Gläserne Produktion
„Von der Darre auf den Teller“ - Einblicke in die Grünkernerzeugung im Bauland bei Familie Mechler in Altheim
- Armin Mechler (Mitte) und Sohn Julian erklären den interessierten Besuchern die Anbautechniken der Dinkelsorte „Bauländer Spelz“ für ihre Grünkernproduktion in Altheim
- Foto: Landratsamt Neckar-Odenwald-Kreis
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Walldürn-Altheim. Zusammen mit dem Fachdienst Landwirtschaft des Neckar-Odenwald-Kreises hatte Familie Armin und Christine Mechler am vergangenen Montag im Rahmen der Landesaktion „Gläserne Produktion“ zu einem informativen Nachmittag mit anschließender Verkostung eingeladen. Die Veranstaltung stand ganz im Zeichen der traditionellen Grünkernherstellung. Schon im Vorfeld bekamen die rund 20 angemeldeten Gäste eine Ahnung von den Unwägbarkeiten der landwirtschaftlichen Arbeit: Da die warme Witterung der vergangenen Tage die Reifung des Dinkels enorm beschleunigt hatte, musste der Termin kurzfristig um zwei Tage vorverlegt werden. So ermöglichte es Familie Mechler ihren Gästen, hautnah beim Einbringen der letzten Charge Grünkern des Jahres dabei zu sein.
Treffpunkt war an der Grünkerndarre in Altheim, die Armin Mechler zusammen mit seinen Söhnen Julian und Fabian vor sieben Jahren errichtet hatte und die sie seither gemeinsam im Nebenerwerb betreiben. Nach einer kurzen Begrüßung durch Laura Miesbauer, Sachgebietsleiterin für Ernährung, Hauswirtschaft und Einkommenskombinationen beim Landratsamt, berichtete Armin Mechler von den historischen Anfängen des Grünkerns. Damals hatten die Bauern regelmäßig mit nasser Witterung zu kämpfen. Weil sich der feuchte Dinkel schlecht lagern ließ, kam man auf die Idee, das Getreide noch unreif zu ernten, mithilfe von warmer Luft zu trocknen und anschließend zu kochen. Damit war die Grünkernsuppe geboren – das erste Gericht, das jemals aus Grünkern hergestellt wurde.
Im Anschluss ging es für die Gruppe auf das Feld, wo zu Demonstrationszwecken noch ein letztes Stück Dinkel stand. Armin und Julian Mechler erklärten, wie sie das Getreide anbauen und zeigten die unterschiedlichen Reifegrade je nach Standort. Danach ging es weiter zur nahegelegenen Darre, wo der Trocknungsprozess veranschaulicht wurde. Die durch ein Holzfeuer erwärmte Luft wird gefiltert und über ein Gebläse in die Darre geleitet. Dort trocknet sie langsam das Getreide, das an dem warmen Luftstrom vorbeigefördert wird. „Während die Menschen früher den Dinkel noch von Hand auf der Lochblechwanne über mehrere Stunden wenden mussten, übernimmt diese schweißtreibende Arbeit heutzutage zum Glück eine Förderschnecke“, erklärte Mechler. Um den gewünschten Feuchtigkeitsgehalt im Korn von 11 bis 13 Prozent zu erreichen, dauert der Trocknungsprozess etwa sechs Stunden.
Dass dabei nicht immer alles glatt läuft, musste dieses Jahr auch Familie Mechler erfahren: Nachdem sie vergangenen Mittwoch mit dem Darren begonnen hatte, streikte am Donnerstag bei gefüllter Darre plötzlich das Gebläse. In Teamarbeit und mit Unterstützung von Bekannten konnte zwar spontan ein neues Gerät organisiert werden, bis alles wieder lief, war es allerdings bereits 23 Uhr. Und während die deutsche Fußball-Nationalmannschaft an diesem Tag bereits um 24 Uhr deutscher Zeit Feierabend hatte, wurde es bei Familie Mechler eine Nachtschicht bis fünf Uhr am nächsten Morgen. „Aber so ist Grünkernherstellung eben“, stellte Armin Mechler nüchtern fest. Die interessierten Besucherinnen und Besucher nutzten die Gelegenheit und stellten den Grünkernbauern zahlreiche Detailfragen, die kompetent beantwortet wurden.
Nach so viel Wissenswertem rund um die Spezialität des Baulands durfte natürlich auch die Verkostung nicht fehlen. Christine Mechler hatte aus den hofeigenen Produkten ein Drei-Gänge-Menü gezaubert, bestehend aus Grünkernaufstrich, frisch gegrillten Grünkernküchle und einer Grünkern-Schoko-Torte. Die Gäste genossen das Menü sichtlich und zeigten sich erstaunt, wie vielfältig Grünkern – ob als ganzes Korn, geschrotet oder als Mehl – für herzhafte Speisen und Desserts in der Küche eingesetzt werden kann.
Kurz vor dem offiziellen Ende der Veranstaltung wurden die Teilnehmenden schließlich Zeugen, wie die letzte Charge des Jahres 2026 den gewünschten Trocknungsgrad erreichte. Die Darre wurde ausgeschaltet und der fertige Grünkern verladen, um anschließend in der Talmühle Haas entspelzt zu werden. Ein rundum gelungener Abschluss einer informativen und kulinarisch hochwertigen Veranstaltung, für die die begeisterten Gäste beim anschließenden geselligen Beisammensein viel Lob übrig hatten.
Autor:Landratsamt Neckar-Odenwald-Kreis aus Neckar-Odenwald-Kreis |
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