Fachangestellte/r für Bäderbetriebe
Oberste Priorität: Menschenleben retten
- Das Main-Schwimmbad Klingenberg-Trennfurt ist Oliver Klug´s Arbeitsplatz. Hier ist er mit Herz und Seele für seine Badegäste da.
- Foto: Andrea Kaller-Fichtmüller
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Oliver Klug macht als Quereinsteiger Ausbildung zum Fachangestellten für Bäderbetriebe – Leidenschaft ist zum Beruf geworden
Die Freibadsaison ist in vollem Gange! Meist Anfang bis Mitte Mai haben die Freibäder im Landkreis ihre Pforten für kleine und große Wasserratten geöffnet. Das herrliche Wetter zu Beginn des Wonnemonats mit viel Sonnenschein und angenehm warmen Temperaturen tat ein Übriges und lockte bereits zahlreiche Gäste zum Schwimmen.
Immer zur Stelle, um Leben zu retten
Wenn die Liegewiesen gut besucht sind und es im Schwimmbecken munter zugeht, dann hat vor allem die Badeaufsicht in den Freibädern alle Hände voll zu tun. Rettungsschwimmer, Fachangestellte für Bäderbetriebe und Meister für Bäderbetriebe – wie die offiziellen Bezeichnungen der landläufig als „Bademeister“ bekannten Aufsichtspersonen lauten – wachen über die Badegäste, helfen bei kleinen und größeren Verletzungen und sind ganz nebenbei auch noch für vielerlei Dinge rund um den Badebetrieb zuständig. Ihr Hauptaugenmerk gilt natürlich der Sicherheit der Badegäste, und sie sind im Notfall immer zur Stelle, um Leben zu retten.
Späte Berufung
Einer von ihnen ist Oliver Klug, der im Main-Schwimmbad im Klingenberger Ortsteil Trennfurt arbeitet. Erst im letzten Jahr hat der gebürtige Eisenbacher die Ausbildung zum Fachangestellten für Bäderbetriebe erfolgreich abgeschlossen – als Quereinsteiger mit 56 Jahren! Was hat ihn dazu bewogen, sich beruflich noch einmal weiterzubilden?
Ausbildung als Maurer und Stahlbetonbauer
„Ich habe schon vor ca. 40 Jahren meinen Rettungsschwimmer gemacht“, erzählt Oliver Klug im Gespräch. „Damals war ich Mitglied bei der Wasserwacht, dachte aber natürlich in jungen Jahren nicht an eine berufliche Karriere als ´Bademeister´, obwohl mich der Platz auf dem Aussichtsturm schon als Kind interessiert hat. Beruflich habe ich zunächst einen ganz anderen Weg eingeschlagen.“ Oliver Klug ist gelernter Maurer und Stahlbetonbauer. In beiden Berufen hat er die Techniker-Weiterbildung erfolgreich absolviert und auch noch jeweils den Meister gemacht. Danach hat er einige Jahre in der Mauerziegelindustrie als Hochbautechniker und Stahlbautechniker gearbeitet. „Dabei sollte es aber nicht bleiben“, berichtet er weiter. „Und so habe ich mich im Jahr 1997 als Bauunternehmer selbständig gemacht.“
Weiterbildung zum Gutachter
Im Jahr 2001 erfolgte eine Weiterbildung zum Gutachter. 2002 folgte dann die Spezialisierung als zertifizierter Prüfer für den sogenannten „Blower-Door-Test“, wo er nach eigenen Angaben bis heute ca. 150 – 200 Messungen jährlich durchführt. 2005 schloss Oliver Klug noch eine Ausbildung als Energieberater bei der Handwerkskammer ab. Die Anerkennung als TÜV-zertifizierter Thermograf schloss sich an.
Auch in der Gastronomie tätig
Beruflich hatte Oliver Klug aber noch längst nicht alles erreicht, was er wollte. „Von 2006 bis 2015 war ich als Inhaber in der Gastronomie tätig. Aus dieser Zeit resultiert ein Food-Truck, mit dem ich heute noch bei verschiedensten Veranstaltungen unterwegs bin, beispielsweise bei verkaufsoffenen Sonntagen. 2017 kam noch eine eigene Schnapsbrennerei dazu.“ Sein Bauunternehmen hat er in dieser Zeit sukzessive zurückgebaut.
