Politischer Austausch in Erlenbach
Frauen in der Politik – gestern, heute und morgen
- von links: Ingrid Kaiser, Ulrike Neuberger-Bornhorst, Anne Tulke, Christa Buchschmid, Marina Oliveira Zbinden, Petra Münzel, Karin Vogel, Rebecca Berninger, Helga Raab, Anne Ehrentraud, Sylvia Deckert, Barbara Katschner
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SPD-Frauen diskutieren über Frauen in der Politik – gestern, heute und morgen
Politischer Austausch in Erlenbach: Erfahrungen teilen, Herausforderungen benennen und gemeinsam in die Zukunft blicken
ERLENBACH AM MAIN. Wie hat sich die Rolle der Frauen in der Politik verändert, vor welchen Herausforderungen stehen politisch engagierte Frauen heute und was muss sich für die Zukunft ändern? Mit diesen Fragen beschäftigten sich die SPD-Frauen Erlenbach-Mechenhard-Streit bei ihrer Veranstaltung „Frauen in der Politik – gestern, heute und morgen“ am Freitag, 9. Oktober 2026, im Nebenzimmer des Restaurants I Paesani in Erlenbach am Main.
Die Vorsitzende der SPD-Frauen Erlenbach-Mechenhard-Streit, Marina Oliveira Zbinden, begrüßte die Teilnehmerinnen und eröffnete den Abend mit einem Blick auf den langen Weg zur politischen Gleichberechtigung. Sie erinnerte daran, dass Frauen in Deutschland erst 1918 das Wahlrecht erhielten und bei der Wahl zur Weimarer Nationalversammlung am 19. Januar 1919 erstmals reichsweit wählen und gewählt werden konnten. Mit Marie Juchacz, die im Februar 1919 als erste Frau eine Rede in einem deutschen Parlament hielt, wurde eine wichtige Wegbereiterin der politischen Teilhabe von Frauen gewürdigt.
„Frauen haben gestern für politische Teilhabe gekämpft. Frauen gestalten heute Politik. Und wir entscheiden mit darüber, was morgen möglich sein wird“, betonte Oliveira Zbinden. Zwar seien Frauen heute in Parlamenten, Stadträten und Parteien vertreten, von einer tatsächlichen Gleichberechtigung sei man jedoch noch nicht überall entfernt. Es gehe deshalb nicht nur darum, auf das Erreichte zurückzublicken, sondern auch darum, bestehende Hindernisse offen anzusprechen und Frauen für politisches Engagement zu ermutigen. „Nicht nur Politik für Frauen, sondern Politik mit Frauen“ lautete dabei eine zentrale Botschaft des Abends.
Petra Münzel berichtet aus der politischen Praxis
Als Gastrednerin gab Petra Münzel, ehemaliges Mitglied des Bayerischen Landtags für Bündnis 90/Die Grünen, persönliche Einblicke in ihren politischen Werdegang. Dabei machte sie deutlich, welche Bedeutung die innerparteiliche Frauenförderung für ihre Karriere hatte.
Zwei Faktoren seien für ihren Weg bis in den Landtag entscheidend gewesen: die strenge Quotierungsregelung ihrer Partei und die Tatsache, dass sie keine Kinder habe. Dadurch habe sie zahlreiche Sitzungen und Veranstaltungen auch bis spät in die Nacht besuchen können. Sie habe somit in einem zeitlichen Umfang politisch agieren können, wie es für Männer häufig selbstverständlicher sei.
Ihre Erfahrungen verdeutlichten, dass politische Karrierewege für Frauen noch immer von strukturellen Bedingungen und persönlichen Lebensumständen beeinflusst werden. Die Vereinbarkeit von Beruf, Familie, Haushalt und politischem Engagement stelle viele Frauen vor große Herausforderungen. Besonders schwierig könne es werden, wenn die notwendige Unterstützung im persönlichen Umfeld fehle. Auch die Frage, ob Frauen sich aus wirtschaftlichen oder anderen Gründen gegen eigene Kinder entscheiden, wurde angesprochen.
Lebhafte Diskussion über Gleichberechtigung und gesellschaftliche Entwicklungen
Im anschließenden Austausch diskutierten die Teilnehmerinnen offen und anschaulich über die Situation von Frauen in der Politik und in der Gesellschaft. Dabei ging es um die Frage, wie viel sich seit den ersten Erfolgen der Frauenbewegung tatsächlich verändert hat und ob bereits erreichte Fortschritte wieder gefährdet sein könnten.
Kritisch wurde insbesondere die Sorge geäußert, dass gesellschaftliche Entwicklungen rückläufig sein könnten. Die Teilnehmerinnen sprachen über mögliche Folgen eines stärkeren Einflusses rechtspopulistischer Parteien und darüber, welche Auswirkungen eine solche politische Entwicklung auf Frauen, Familien und gesellschaftliche Minderheiten haben könnte. Dabei wurde deutlich, wie wichtig es ist, demokratische Werte, Menschenrechte und die Gleichberechtigung aller Menschen zu schützen.
