Bericht: Summertalk 2026
Zwischen Werkzeug und Wendepunkt: SPD Elsenfeld diskutiert über KI

5Bilder

Es gibt Themen, bei denen man merkt, dass sie die Menschen wirklich umtreiben – nicht, weil sie in den Nachrichten stehen, sondern weil sie längst im eigenen Wohnzimmer angekommen sind. Künstliche Intelligenz ist so ein Thema. Rund 50 Besucherinnen und Besucher kamen am Freitagabend in den Hof des Schalkhauses nach Rück, um beim fünften Summertalk des SPD-Ortsvereins Elsenfeld über eine Technologie zu sprechen, die kaum jemand vollständig versteht – und die trotzdem fast jeder schon benutzt.

Der Summertalk ist mittlerweile eine feste Größe im Elsenfelder Sommer. Was 2022 als lockere Gesprächsrunde an der Sandbar im Beachpark begann, ist zu einem Format gewachsen, das jedes Jahr ein gesellschaftliches Thema aufgreift, bevor es alle anderen tun: sozialer Pflichtdienst, Wasserknappheit, Fake News, Erziehung. Die Idee dazu stammt von Anna Becker, Dritte Bürgermeisterin und stellvertretende Ortsvereinsvorsitzende, die die Reihe seit der ersten Auflage nicht nur konzipiert, sondern auch moderiert. Ihre Art, ein Podium zu führen – aufmerksam, unaufgeregt, mit einem sicheren Gespür dafür, wann eine Frage nachgeschoben werden muss – prägt den Abend mindestens so sehr wie das jeweilige Thema.

Zur Begrüßung machte der Ortsvereinsvorsitzende Michail Fotokehagias deutlich, worum es an diesem Abend nicht gehen sollte: um Werbung für eine Technologie oder um Panikmache vor ihr. Der Diplom-Jurist und zertifizierte Mediator stellte zwei Zitate gegeneinander – das eines Vatikan-Beraters, der die menschliche Dummheit für gefährlicher hält als die künstliche Intelligenz, und das eines bayerischen Wirtschaftsministers, für den das größte Risiko darin besteht, bei KI nicht dabei zu sein. Zwischen diesen beiden Polen, so Fotokehagias, liege der eigentliche Diskussionsraum. Eine kurze Handzeichen-Umfrage im Publikum zeigte, wie berechtigt der Ansatz war: Ein erheblicher Teil der Anwesenden nutzt KI bereits – und ein ebenso großer Teil hat Vorbehalte. Oft waren es dieselben Hände.

Der Experte aus dem eigenen Ort

Für die fachliche Tiefe sorgte Dr. Christopher Stockinger – bemerkenswerterweise kein von außen eingeflogener Referent, sondern ein Elsenfelder. Stockinger studierte Wirtschaftsingenieurwesen an der TU Darmstadt, promovierte dort am Institut für Arbeitswissenschaft über Digitalisierung in der Produktion und war Geschäftsführer des Kompetenzzentrums für Arbeit und KI. Seit 2022 begleitet er mit seinem Unternehmen AssistIng mittelständische Betriebe bei der Digitalisierung.

Seine Erklärung, was KI eigentlich ist, kam ohne Fachjargon aus: Sprachmodelle werteten enorme Datenmengen aus, erkännten darin Muster und erzeugten daraus Texte, Bilder oder Programmcode. Ein Bewusstsein oder eigenständiges Denken sei damit nicht verbunden. Beeindruckend seien die Ergebnisse dennoch – was genau die Gefahr berge, ihnen zu sehr zu vertrauen. Sein Rat an das Publikum: Antworten grundsätzlich hinterfragen, Quellen prüfen und die Technologie nicht als unfehlbare Instanz begreifen, sondern als sehr belesenen, aber eben auch irrtumsfähigen Helfer. Wer bessere Ergebnisse wolle, müsse zudem lernen, präzise zu fragen – Ziel, Zielgruppe und Rahmenbedingungen einer Anfrage entschieden maßgeblich über deren Qualität.

Zwei Bundesländer, ein Schulproblem

Besonders lebhaft wurde es beim Blick in die Klassenzimmer – und hier zahlte sich eine kluge Besetzungsentscheidung aus: Mit Stefanie Dröschel aus dem Landkreis Miltenberg und Sabine Altenhöfer aus dem Landkreis Erbach saßen zwei Gymnasiallehrerinnen aus zwei verschiedenen Bundesländern auf dem Podium. Ihre Einschätzungen deckten sich in einem zentralen Punkt: Ein pauschales Verbot bei Hausaufgaben sei weder durchsetzbar noch sinnvoll. Entscheidend sei, Schülerinnen und Schüler zu einem bewussten Umgang zu befähigen. KI könne beim Überarbeiten von Texten oder beim Entwickeln von Ideen unterstützen – das eigenständige Denken ersetze sie nicht. Auch Eltern und Großeltern, so der Tenor, sollten die Technologie nicht verteufeln, sondern Kinder bei der Nutzung begleiten. Die Frage, ob KI den Lehrermangel lindern könne, beantworteten beide klar: Wissen lasse sich vermitteln, die pädagogische Beziehung nicht ersetzen.

