Grundwasserschutz
" Als gäbe es kein Morgen"
- hochgeladen von Josef Scheuring
Auf Einladung der SPD – Großwallstadt – Niedernberg nahmen Mitglieder der Initiative Grundwasser Untermain (IGU) an einer Begehung in Niedernberg teil.
Johannes Wengerter (IGU) stellte eingehend mit Zahlen belegt klar, dass die Grundwasserentnahmen rund um das Großostheimer Becken, dem Raum zwischen Großwallstadt, Großostheim, Stockstadt und Niedernberg weiter steigen. Und das, obwohl der Grundwasserstand in den letzten zehn Jahren massiv abgesunken ist.
Josef Scheuring (IGU) sagte, die Initiative verfolge die Reduzierung des Grundwasserverbrauchs. Mittelfristig noch entscheidender für den Grundwasserschutz sei aber, die massive Versiegelung der Böden und die Beschleunigung des Abflusses der Niederschläge zu begrenzen.
Allein rund um das Großostheimer Becken sind in den letzten fünfzig Jahren 200 ha Ackerland zu Industrie – Gewerbe- und Wohngebieten mit der entsprechenden Infrastruktur umgewandelt wurden. Wichtige Versickerungsflächen seien verloren gegangen. Zudem wurde der Abfluss der Niederschläge deutlich beschleunigt.
An den Niedernberger Seen, die durch Kiesabbau entstanden sind, konnten die zahlreichen Beteiligten der Begehung das massive Absinken des Grundwassers sehr gut betrachten.
Der Besitzer des Hotels am See hatte Anfang der 2000 Jahre noch Hochwasserschutz gegen die Überflutung des Hotels eingefordert. Heute bestehen berechtigte Sorgen, dass das weiter absinkende Grundwasser genau das Gegenteil bewirkt.
Um dem entgegen zu wirken, muss eine weitere Versiegelung verhindert und überall dort, wo es verträglich möglich ist, zurück gebaut werden. Gleichzeitig müssen Möglichkeiten geschaffen werden, um den schnellen Abfluss der Niederschläge zu reduzieren.
Dazu sind der Stopp großer Projekte, wie der Bau weiterer Straßenprojekte und der Ausweisung weiterer Industrie – und Gewerbe, aber auch viele, andere Maßnahmen notwendig.
In diesem Zusammenhang wurde auch eine Teilbegrünung der großen, geteerten Fläche im Bereich Großwallstädter Straße an der Niedernberger Apotheke angesprochen.
Am Niedernberger Mainufer betrachteten sich die Teilnehmer abschließend die Auswirkungen einer möglichen Umgehungsstraße auf Sulzbacher Seite. Nach Auffassung der Teilnehmer der Begehung würde diese Maßnahme die negativen Auswirkungen auf das Klima und damit auch Grundwasserschutz in der Region weiter verstärken.
Stefan Schwarzkopf (IGU) wies darauf hin, dass mit einer solchen Maßnahme auch zusätzlicher Verkehr aus dem Spessart in die schon hoch belastete Region gezogen würde.
Er plädierte dafür, zur Entlastung der Menschen in Sulzbach und in der Region insgesamt endlich ein wirklich funktionierendes und kostenfreundliches System öffentlichen Nahverkehrs zu schaffen.
Josef Scheuring (IGU) sagte dazu, statt politisch umzudenken, baue man weiter unbegrenzt neue Brücken, Straßen und Umgehungen und verschärfe damit die klimatischen Bedingungen und die Grundwasserprobleme.
Und das, obwohl man die bereits vorhandene Verkehrsinfrastruktur nur noch mit neuen Staatschulden erhalten könne. „Hier wird politisch gearbeitet, als gäbe es kein Morgen. Verantwortung für die nächsten Generationen ist dabei nicht zu erkennen“, so Scheuring.
BU: Ein Blick auf die Niedernberger Seen. Dort stand das Grundwasser im Jahr 2003 noch mehr als 2 1/2 Meter höher.
Autor:Josef Scheuring aus Niedernberg |
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