Rebhuhnschutz-Projekt Schefflenztal ausgezeichnet
Preisgekrönte Kooperation schafft Lebensraum für Niederwild

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Mehr Fachgespräch als Festakt: Verleihung der Preisträgertafel an Rebhuhnschutz-Projekt 

Neckar-Odenwald-Kreis, Schefflenz. bd. Aus der Übergabe der Preisträgertafel des Wettbewerbs „Landschaft in Bewegung“ an das Projekt “Rebhuhnschutz Schefflenztal" entwickelte sich im Schefflenzer Rathaus unwillkürlich ein Fachgespräch am Runden Tisch. Was als formeller Medientermin zur Würdigung des im Dezember verliehenen und mit 10.000 Euro dotierten Preises des Verbandes Region Rhein-Neckar geplant war, nutzten die Akteure für eine strategische Betrachtung zur regionalen nachhaltigen Entwicklung. In der intensiven Diskussion wurde schnell erkennbar, dass hier Überzeugungstäter*innen am Werk sind, die das Projekt mit hohem persönlichem Engagement tragen.
Dr. Claus Peinemann (Regionalplanung Verband Region Rhein-Neckar) überreichte die Plakette an Bürgermeister Raphael Hoffmann und die Vertreter der Rebhuhnschutz - Initiative Andreas Sigmund (Bauernverband NOK), Peter Baust (NABU Mosbach), Judith Knebel (Naturschutzreferat Regierungspräsidium Karlsruhe), Dr. Elmar Werling (Ornithologische Gesellschaft Baden-Württemberg) und Luisa Klingmann (Landschaftserhaltungsverband NOK).

Freiraumstruktur und Public-Private-Partnership

Peinemann ordnete das Projekt am östlichen Ende der „Kurpfalz-Achse“ ein und bezeichnete es als Musterbeispiel für die Metropolregion. Die Raum- und Landschaftsentwicklung des Regionalparks Rhein-Neckar basiere maßgeblich auf der gezielten Weiterentwicklung und strukturellen Vernetzung von Freiräumen durch solche „Grün-Projekte“. Konzeption und Umsetzung des Rebhuhnschutzprojekts sei ein beispielhafter Baustein einer übergeordneten Freiraumstrategie. Das Schutzprojekt war eines von sechs im Jahr 2025 ausgezeichneten Vorhaben(insgesamt 50 prämierte Projekte seit 2005). Die Initiative stelle ein Erfolgsmodell für eine gelebte „Public-Private-Partnership“ dar. Durch die interdisziplinäre Vernetzung von Verwaltung und privaten Organisationen und Akteuren entstehe ein Gewinn an Landschaftsqualität und Identität.

Besonders hob Peinemann hervor, wie die Initiative zwei Kernziele der Handlungsziele des Regionalparks Rhein-Neckar mustergültig zusammenführt: das Handlungsziel 7 („Rhein-Neckar mit Widersprüchen leben und zukunftsfähig gestalten“) sowie das Handlungsziel 9 („Landschaft aktivieren und dabei experimentieren“). Das Projekt zeige, wie der scheinbare Widerspruch zwischen moderner Landwirtschaft und strengem Artenschutz produktiv aufgelöst werden kann. Es fungiere als Experimentierfeld, das beweise, dass moderne Landschaftsentwicklung besonders durch Kooperation auf Augenhöhe tragfähig sei. Im Rahmen des „Dialogs Landschaft“ für die zehn ausgewiesenen Kulturlandschaftsräume („Prächtige 10“) ist das Schefflenztal dem Bauland zugeordnet. Ohne resiliente Landschaften gäbe es keine nachhaltige Regionalentwicklung, so Peinemann.

Erfolgsschlüssel: Anschlussfähigkeit und Beratung

Während Dr. Elmar Werling die Hoffnung auf eine weitere Verstetigung und Ausweitung des Projekts äußerte, benannte Peter Baust den wesentlichen Erfolgsschlüssel: Alle Akteure verbleiben in ihren Rollen und stellen ihre Kernaufgaben in den Dienst der gemeinsamen Sache. Durch diese wechselseitige Anschlussfähigkeit entsteht ein konkreter Kooperationsnutzen. Für die Landwirte wird mit der jährlichen Beratung zu Fördermöglichkeiten ein wichtiges Dienstleistungsangebot bereitgehalten, was die Integration der Maßnahmen in den Alltag erleichtert. Die beteiligten Kommunen geben Rückhalt und erhalten weit mehr als nur Imagegewinn.

Rekordzahlen im Jubiläumsjahr

Im Jahr 2026, in dem das Rebhuhn zum „Vogel des Jahres 2026“ in Deutschland gekürt wurde, feiert die Initiative im November ihr fünfjähriges Bestehen. Aktuelle Monitoring-Daten zeigen ihren Erfolg. Der Herbstbestand im 100 Quadratkilometer großen Projektgebiet erreichte mit rund 300 Individuen einen Höchststand. Innerhalb der 32 Rebhuhnketten wurde eine Reproduktionsrate von acht Jungtieren pro Paar dokumentiert – signifikant mehr als der bundesweite Schnitt von sechs Jungvögeln im Vorjahr. Das Schefflenztal festigt damit seine Position als landesweit bedeutendstes Restvorkommen des Feldvogels. Die Basis dafür bildet die Landwirtschaft: inzwischen werden über fünf Prozent der landwirtschaftlich genutzen Fläche im Bereich des Projektgebiets" rebhuhngerecht bewirtschaftet. Über 150 Hektar werden über die Landschaftspflegerichtlinie (LPR) gefördert, insgesamt stehen inklusive Brachen über 400 Hektar Lebensraum zur Verfügung. Und da das Rebhuhn als Schirmart fungiere, profitieren von den Blühstreifen auch Insekten, Feldlerchen und Fledermäuse gleichermaßen.

Investition in die Fallenjagd

Ergänzend zur Biotopgestaltung bildet das aktive Prädatorenmanagement eine tragende Säule. Um den Druck auf Gelege durch Fuchs, Marder oder Waschbär zu minimieren, werde die Kooperation mit der Kreisjägervereinigung Neckar-Odenwald intensiviert. Daher wolle man auch das Preisgeld von 10.000 Euro überwiegend für die Anschaffung moderner, tierschutzgerechter Fanggeräte einsetzen, um die Fallenbejagung in den sieben Kernzonen zu stärken.

Autor:

Klaus Brauch-Dylla aus Limbach

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