Besuch der DFB-Talentförderung in Wagenschwend
Umdenken im Nachwuchstraining hilft Kindern, Trainern und Vereinen
- Foto: Klaus Brauch-Dylla
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(Autor: Klaus Brauch-Dylla) Die in der DFB-Akademie entwickelte neue “Trainingsphilosophie Deutschland” stellte BFV-Stützpunktkoordinator Daniel Kufner beim Vereinsbesuch der DFB-Talentförderung am Donnerstag auf dem Sportgelände in Wagenschwend vor.
Über 20 Fußballtrainer sowie eine Trainerin, überwiegend Jugendtrainer aus dem Fußballkreis Mosbach, hatten sich eingefunden; auch ein gutes Dutzend Zaungäste verfolgte neugierig das Geschehen auf dem Hauptplatz. Luca di Paolo, in Personalunion Stützpunkttrainer des DFB und zugleich Seniorencoach beim SV Wagenschwend, hatte den Vereinsbesuch arrangiert, um die regionalen Trainerkollegen mit der neuen Trainingskonzept vertraut zu machen. Wer bei dem von manchen als hochtrabend empfundenen Titel “Trainingsphilosophie Deutschland" einen abgehobenen Vortrag erwartet hatte, wurde angenehm überrascht – seinem Anspruch, ein Konzept für die Basis, die dörflichen Vereine und Spielgemeinschaften zu vermitteln, wurde Kufner von Beginn an gerecht.
Früher hätten die Kids schon 20 000 Mal mit dem Ball gegen eine Mauer gekickt, bevor sie zum ersten Mal in ein Fußballtraining gingen, legte er los. “Und an den Tagen ohne Training, was habt ihr da vor allem gemacht?”, fragte Daniel Kufner die interessierten lokalen Kollegen. “Gekickt”, lautete die vielstimmige Antwort der heterogenen Fortbildungsgruppe, die selbst eine Alters-Bandbreite von gut vier Jahrzehnten aufwies. Der heutige Nachwuchs wachse völlig anders auf, früher habe es im wesentlichen nur Fußball gegeben. “Heute werden zig weitere Sportarten angeboten, hinzu kommen noch dominierende Freizeitaktivitäten wie Handy und Co. Doch trainiert wird im Wesentlichen noch wie vor 30 Jahren, obwohl die heutigen Kinder ein völlig verändertes Leben leben”, beschrieb Kufner die Ausgangslage, auf die der DFB in seiner Akademie eine zeitgemäße und zukunftsfähige Antwort entwickeln wollte.
Das neue Konzept will quasi den Bolzplatz auf den Sportplatz holen und der heutigen Generation die Fähigkeiten vermitteln, die früher auf dem Bolzplatz ganz nebenbei erlernt wurden. Das A&O: maximal viele Ballaktionen, permanente Beteiligung und hohe Intensität aller Spieler*innen, schnell verständliche Übungen – nie ohne Ball, keine Spezialisierung und kleine Spielformen, maximal 5 gegen 5, auf mehreren kleinen Feldern. „Damit holen wir das nach, was die Jungs früher auf der Straße gelernt haben, und damit möchten wir erreichen, dass sich jeder Spieler verbessert.“ Das Konzept, basierend auf den drei Schlagworten: Freude, Intensität, Wiederholung, will die Kinder begeistern, denn „wenn man Spaß dabei hat, lernt man besser.“
Wie das in der Praxis geschehen kann, demonstrierte der Stützpunktkoordinator zusammen mit Di Paolo in einem 90-minütigen Demo-Training mit den D-Junioren des JSV Limbach-Fahrenbach, für die Sascha Eppel beim SV Wagenschwend federführend verantwortlich zeichnet.
Sehr wenige Schlagworte genügten, um den Kindern die Spielregeln klar zu machen und den Ball rollen zu lassen. Schließlich sollen die auch mit dem Kopf dabei sein, “die Kids sind ja nicht doof, die kapieren schnell was gefragt ist”, ist Kufner überzeugt. Mit kurzen Interventionen, wie der “shot clock” oder der klassischen Bolzplatzregel “wer den Ball ins Aus schießt, holt ihn und bringt ihn mir", greift der Anleiter steuernd ein. Da sofort der nächste Ball ins Spiel kommt, “flitzt” der Holer, um die Unterzahl-Zeit seines Teams kurz zu halten.
Diese hohe Intensität, ein Training ohne Standzeiten und mit möglichst hoher Nettospielzeit, sorge für den gewünschten Lerneffekt. Gleiches gelte für das wiederholende Trainieren in kleinen Spielformen. Diese Formen deckten die Basics des Sports ab und erlaubten gleichzeitig Kreativität und Freiheiten, die Spieler*innen stünden im Fokus. Zugleich hob Kufner auch die hohe Variabilität der Grundformen hervor, die sich situativ anpassen ließen und den Anleitenden viele unkomplizierte Steuerungsmöglichkeiten böten, da die Kinder die zugrunde liegenden Übungen verinnerlichten und bald eigenständig durchführen könnten. Und flexibel wie auf dem Bolzplatz gehören auch Spiele auf ein Tor zum Repertoire.
Im Anschluss an die Trainingseinheit wurde das Gesehene in einem Theorieteil am Bildschirm weiter vertieft. Orientiert an den Leitsätzen "Mehr Aktionen führen zu mehr Qualität" und "Der Ball muss ins Netz" sollten die Trainingseinheiten zunächst alters- und leistungsklassen-unabhängig gestaltet werden, eine Steigerung der Anforderungen sei individuell und unkompliziert möglich. Auch wenn diese Formen des Spiels – viele kleine Spielfelder, viele Tore, viele Bälle etc. – zunächst aufwändig zu organisieren seien, für die Kinder seien sie zu einhundert Prozent richtig – allein schon im Hinblick auf die Wiederholungs- und Aktionszahlen in kleinen Spielformaten. Im 7 gegen 7 habe ein Kind zirka 50-mal den Ball. Im 3 gegen 3 sind es pro Spieler*in im gleichen Zeitraum 200 Ballaktionen. Rechne man diese Zahlen hoch, zeige sich auch mathematisch, wie groß der Unterschied sei und wie sehr die Kinder durch die Kleinspielformen profitierten.
Der intensive Applaus im Sportheim zeigte, das Kufner sein “Publikum” erreicht hatte, sein Angebot das umfangreiche Trainingskonzept anzufordern, fand breite Resonanz.
Autor:Michael Hitzelberger aus Aglasterhausen |
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