Angst ist ein schlechter Ratgeber

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Mömlingen. Offen aufeinander zugehen, sich bewusst wahrnehmen und miteinander ins Gespräch kommen. Das sind wichtige Erkenntnisse aus dem Gesprächsabend des Pfarrgemeinderates und der Domschule Würzburg zum Thema „Flüchtlinge und Asylbewerber bei uns, eine Herausforderung für die christliche Nächstenliebe“.

Pastoralreferent Benjamin Riebel zeigte aufgrund von Aussagen aus dem Alten und Neuen Testament auf, dass die Bibel voll mit Fluchtgeschichten ist, angefangen von Abraham bis zur Heiligen Familie. Auch die ersten Christen flüchteten aus Jerusalem und kamen bis nach Phönizien, Zypern und Antiochien, berichtet die Apostelgeschichte.

Es geht bei manchen Bibelstellen auch um die Angst vor dem Fremden, aber immer um das Zusammenleben der Menschen. So in Levitikus: „Jeder soll seinen fremden Mitbürger lieben, wie sich selbst“ oder im Buch Exodus „Einerlei Gesetz sei dem Einheimischen und dem Fremden, der unter euch wohnt“. Auch Sacharja, der zu der Zeit lebte, als die Israeliten aus der babylonischen Gefangenschaft zurückkehrten, mahnte: „Tut nicht Unrecht den Witwen, Waisen, Fremden und Armen“, also spielt sie auch nicht gegeneinander aus. „Wir alle sind Brüder und Schwestern, wir haben gleiches Fleisch und Blut“. Die Nächstenliebe verpflichtet uns zur Hilfe, so Riebel.

Jill Kettinger von der Caritas-Flüchtlingsberatung im Landkreis Miltenberg stellte die Flüchtlingssituation im Allgemeinen und die besonderen Herausforderungen in Mömlingen vor. Zurzeit sind 121 Asylbewerber (davon 35 anerkannt) in 5 Asylunterkünften untergebracht. Frau Kettinger stellte die Arbeit der Caritas vor. Sie reicht in der klientenbezogenen Arbeit von Hilfestellung bei der Alltagsbewältigung (z. B. Einkauf, Mülltrennung) über die Konflikt- und Krisenbewältigung bis zur Asylberatung. Die Netzwerksarbeit beinhaltet den Kontakt zu den Behörden und örtlichen Einrichtungen und bei der Gemeinwesenarbeit steht die Information der Bevölkerung, die Fortbildung und Begleitung der ehrenamtlichen Helfer auf dem Plan. Auch die Versorgung nach dem Asylbewerberleistungsgesetz wurde detailliert vorgestellt.

Ein örtlicher Helferkreis um Birgit Hotz kümmert sich, mit tatkräftiger Unterstützung des Bürgermeisters und der Gemeindeverwaltung, um die Flüchtlinge. Deutschkurse, Kleiderkammer, monatliches Begegnungscafe, Unterstützungsleistungen in der Schule, Ärztebegleitung und Mitarbeit in den Vereinen werden angeboten. Jeder kann und darf sich in diesem Kreis nach seinen Möglichkeiten einbringen. Wichtig sei, so Birgit Hotz, offen aufeinander zuzugehen, sich bewusst wahrnehmen (grüßen) und ins Gespräch zu kommen. Dazu ist auch das Begegnungscafe gedacht, da die Asylbewerber sonst wenig Möglichkeit haben, Deutsch zu sprechen.

In der regen Diskussion wurden angesprochen: Unterschiede zwischen Einwanderung und Asyl, Mentalität und Pünktlichkeit, unterschiedliches Bildungsniveau, Hindernisse bei der Arbeitserlaubnis, falsche Erwartungen, lange Zeit der Asylverfahren, unterschiedliche Behandlung von Asylbewerbern verschiedener Nationalitäten, Verkehrsmäßiges Verhalten und Haftungsfragen bei Schäden durch Asylbewerber, gegenseitige Angst, Heimweh, Traumatisierung, Abschiebung, ständige Wechsel in Kindergarten oder Schule. Dabei konnten auch die Deutschlehrer und der Bürgermeister ihre Erfahrungen und Sichtweisen einbringen.

Einige Aussagen der Teilnehmer: Es gibt keine Schwarz-Weiß-Lösung. Wir können die weltweite Situation nicht ändern, sondern nur die vor Ort. Respekt, was die Caritas leistet, warum macht sich das nicht bei den Sammlungen bemerkbar? Wir sind alle Gottes Ebenbilder. Angst ist ein schlechter Berater. Wir brauchen keine Angst vor dem Islamismus zu haben, wenn wir fest in Gott begründet sind. Wir müssen nicht das „Christliche Abendland“ retten, sondern das „Christliche im Abendland“. Es gilt, die eigene Glaubensschwäche zu erkennen und positiv zu verändern.

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