Fit durch Schwimmen
„Die Zeit, die mir dadurch blieb, wollte ich nutzen, um etwas für mich zu tun und mich fit zu halten“, so Oliver Klug weiter. Die Alternativen, die sich ihm dabei boten, waren Radfahren, Laufen bzw. Joggen oder Schwimmen. „Da bin ich mit Ende 40 wieder beim Schwimmen gelandet. Im Winter nutzte ich die Frühbadestunde im Elsenfelder Hallenbad, im Sommer schwamm ich nach Feierabend im Freibad in Großwallstadt. Vor etwa 7 Jahren kam ich mit Herrn Kurz, dem damaligen Betriebsleiter im Freibad Großwallstadt, ins Gespräch. Er suche immer wieder mal Rettungsschwimmer und so fragte er auch mich, ob ich mir vorstellen könne, als Aufsicht auf Mini-Job-Basis in Großwallstadt zu arbeiten. Gesagt, getan. Nachdem ich 2018 erneut das silberne Abzeichen als Rettungsschwimmer erbrachte, wurde ich gleich im selben Jahr stundenweise im Freibad Großwallstadt beschäftigt.“
Nächstes Berufsziel angepeilt
„Herr Kurz sah wohl Potenzial in mir und animierte mich, ich solle mich doch als ´Externer´ zur Prüfung zum Fachangestellten für Bäderbetriebe anmelden. Ab hier habe ich mir überlegt, ob ich meine wiedergewonnene Leidenschaft für das Schwimmen auch beruflich nutzen könnte. Ich recherchierte, dass man sich zur Gesellenprüfung für das Berufsbild Fachangestellter für Bäderbetriebe anmelden kann, wenn man nachweislich viereinhalb Jahre als Rettungsschwimmer gearbeitet hat. Das war genau das Richtige für mich!“ Im Jahr 2019 wechselte Herr Klug ins Freibad nach Stockstadt, wo er eine befristete Festanstellung in Teilzeit bekam. 2020 blieb Oliver Klug noch in Stockstadt, 2021 wechselte er ins Hallenbad Kleinwallstadt und kam dann 2022 ins Trennfurter Freibad, wo er auch heute noch arbeitet.
Prüfung auf Anhieb bestanden
„2023 war es dann so weit und ich konnte mich für die Prüfung anmelden. In einem kleinen Aufbaukurs wurde man fit für die Prüfung gemacht, die in Theorie und Praxis unterteilt ist. Ich war sehr stolz, als ich 2024 mit 56 Jahren die Prüfung zum Fachangestellten für Bäderbetriebe auf Anhieb bestand. Seitdem bin ich als ´Gelernter´ in diesem Beruf im Main-Schwimmbad angestellt.“
Vielseitiger Beruf
Was Oliver Klug an seiner späten Berufung schätzt, ist die Vielseitigkeit. „Da ist einerseits die große Verantwortung, die meine Arbeit mit sich bringt. Menschenleben zu retten hat immer oberste Priorität. Gottlob hatte ich noch keine brenzligen Situationen in meinem Arbeitsalltag zu bewältigen. In der Regel sind es Schnitt- oder Schürfwunden und Insektenstiche, um die ich mich kümmern muss. Andererseits gibt es auch schöne Aspekte, die mich an meiner Tätigkeit reizen: Man arbeitet dort, wo andere sich entspannen und ist immer an der frischen Luft. Dazu kommen weitere Aufgaben wie das Reinigen und Desinfizieren, Beherrschen der Mess- und Regeltechnik, aber auch das Schneiden von Hecken, Maler- und Streicharbeiten oder auch Fliesenlegen. Als gelernter Handwerker sind mir diese Tätigkeiten nicht fremd. Ich kann jedem nur empfehlen, niemals mit dem Lernen aufzuhören und die eigenen Leidenschaften, wann immer es möglich ist, beruflich zu nutzen.“
Autor:Andrea Kaller-Fichtmüller aus Miltenberg |
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