„Der Dreißigjährige Krieg im Odenwald“
Vortrag von Antje Vollmer in der Mittelmühle
- Antje Vollmer in Aktion
- Foto: Bernd Neuberger HGV
- hochgeladen von Bernhard Stolz
Trotz Regenwetters war wieder „Volles Haus“ im Foyer der Mittelmühle. Antje Vollmer aus Michelstadt, Archivarin des Gräflich-Erbach-Erbachischen Hauses, war als Referentin eingeladen. Die charismatische Historikerin, die sich auch als Gästeführerin betätigt, zog das Auditorium sofort in ihren Bann.
Zunächst räumte sie auf mit dem Klischee, der 30-jährige Krieg sei ein Religionskrieg gewesen. In diesem Krieg ging es um nichts weniger als um die Vormachtstellung in Europa. Waren es anfangs noch innerdeutsche Probleme - Stände und Fürsten gegen den Kaiser - so mischten sich schon ab 1625 fremde Mächte mit ein: Zunächst unterstütze Dänemark, von Frankreich finanziert, protestantische Fürsten im Krieg gegen den Kaiser, musste sich aber nach vier Jahren geschlagen geben. Der deutsche Kaiser Ferdinand II., wieder auf dem Höhepunkt seiner Macht, machte leichtsinnigerweise den „Augsburger Religionsfrieden“ rückgängig und verlor damit die Loyalität wichtiger Fürsten. Diese Schwäche nutzend dringt 1630 der Schwedenkönig Gustav Adolf – wieder finanziert von Frankreich - in Deutschland ein, um seine Machtposition in Europa auszuweiten. D
Dessen Bestreben es war, das mit Spanien verwandte Haus Habsburg nicht zu groß werden zu lassen. Militärisch unterstützt von Ferdinand von Spanien scheint sich Habsburgs Macht wieder zu erholen. Um dies zu verhindern erklärt das sich im Krieg mit Spanien befindliche Frankreich 1635 auch Habsburg den Krieg und kommt mit eigenen Truppen den Schweden in Deutschland zu Hilfe. Sieger gibt es keine und keine Macht zieht sich ohne Kriegsentschädigung zurück. Der Abnutzungskrieg, ausgetragen auf dem Rücken der geschundenen Bevölkerung, konnte schließlich 1648 nach langwährenden Verhandlungen beendet werden.
Unsere Gegend am Main und im Odenwald war wohl kein Kriegsgebiet, aber Durchmarschgebiet verschiedenster Kriegsparteien, was genauso schlimm war. Die einquartierten Soldaten gingen ständig auf Raubzug. Die Bewohner wurden gejagt wie Wild, gequält und aufs Schlimmste gefoltert und schließlich erschlagen. Kriegsnot bringt Hungersnot – wer hungert ist anfällig gegen Seuchen. Was die Soldadeska nicht schaffte, erledigte die Pest. Ganze Regionen wurden entvölkert. Detaillierte Berichte gibt es nicht, es gab keine Chronisten mehr.
Bernhard Stolz, 1. Vorsitzender des HGV Bürgstadt, bedankte sich bei Frau Vollmer für den packenden und mit viel anschaulichen Bildern unterstützten Vortrag und für ihr Versprechen, bald wieder für einen geschichtlichen Vortrag in Bürgstadt zur Verfügung zu stehen.
(Text: Otto Reichert)
Autor:Bernhard Stolz aus Bürgstadt |
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