Retrospektive Werkschau zeigt auch „Fingerbilder“
Ausstellung „Aspekte“ mit Wilfried Georg Barber im Landratsamt eröffnet
- Die Ausstellung "Aspekte" wurde von Landrat Dr. Achim Brötel eröffnet. (v.l.) Ulrike Thiele, Friederike Kroitzsch, Wilfried Georg Barber, Landrat Dr. Achim Brötel und Rupert Laible
- Foto: Landratsamt Neckar-Odenwald-Kreis
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Mosbach. „Er ist kein internationaler Popstar der Kunstszene“, zu diesem etwas rätselhaften Schluss kam die KI, die Landrat Dr. Achim Brötel zum Balsbacher Künstler Wilfried Georg Barber befragt hatte. Kein Wunder, dass Brötel nun eher die natürliche Dummheit der Menschen fürchtet statt die künstliche Intelligenz. „Aspekte“ überschreibt Barber seine retrospektiv angelegte Werkschau im Mosbacher Landratsamt. Bei der Vernissage dieser Tage führte er ein Künstlergespräch mit Ulrike Thiele. Die zweite Vorsitzende des Kunstvereins Neckar-Odenwald kuratierte die Schau zusammen mit dem Künstler. Hinreißende musikalische Improvisationen steuerte Rupert Laible an den Tasten bei – und verwies damit indirekt auf eine Werkgruppe, die sich mit Notennotationen beschäftigt.
„Der Name Wilfried Georg Barber verweist sehr wahrscheinlich auf eine konkrete Person aus dem Kunstbereich“, lautete die zweite, eher marginale Information, die der Landrat aus dem weltweiten Netz erhielt. Ganz real konnte der Hausherr dagegen 60 Gäste im Foyer begrüßen. „Der Titel ‚Aspekte‘ lässt ganz bewusst Raum, so wie die Kunst insgesamt ja auch keine Grenzen setzt“, näherte sich Brötel der inhaltlichen Ebene an. Per definitionem seien Aspekte einzelne Teile eines größeren Ganzen, „besondere Blickwinkel, Fragmente einer Wirklichkeit, die sich eh nie ganz erfassen lässt“. Der Künstler – ein „Wahl-Odenwälder aus Überzeugung“ – öffne bewusst einen Raum für Fragen, Assoziationen und eigene Gedanken.
In Köln geboren und ausgebildet an den dortigen Werkschulen, war Barber zunächst als Werbegraphiker tätig. Anfang der 1980er Jahre zog es ihn nach Italien. Vor 24 Jahren fand Barber im Odenwald eine neue Heimat. 2002 gestaltete er zusammen mit seiner heutigen Frau, der Journalistin Friederike Kroitzsch, den Kunstband „BuchenBlätter“, woran sich der Landrat bis heute erinnert. Die Graphitzeichnungen von damals sind jedoch längst einer gerne vielfarbig-bunten, abstrakten Malerei gewichen. Assoziativ tastete sich Rupert Laible musikalisch an die Bilder heran. Zwischen dem Hintergrund-Konzert der Vögel im Grün jenseits der Fenster bis zur laut zuknallenden Tür in den Untiefen des Gebäudes reichte die Surround-Ad-Hoc-Komposition. Weit hinaus aufs Meer wagte sich der Pianist, folgte den strömenden Wellen, bündelte sie und ließ sie langsam wieder verebben wie ein entspannter Pulsschlag.
„Wir machen ein Gespräch, das wir seit Jahren führen, öffentlich weiter“, betonte Ulrike Thiele. „Du hast viele Ebenen in deiner Arbeit, wir wollten die verschiedenen Aspekte zeigen“, erläuterte sie den Titel der Schau. Besonders angetan zeigte sie sich von den „lyrischen Bildtiteln“ Barbers. Dass dieser konstruktivistisch streng begonnen habe, um zu gestisch freien Arbeiten zu gelangen, bestätigte der Blick an die umgebenden Wände. „Wenn ich die Präzision von damals sehe, bin ich froh, wie frei ich heute unterwegs bin“, fand auch Barber. Manchmal brauche man einfach eine Ordnung und berufe sich auf die Linie, aber nur, um sich dann zu gegebener Zeit wieder davon zu lösen. Auch vom Pinsel als Werkzeug hat er sich – zumindest eine Zeit lang – gelöst: „Bei manchen Bildern habe ich die Farbe mit den Händen auf die Leinwand getragen“, führte der Künstler aus. So könne er seine Gefühle unmittelbarer zum Ausdruck bringen. Thieles Resümee lautete: „Deine Bilder brauchen Zeit, Luft und Tageslicht, ein Gefühl der Kontemplation stellt sich beim Betrachten ein.“ Zum Überprüfen begaben sich die Gäste beim Rundgang ins erste Obergeschoss, „Ins Blaue“, wie Barber die erste Gemäldereihe ansprach. „Diese Bilder sind alle mit der Hand gemalt – synchron mit beiden Händen. Was sich auf der Seele widerspiegelt, darauf habe ich keinen Einfluss“, begrenzte Barber seine Macht. Auch die Betrachter gemahnte er: „Es ist Ihnen überlassen, wie weit Sie Ihre Seele öffnen. Es ist Ihr Gefühl.“
Info: Die Ausstellung „Aspekte“ ist bis 9. Oktober im Mosbacher Landratsamt zu sehen.
Bericht von Peter Lahr
Autor:Landratsamt Neckar-Odenwald-Kreis aus Neckar-Odenwald-Kreis |
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