Wohin der Wind mich weht – Abenteuerreiter Günter Wamser auf der Suche nach einem Lebensstil

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Über 20 Jahre war Günter Wamser gemeinsam mit seinen Pferden unterwegs. Geritten ist er von der Südspitze Argentiniens bis nach Alaska. Ein halbes Leben im Sattel unterwegs. Eigentlich genug für ein ganzes Leben, könnte man meinen. Doch Günter Wamser, der als „der Abenteuerreiter“ auch weit über unsere Region hinaus bekannt ist, denkt nicht im Traum daran sich zur Ruhe zu setzen.
Schon bei seiner Ankunft in Alaska war für ihn klar: „Ich will über die Weltmeere nach Australien segeln.“
Zunächst einmal meldete sich Wamser zu einem zweiwöchigen Segeltörn auf der Ostsee an. Darauf folgten jede Menge Bücher über das Thema und.... ein altes Boot. Das, ganz im Gegensatz zu seinem neuen Eigner, schon wesentlich mehr „Erfahrung“ mitbrachte. Denn immerhin war die kleine Segeljacht schon einmal um die Welt gesegelt.
Zunächst einmal fuhren die beiden, also Wamser und sein Boot, vom Ursprungshafen im Mondsee in Österreich bis in die Ostsee. Doch auch nach drei Monaten in heimischen Gewässern haderte Wamser immer noch mit sich selbst: „Ist das nun mein euer Lebensweg oder nicht?“

Doch ihm war klargeworden, die Antwort auf diese Frage würde er nur unterwegs finden. Daher wollte er bereits im darauffolgenden Frühjahr die Weltumsegelung beginnen. Bereit zum Aufbruch war er nicht. Doch für Günter Wamser stand fest: „Wenn du darauf wartest bist du fertig bist, dann kommst du nie los.“



Das Projekt vom Main über die Meere bis nach Kuba konnte beginnen.

Doch bevor Wamser lossegeln konnten, kam erst mal der deutsche Winter dazwischen. Diese Zeit nutzte der Abenteuerreiter um die kleine Segeljacht komplett zu überholen und jeden Winkel kennenzulernen. Zu Ehren der beiden Criollo-Pferde, mit denen Wamser von Argentinien bis Mexiko geritten ist, wurde die Yacht auf den Namen Rebelde & Gaucho getauft.

Zwischenzeitlich hatte sich auch ein Reisekamerad gefunden, der Schweizer Daniel Salzmann, ein Lehrer, der ganz spontan seine Pensionierung um ein Jahr vorverlegte, um gemeinsam mit Wamser in See stechen zu können. Im Gegensatz zu Wamser bringt er bereits Erfahrung im Segeln mit. Bereits als 16-Jähriger segelte er mit seinem Vater über den Atlantik.



Sturm, Seekrankheit und andere Abenteuer

Am 26. Oktober 2017 geht es los. Zwanzig Jahre, nachdem die kleine Jacht Rebelde & Gaucho das erste Mal um die Welt gesegelt ist, macht sie sich auf den Weg von Port-Saint-Louis nach Kuba. Günter Wamser und Daniel Salzmann sind voller Vorfreude und Optimismus. Doch schon bald holt die Realität die beiden ein. Wenige Stunden nach dem Start gerät die Jacht in einen Sturm der sich gewaschen hat. Doch was für das Boot nach zwanzig Jahren eher eine Herausforderung ist, ist für den Kapitän Wamser eine Tortur. Ganz im Gegensatz zu Salzmann, der nach über 40 Jahren Segelerfahrung „Seebeine“ und vor allem einen „Seemagen“ hat, streckt es Wamser seekrank darnieder.

Mitten in der Straße von Gibraltar (es herrscht immer noch schwerer Seegang) treffen Wamser und Salzmann auf zwei schwarzafrikanische Flüchtlinge, die selbstverständlich von den beiden gerettet werden. Diese Aktion war äußerst riskant und hätte, im schlimmsten Fall, die Rebelde & Gaucho schwer beschädigen können, als die beiden Flüchtlinge bei schwerem Seegang an die Marine übergeben wurden, die dem Seenotruf gefolgt war, den Wamser geistesgegenwärtig abgesetzt hatte.

Während seiner langen Reise mit Pferden hat Wamser oft die Hilfe anderer Menschen erfahren. Nun ist er dankbar, dass diesmal er zur richtigen Zeit am richtigen Ort war, um anderen zu helfen. „Vielleicht war das der tiefere Sinn dieser Segelreise?“ sinniert Wamser über dieses schicksalhafte Zusammentreffen.

Vom Segeln fasziniert

Innerhalb von 20 Tagen erreicht die Rebelde & Gaucho Barbados. Dort gehen Daniel Salzmann und sein Sohn Manuel, den sie in Teneriffa aufgenommen hatten, von Bord.Eigentlich leidet Wamser während der kompletten Überfahrt an der Seekrankheit; ihm ist ständig schlecht. Trotzdem ist er mit dem „Segel-Virus“ infiziert.
Alleine machen er und sein Boot sich auf nach Kuba, das noch circa 3000 Seekilometer entfernt ist.
Auf dieser Strecke stößt Wamser durchaus an seine Grenzen. Mehr als zwanzig Minuten Schlaf am Stück sind nicht drin. Belohnt wird er mit sensationellen Sonnenauf- und –untergängen, Begegnungen mit Meeresbewohnern wie Schildkröten und Delfinen und mit malerischen Buchten, in denen er ankert.

Während der Überfahrt hat Wamser viel Zeit zum Nachdenken und stellt fest, dass Segeln nicht die neue Lebensart ist, die er gesucht hat, denn er hat das Gefühl, immer noch auf der Anreise zu sein und niemals anzukommen. Jahrelang war für ihn immer „der Weg das Ziel“. Nie hatte er sein Unterwegssein in Frage gestellt. Seine Route führt ihn von Barbados über die kleinen und großen Antillen bis nach Kuba. Doch nirgendwo hat er das Gefühl, Land und Leute wirklich kennenzulernen. Nicht nur das Schiff bleibt vor Anker auf Distanz zur Küste, auch er kommt nicht auf Augenhöhe mit den Menschen in Kontakt. „In den Augen der Einheimischen gilt ein Yachtbesitzer automatisch als reich, selbst wenn sein Schiff nicht mehr als ein modernes E-Bike gekostet hat. Die Pferde haben mir immer die Türen geöffnet zu den Einheimischen“, erzählt Wamser, „Das Schiff verschließt sie mir.“

Trotzdem wird Segeln zukünftig immer einen besonderen Platz in seinem Herzen haben. „Segeln begeistert mich, als Hobby – wer aber so ein intensives Leben führt wie ich, der braucht kein Hobby.“

„Ich bin froh, dass ich es gewagt habe, loszusegeln, denn sonst hätte ich dem Traum vom Leben auf einem alten Segelboot wohl ewig hinterher getrauert.“

Infos, Bücher u. DVDs über den langen Ritt von Feuerland bis Alaska unter: www.abenteuerreiter.de

Alle Fotos stammen von Günter Wamser 

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