Wo der Jurist ins Spiel kommt

Dass ein technologischer Abend auch ein rechtlicher ist, wurde spätestens deutlich, als das Publikum auf Datenschutz, Energieverbrauch und internationalen Wettbewerb zu sprechen kam. Michail Fotokehagias, im Hauptberuf Jurist bei einer Rechtsschutzversicherung, ordnete die rechtliche Dimension ein: Verlässliche Regeln, Transparenz und demokratische Kontrolle seien keine Bremse für Innovation, sondern deren Voraussetzung. Eine Technologie dieser Reichweite dürfe nicht in den Händen weniger Akteure konzentriert werden. Stockinger unterstrich diesen Punkt aus wirtschaftlicher Perspektive.

Ein Abend, der nachwirkt

Wie in jedem Jahr blieb die Runde auch nach dem offiziellen Teil zusammen. Das Schalkhaus versorgte die Gäste mit frisch zubereiteter Pizza, Wein und Wasser standen gegen Spende auf den Tischen. Zwischen den Bänken wurde weiterdiskutiert, oft in kleineren Runden und deutlich persönlicher als zuvor am Mikrofon – genau das, was dieses Format seit fünf Jahren auszeichnet.

Das Fazit des Abends fiel weniger eindeutig aus, als es der Titel suggerierte – und das war vermutlich das ehrlichste Ergebnis: Ob Künstliche Intelligenz am Ende Fluch oder Segen ist, entscheidet nicht die Technologie. Es entscheidet der Umgang der Menschen mit ihr.

Der SPD-Ortsverein Elsenfeld bedankt sich bei allen Gästen für das große Interesse und die engagierte Diskussion – und freut sich schon jetzt auf den sechsten Summertalk im kommenden Jahr.

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Beruf & AusbildungAnzeige

Sicher starten bei WIRL
Warum die Sicherheitsunterweisung für Azubis so wichtig ist

Sicher starten bei WIRL: Warum die Sicherheitsunterweisung für Azubis so wichtig ist Der erste Ausbildungstag bringt viele neue Eindrücke mit sich. Neue Kolleginnen und Kollegen, unbekannte Arbeitsbereiche, Werkzeuge, Maschinen und natürlich jede Menge Informationen. Bevor unsere neuen Azubis bei WIRL jedoch richtig in ihren Arbeitsalltag starten, steht ein Thema ganz oben auf dem Programm: die Sicherheitsunterweisung. Gerade in einem Unternehmen der Elektrotechnik ist ein sicherer Umgang mit...

Bauen & WohnenAnzeige
3 Bilder

Zuhause in Bürgstadt gesucht
Haus oder Grundstück Suche

Zuhause in Bürgstadt gesucht: Haus oder Grundstück für Kaufinteressenten Bürgstadt soll für Karin H. und Dr. Peter Z. mehr als nur ein schöner Ort am Main werden. Das Paar möchte seinen Lebensmittelpunkt in die Marktgemeinde verlegen und sucht deshalb mit unserer Unterstützung nach einem passenden Zuhause. Im Mittelpunkt der Suche steht ein Haus in Bürgstadt mit etwa 120 bis 150 Quadratmetern Wohnfläche. Besonders schön wäre eine Immobilie, die komfortables Wohnen auf einer Ebene ermöglicht....

Auto & Co.Anzeige

Assistenzsysteme vorgestellt
Der Querverkehrswarner

Assistenzsysteme vorgestellt: Der Querverkehrswarner Rückwärts aus einer Parklücke fahren, während rechts und links größere Fahrzeuge die Sicht versperren. Eine Situation, die viele Autofahrer kennen. Gerade auf vollen Parkplätzen, vor Supermärkten oder in engen Einfahrten lässt sich oft nur schwer erkennen, ob sich von der Seite ein Fahrzeug, ein Fahrrad oder ein Fußgänger nähert. Genau hier kann der Querverkehrswarner unterstützen. Das Assistenzsystem hilft dabei, den Bereich hinter dem...

Mann, Frau & FamilieAnzeige

Sneaker in der Waschmaschine waschen mit Miele SneakerWash

Sneaker in die Waschmaschine geben und einfach das passende Programm starten? Bei geeigneten Schuhen macht Miele genau das mit SneakerWash möglich. Das System wurde speziell für die maschinelle Reinigung von Sneakern und Sportschuhen entwickelt. Dazu gehören ein abgestimmtes Waschprogramm und ein spezieller Schuhwaschbeutel. Das ist vor allem praktisch, wenn helle Sohlen, Stoffoberflächen oder Alltagsschmutz irgendwann nicht mehr mit einem feuchten Tuch zu retten sind. Wie funktioniert Miele...

Energie & UmweltAnzeige

Herzliche Einladung zur
KUNDGEBUNG AM MI. 23.09.26 um 17 Uhr in Miltenberg

"Rote Karte für schnelle Vermietung der Windkraft-Vorrangfläche WK65 Sehboldsruhe" [b]am Mittwoch, 23.9.26 um 17 Uhr auf dem Parkplatz am Miltenberger Engelplatz vor dem Rathaus. [/b]Die anschließende Stadtratssitzung, in der die Entscheidung über die Verpachtung des Bergrückens über Miltenberg und Bürgstadt gefällt werden soll, findet um 18 Uhr statt. Sie ist öffentlich. Wir alle können an dieser teilnehmen. Auch wenn uns kein Rederecht zusteht, werden wir mit einer überwältigenden Präsenz...

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Karte einbetten

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Code einbetten

Funktionalität des eingebetteten Codes ohne Gewähr. Bitte Einbettungen für Video, Social, Link und Maps mit dem vom System vorgesehenen Einbettungsfuntkionen vornehmen.
Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.