) der vier Westhersteller zu finden, dazu kommen noch ca. 270 Simson. Im österreichischen willhaben.at sind rund 800 Puch Fahrzeuge im Angebot.
Autor:Martin Hahn aus Buchen |
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