Bildergalerie und Essay.
Was ist so anziehend beim Buchener Schützenmarkt?
- In Erinnerung bleiben die Eltern mit ihren Kindern, die Karussell, Mini-Achterbahn und kleines Riesenrad nutzen – lachend, winkend, staunend und manchmal mit einer Mischung aus Stolz und leichter Sorge im Gesicht. Dazu kommen das orientalische Flair der Händler, die Musik, die Düfte, die Farben und dieser besondere Festplatzzauber, bei dem man am Ende mehr gegessen hat, als geplant war, und trotzdem überzeugt ist: Das musste jetzt so sein.
- hochgeladen von Roland Schönmüller
Schützenmarkt Buchen: Humorvoller Spazierweg zwischen Blecker, Beginenhaus, bronzenen Schelmen, Wimpina-Brunnen, Orientbasar und lebhaftem Festgelände.
Buchen. Der Weg zum Schützenmarkt, der noch bis zum 13. September 2026 dauert, beginnt am Parkplatz am Blecker-Denkmal und unweit des Beginenhauses. Dort stehen die Autos wie geduldige Wüstenschiffe auf Rädern und hoffen vermutlich, dass niemand mit Zuckerwatte an den Fingern zurückkommt. Die kleine Treppe hinauf wirkt wie ein Grenzübergang: unten Alltag, oben Festbetrieb – mit mehr Duft, mehr Musik und deutlich mehr Kalorien pro Quadratmeter. Das Alte Rathaus schaut gelassen zu, als hätte es schon so viele Festzüge gesehen, dass es längst jeden Tusch am Dachgebälk erkennt.
Gleich rechts empfängt der Fastnachtsfiguren-Brunnen mit seinen bronzenen Schelmen die Besucher. Die Figuren glänzen im warmen Septemberlicht und sehen aus, als hätten sie vorher heimlich eine Sitzung abgehalten: Tagesordnungspunkt eins: „Wer sorgt heute für gute Laune?“ Tagesordnungspunkt zwei: „Alle.“ Dieses närrische Empfangskomitee scheint mit metallischem Augenzwinkern zu raunen: „Nur hereinspaziert – wer hier ernst bleibt, ist selber schuld.“
Wenige Schritte weiter öffnet St. Oswald ihre Tür – ein kühler Atemzug mitten im warmen Festtrubel. Das Kirchenschiff wirkt wie eine freundliche Pause-Taste für Menschen, die gerade zwischen Bratwurstduft und Musikboxen navigieren. Durch das farbige, große Glasfenster tanzen horizontale, diagonale und senkrechte Linien ein kleines Lichtballett, als hätte jemand die Geometrie zum Sonntagsausflug eingeladen.
Draußen wartet die Brunnenfigur des Konrad Koch – besser bekannt als Konrad Wimpina, Buchens berühmter Humanist. Er steht dort nicht streng wie ein Professor kurz vor der Klausur, sondern eher wie ein gemütlicher Odenwälder, der alles schon weiß und nur freundlich denkt: „Geht nur weiter. Die Zuckerwatte wird nicht schlechter, und die Pommes laufen auch nicht davon.“
Fast ein Orientbasar – Karl May hätte hier gelächelt
Zwischen den Verkaufsständen liegt ein Hauch von Orient, der sich nicht aufdrängt, sondern elegant zwischen Auslagen, Düften und neugierigen Blicken hindurchschleicht. Hier präsentiert sich ein Orientbasar par excellence – so charmant, dass selbst Karl May vermutlich kurz abgestiegen wäre, nicht wegen wilder Abenteuer, sondern wegen dieser herrlichen Mischung aus Odenwald und Morgenland, die so tut, als sei sie schon immer per Handschlag mit Buchen verbunden gewesen.
