Professoren referieren an der Frankenlandschule Walldürn

Bereits zum vierten Mal fand an der Frankenlandschule Walldürn der Tag der Wirtschaft statt. Somit ist diese Veranstaltung für die Schülerinnen und Schüler des Wirtschaftsgymnasiums mittlerweile zu einer festen Institution im Jahresablauf der Schule geworden. Auf Einladung von Oberstudienrat Steffen Nelius, der für die Fachschaft Wirtschaft den Ablauf des Tages organisierte, konnte der Schulleiter der Frankenlandschule, Studiendirektor Torsten Mestmacher, wieder mehrere Referenten aus dem Hochschulbereich und dem Finanzwesen an der Schule begrüßen. Er wies darauf hin, dass der Schule der enge Bezug zur universitären Lehre und zur Praxis ein besonderes Anliegen ist.
Der inhaltliche Schwerpunkt in den beiden Vorträgen für die Jahrgangsstufe 1 waren volks- und betriebswirtschaftliche Zusammenhänge. Frau Prof. Dr. Petra Morschheuser, die als Professorin für Unternehmensführung und Controlling an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg in Mosbach die BWL-Studiengänge Handel und Controlling leitet, informierte die Schüler in einem sehr praxisnahen Vortrag über die Kosten- und Leistungsrechnung eines Unternehmens. So gelang es ihr, mit ihrem Expertenwissen aus dem außerschulischen Bereich die bereits erlernten Inhalte aus dem Unterricht zu vertiefen. Im zweiten Vortrag gab Prof. Dr. Erich Ruppert zunächst einen Einblick in das Studium an der Hochschule Aschaffenburg, wo er einen Lehrauftrag an der Fakultät Wirtschaft und Recht hat. Anschließend erläuterte er den Schülerinnen und Schülern unterschiedliche Marktformen mit ihrem jeweiligen Wettbewerbsverhalten, womit er ebenfalls ganz konkrete Themen aus dem Wirtschaftsunterricht aufgriff.
Zeitgleich zu den beiden Referenten fanden für die Schüler der Jahrgangsstufe 2 ebenfalls zwei Vorträge statt. Prof. Dr. rer. pol. Jens Koch, Professor für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre der Hochschule Heilbronn am Campus Schwäbisch Hall, thematisierte die Möglichkeit der Fremdfinanzierung von Unternehmen anhand von Anleihen aus Finanzierungs- und Investitionssicht. Die Einführung seines Vortrags gestaltete er mit Hilfe aktueller Praxisbeispiele, wie etwa dem Anleihenverkauf der Bayer AG hinsichtlich der Übernahme von Monsanto, Schalke 04 oder auch der Bundesrepublik Deutschland. Im Weiteren referierte er zunächst über theoretische Grundlagen der Finanzierung und ordnete die Anleihen der langfristigen Fremdfinanzierung zu. Prof. Koch stellte daraufhin Vor- und Nachteile dieser Thematik vor, ehe er den Zusammenhang zwischen Marktzins und Anleihenwert erläuterte. Aufbauend auf Kurs- und Preiseffekte sowie Wiederanlage- beziehungsweise Reinvestitionseffekte in Bezug auf das Zinsänderungsrisiko, griff er schließlich noch den Begriff der Duration auf und erläuterte diesen.
Für den zweiten Vortrag konnte Norman Stollhof von der Deutschen Bundesbank für die Veranstaltung gewonnen werden. Er befasste sich mit der Geldpolitik und dem Eurosystem. Zu Beginn seines Vortrags ging er auf die Unterrichtsinhalte zur Bundesbank und zur Europäischen Zentralbank ein, indem er deren Aufgaben und Strukturen zurück ins Gedächtnis rief. Anschließend ging er auf den Begriff des Geldes ein, definierte diesen und zeigte den Schülern die Historie der Geldentstehung auf. Über die Abgrenzung und Messung der Geldmenge gelangte er schließlich zur Thematik der Inflation und Deflation, welche er mit den Schülerinnen und Schülern auch diskutierte. So konnten diese zu ihrem bereits aus dem Unterricht mitgebrachten Wissen weitere interessante Eindrücke gewinnen und erhielten somit auch ein Gespür, aus welchen Gründen die Unabhängigkeit der EZB von großer Bedeutung ist. Gegen Ende besprach Herr Stollhof gemeinsam mit den WG13-Klassen noch die Möglichkeiten der Geldschöpfung der EZB und thematisierte verschiedene geldpolitische Instrumente des Eurosystems, wie etwa Offenmarktgeschäfte, ständige Fazilitäten oder auch Mindestreserven.
Alle Vorträge bauten einerseits auf bereits im Unterricht kennengelernte betriebs- und volkswirtschaftliche Themenbereiche auf, stellten zugleich aber auch eine Vertiefung und Erweiterung der Lerninhalte dar und boten den Schülerinnen und Schülern einen ersten Einblick, wie sich eine Vorlesung in einem späteren Studium „anfühlt“. Den Referenten gelang es, die Klassen sehr aktiv in die Vorträge einzubinden und nutzten den Kontakt zu den Schülerinnen und Schülern außerdem, um auf die beruflichen Möglichkeiten ihrer Fachbereiche aufmerksam zu machen und ihnen verschiedene Zukunftsperspektiven aufzuzeigen. Aufgrund der sehr interessanten Vorträge mit jeweils großem Aktualitäts- und Unterrichtsbezug war die Resonanz der Schüler auf den 4. Tag der Wirtschaft sehr positiv.

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