Zauberkünstler Markus Laymann über Täuschung und Illusion im Alltag

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Kleinwallstadt. Nein, Jungfrauen wurden auf der Bühne in Kleinwallstadt nicht zersägt, um sie anschließend wieder unversehrt aus einer Holzkiste entsteigen zu lassen. »In Zeiten, in denen es für den aufgeklärten Zuschauer keine Wunder mehr gibt, ist es wichtiger, ihn zum Lachen oder Nachdenken anzuregen«, weiß der Münchener Zauberkünstler und Entertainer Markus Laymann. Damit hebt sich seine Form der Zauberei konsequent von der sterilen und perfekten Fernsehunterhaltung ab und bescherte dem Kleinwallstädter Publikum einen unterhaltsamen Abend.

Rund 70 Besucher folgten am Freitagabend der Einladung des Fördervereins »Kultur in der Zehntscheune«, um sich im Kleinwallstädter »Kulturtempel« vom Magier täuschen und ent-täuschen zu lassen. So lautet auch der Name seines doppeldeutigen Programms: »Das große Ent-Täuschungsmanöver.«

Markus Laymann ist schlagfertig, greift Situationen aus dem Publikum blitzschnell auf und improvisiert daraus sein Programm. Das garantiert beste Unterhaltung.

Erhard aus dem Publikum sorgt für Lacher. Um seinen Typ besser einschätzen zu können, entlockt ihm der Zauberer so allerhand Persönliches. Sein Leibgericht möchte er gerne wissen und Erhard gibt seine ungewöhnliche kulinarische Vorliebe preis: »Ribbelnudel mit Zwiebbelsoß‘«. Das Publikum applaudiert, während sich der Illusionist vorzustellen versucht, was sich hinter diesem kulinarischen Hochgenuss verbirgt. In der Hauptstadt München kennt man diese Spezialität jedenfalls nicht.

»Je intelligenter die Leute sind, desto leichter lassen sie sich täuschen«

, so Laymann. Offensichtlich sind viele Intelligente im Publikum, denn der Zauberer hat ein leichtes Spiel und großen Spaß, sein Publikum zu (ent-)täuschen. »Je mehr man voraussetzt, dass die Dinge sich so und so verhalten, desto leichter ist man in die Irre zu führen.«

Um seine These dem Publikum zu verdeutlichen, startet der Magier ein kollektives Experiment. Laymann erklärt den Besuchern, dass er ein Video zeigt, in dem zwei Mannschaften miteinander Basketball spielen. Die einen Spieler tragen helle Trikots, die andere dunkle. Nun sollte sich das Publikum auf die Mannschaft mit den hellen Trikots konzentrieren und genau mitzählen, wie viele Ballwechsel sie schaffen. 12, 14 oder 16 lauten die Antworten. Der Illusionist will anschließend wissen, ob die Zuschauer denn auch den Gorilla gesehen hätten. Welchen Gorilla? Das Erstaunen im Publikum ist groß, als das Video ein 2. Mal abgespielt wird. Losgelöst von der Konzentration auf die Ballwechsel erkennt man plötzlich zwischen den Spielern einen Menschen im Gorillakostüm, der ganz offensichtlich und winkend durch das Spielfeld schlendert. Etwa die Hälfte des Publikums hatte ihn zuvor nicht wahrgenommen.

Der Versuch ist nicht neu, er stammt von der Harvard Universität. Amerikanische Wissenschaftler wollten damit beweisen, wie unzuverlässig Zeugenaussagen bei Gericht sind. Markus Laymann weiß um die Objektivität von Zeugenaussagen, denn im richtigen Leben ist er Rechtsanwalt. Fachleute sprechen hier von einer Unaufmerksamkeitsblindheit. Das ist die Nichtwahrnehmung von Objekten, bedingt durch die eingeschränkte Verarbeitungskapazität des menschlichen Gehirns. Faszinierend, wie leicht sich unser Gehirn täuschen lässt – durch Farben, Formen oder Annahmen, wie weitere Versuche eindrucksvoll belegen.

Hellseherische Fähigkeiten bewies der Zauberer bei weiteren Kunststücken. Helga aus dem Publikum soll sich eine Zahl zwischen 1 und 50 merken. Nicht zu klein, nicht zu groß, irgendwo mittendrin. Ach ja, und ungerade soll sie sein, das wäre auch ganz schön. Helga merkt sich ihre Zahl und staunt nicht schlecht, als der große Meister sie zielsicher errät. Die Zahl 37 muss es sein. Richtig! Zauberei ist das nicht, sondern Mathematik und Statistik. 85 Prozent der Probanden wählen die Zahl 37. Probieren Sie es aus!

Das Interesse an der Zauberei sei bei ihm entstanden, als er einen Zaubertrick sah, bei dem der Zauberer einen Zeitungsstreifen in zwei Teile schnitt und Simsalabim, schwups war der Streifen wieder ganz. Laymann führt diesen Trick leidenschaftlich wieder und wieder vor, während sein Publikum vergeblich versucht, ihm auf die Schliche zu kommen.

Nach 90 Minuten bester Unterhaltung musste so mancher der Erkenntnis von Berti Vogts beipflichten: »Die Realität ist oft anders als die Wirklichkeit.« (MM)

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