Die getrockneten Früchte liegen wie kleine Schatzkörner aus 1001 Nacht da – nur dass sie vermutlich nicht von Karawanen durch die Wüste gebracht wurden, sondern sehr bodenständig per Lieferwagen aus der näheren Umgebung. Aprikosen, Feigen und süße Köstlichkeiten wirken trotzdem, als könnten sie gleich anfangen, Märchen zu erzählen. Dazu duften Gyros, Tzatziki, Salate und weitere Spezialitäten so verführerisch, dass selbst ein strenger Ernährungsplan spontan Urlaub einreichen würde.
Die Händlerinnen und Händler – freundlich, gelassen und mit einem Lächeln unterwegs, das jedes Wetter überstrahlt – wirken wie moderne Geschichtenerzähler. Nur verkaufen sie keine Abenteuerromane, sondern Aprikosen, Feigen, Sesamgebäck und andere kleine Glücksgriffe für die Tüte. So entsteht ein festlicher Beinahe-Basar, der die Welt nicht kopiert, sondern sie mit Humor, Herzlichkeit und einem kräftigen Schuss Odenwald übersetzt.
Quirlig: Festplatz, Zelt, Fahrgeschäfte
Das Festzelt steht wie ein freundlicher Riese mitten im Geschehen. Drinnen genießt ein Seniorenpaar Brathähnchen mit Pommes und Krautsalat – konzentriert, zufrieden und mit der Würde von Menschen, die wissen: Ein gutes Hähnchen braucht keine langen Reden. Die Bedienungen flitzen derweil mit einer Energie durch die Reihen, die vermuten lässt, dass sie heimlich von der Mini-Achterbahn aufgeladen wurden. Auf der Bühne baut die Musikgruppe „Q6 Band – Partykühe“ gerade ihre Instrumente auf – ein stilles Versprechen, dass der Abend später nicht einfach beginnt, sondern samt Kuhglocken-Gefühl losmarschiert.
Draußen rattert die Mini-Achterbahn selbstbewusst über ihre Schienen – klein im Format, groß im Auftreten. Sie benimmt sich wie die kleine Schwester der großen Achterbahnen, die allen beweisen will: „Ich kann auch Kreischen.“ Ein junges Frauentrio sitzt gespannt im Wagen, die Hände fest am Bügel, die Augen voller Erwartung. Gleich wird ein Jubelruf über den Platz fliegen, der irgendwo zwischen Mutprobe, Spaß und „nochmal!“ landet. Eltern stehen daneben: manche als Begleitpersonen, manche winkend aus sicherer Entfernung, alle aber mit diesem Blick, der sagt: „Hauptsache, die Kinder haben Spaß – und wir finden sie danach wieder.“
Die Stadthalle bietet dazu eine ruhige Gegenwelt: Kunsthandwerk, gedrechseltes Holz, Schmuck, Bilder, Kaffee und Kuchen. Ein Ort zum Durchatmen, Staunen und Schmunzeln – besonders für alle, die nach der Achterbahn kurz überprüfen möchten, ob der Magen noch am vorgesehenen Platz sitzt.
Fazit – Ein Fest, das lacht
In Erinnerung bleiben die Eltern mit ihren Kindern, die Karussell, Mini-Achterbahn und kleines Riesenrad nutzen – lachend, winkend, staunend und manchmal mit einer Mischung aus Stolz und leichter Sorge im Gesicht. Dazu kommen das orientalische Flair der Händler, die Musik, die Düfte, die Farben und dieser besondere Festplatzzauber, bei dem man am Ende mehr gegessen hat, als geplant war, und trotzdem überzeugt ist: Das musste jetzt so sein.
Und mittendrin glänzt der Fastnachtsfiguren-Brunnen mit seinen bronzenen Schelmen, als hätte er die ganze Zeit heimlich mitgeschrieben. Er begleitet auch den Rückweg – nicht laut, nicht aufdringlich, sondern mit närrischem Charme. Ein humorvolles, warmes Willkommen und Wiedersehen, das den Schützenmarkt in Buchen noch ein bisschen bunter, herzlicher und schelmischer macht.
Roland Schönmüller (Text und Fotos)
Autor:Roland Schönmüller aus Miltenberg |
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