Besonders für junge Frauen sei es wichtig, sich bewusst zu machen, was politisch auf dem Spiel stehe. Die Diskussion machte deutlich, dass demokratische Rechte und gesellschaftliche Errungenschaften nicht als selbstverständlich angesehen werden dürfen.
Auch gesellschaftliche Wertvorstellungen und die Frage, welche Prioritäten Menschen heute setzen, wurden diskutiert. Schönheitstrends, der Wunsch nach Spaß und Freizeit sowie eine ausgewogene Work-Life-Balance hätten durchaus ihre Berechtigung. Gleichzeitig sei es wichtig, nicht nur den eigenen unmittelbaren Bedürfnissen zu folgen, sondern auch den Blick für die Werte zu behalten, die ein respektvolles und solidarisches Zusammenleben ermöglichen. Eine demokratische und gerechte Gesellschaft brauche Menschen, die bereit seien, Verantwortung zu übernehmen und sich aktiv für das Gemeinwohl einzusetzen.
Dabei dürfe nicht in Vergessenheit geraten, dass viele Rechte und Errungenschaften, die Frauen und Familien heute als selbstverständlich erleben, von mutigen Frauen über Generationen hinweg mühsam erkämpft werden mussten. Dazu zählen Arbeitnehmerinnenrechte und soziale Absicherung durch die Krankenversicherung ebenso wie die Möglichkeit für Frauen, ohne die Erlaubnis ihres Ehemannes eine Erwerbstätigkeit aufzunehmen. Auch der Zugang zu weiterführenden Schulen und Universitäten, die Übernahme von Führungspositionen in Betrieben und Unternehmen, eine angemessene medizinische Versorgung rund um die Geburt, qualifizierte Betreuungsangebote für Kinder und eine Medizin, die frauenspezifische Bedürfnisse berücksichtigt, sind wichtige Bestandteile gesellschaftlicher Gleichberechtigung.
Diese Errungenschaften seien nicht selbstverständlich und auch nicht unumkehrbar. Sie machten vielmehr deutlich, wie wichtig es ist, sich mit der Geschichte auseinanderzusetzen, bestehende Rechte wertzuschätzen und sich für deren Erhalt und Weiterentwicklung einzusetzen. Gleichberechtigung und ein respektvolles Miteinander entstünden nicht von allein, sondern brauchten Menschen, die Haltung zeigten, Verantwortung übernähmen und bereit seien, sich für andere starkzumachen.
Weitere Themen waren die schwierige Vereinbarkeit von Familie, Beruf und politischer Karriere, fehlende Unterstützung im Alltag sowie die nach wie vor bestehenden Hürden für Frauen auf dem Weg in politische Ämter. Auch die Besetzung aussichtsreicher Listenplätze und die Frage, weshalb Frauen einander nicht immer ausreichend unterstützen, wurden kritisch beleuchtet.
Darüber hinaus wurde bemängelt, dass es in der Politik häufig an langfristigen Zielen und überzeugenden Visionen fehle und notwendige Reformen nicht konsequent genug angegangen würden. Die Teilnehmerinnen waren sich einig, dass es mehr als einzelne Maßnahmen braucht, um echte Chancengleichheit zu ermöglichen.
Gemeinsam Türen für kommende Generationen öffnen
Die Veranstaltung zeigte, dass die politische Teilhabe von Frauen zwar große Fortschritte gemacht hat, aber weiterhin Einsatz, gegenseitige Unterstützung und klare politische Ziele erfordert. Es reicht nicht aus, Frauen formal die gleichen Rechte einzuräumen. Entscheidend ist auch, ob sie tatsächlich die gleichen Chancen erhalten, Verantwortung zu übernehmen und politische Entscheidungen mitzugestalten.
Zum Abschluss stand deshalb der Blick in die Zukunft im Mittelpunkt: Wie können Frauen sich gegenseitig stärken? Wie lassen sich Hürden abbauen? Und wie können junge Frauen ermutigt werden, sich zu engagieren und ihre Interessen selbst zu vertreten?
Für die Teilnehmerinnen ist der Austausch zwischen Frauen ein wichtiger Schritt auf diesem Weg. Frauen sollten ihre Erfahrungen teilen, einander Mut machen und gemeinsam dafür eintreten, dass politische Teilhabe nicht von Geschlecht, familiärer Situation oder persönlichem Hintergrund abhängt.
Der Abend bot dafür Raum für persönliche Erfahrungen, unterschiedliche Perspektiven und eine engagierte Diskussion. Er machte deutlich: Eine demokratische Gesellschaft braucht Frauen, die ihre Stimme erheben, Verantwortung übernehmen und die Zukunft aktiv mitgestalten.
SPD Frauen Erlenbach-Mechenhard-Streit
Marina Oliveira Zbinden, Vorsitzende
Autor:SPD Frauen Erlenbach-Mechenhard-Streit aus Erlenbach a.Main |
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| 63906 Erlenbach | |
| marinao@gmx.net | |
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