Seit 25 Jahren gemeinsam auf dem Weg nach Walldürn
Die Fußwallfahrt aus Rüdenau, Breitendiel und Mainbullau feiert Jubiläum
- hochgeladen von Stefan Wolf
Wenn sich am 21. Juni 2026 die Pilgerinnen und Pilger aus Rüdenau, Breitendiel und Mainbullau erneut auf den Weg nach Walldürn machen, ist dies ein ganz besonderes Ereignis: Zum 25. Mal findet die gemeinsame Fußwallfahrt in ihrer heutigen Form statt.
Dabei reicht die Tradition deutlich weiter zurück. Bereits im vergangenen Jahrhundert pilgerten Gläubige aus der Region zum Heiligen Blut nach Walldürn. Genaue Aufzeichnungen über diese frühen Wallfahrten sind zwar nicht mehr vollständig vorhanden, doch die Erinnerung daran lebte in den Gemeinden fort.
Eine Idee wird zur Tradition
Die Wiederbelebung der Wallfahrt geht auf das Jahr 1999 zurück. Mitglieder des Musikvereins Rüdenau entwickelten gemeinsam mit Monsignore Heinrich Schlereth die Idee, die alte Tradition neu aufleben zu lassen und eine gemeinsame Fußwallfahrt der Pfarrgemeinden Rüdenau, Mainbullau und Breitendiel zu organisieren.
„Im Jahr 2000 war es dann soweit und die erste Wallfahrt konnte starten“, erinnert sich Petronella Leis. Zum Vorbereitungsteam gehörten damals Monsignore Heinrich Schlereth, Dietmar Weimer aus Breitendiel sowie Alberto Herkert und Karlheinz Schartl aus Rüdenau. In den folgenden Jahren kamen weitere engagierte Helfer hinzu, darunter Stefan Gehringer, Friedbert Trunk und Marcus Schuck. „Es ist tatsächlich unmöglich, alle Aktiven zu nennen“, sagt Leis. „Die Wallfahrt lebt seit 25 Jahren von vielen Menschen, die im Hintergrund mitgearbeitet und Verantwortung übernommen haben.“
Mehr als ein Weg – eine Herzensangelegenheit
Für Petronella Leis selbst wurde die Wallfahrt ab 2006 zu einem festen Bestandteil des Jahres. Als regelmäßige Mitpilgerin erlebte sie die besondere Gemeinschaft und Spiritualität auf dem Weg nach Walldürn. Eine schwierige Zeit begann während der Corona-Pandemie. Die Wallfahrten der Jahre 2020 und 2021 mussten ausfallen. Danach schien ungewiss, ob die Tradition überhaupt fortgeführt werden könnte. „Es war für mich ein Herzensanliegen, die Wallfahrt weiterzuführen“, erzählt sie. Gemeinsam mit Jutta Grimm übernahm sie die Organisation und Gestaltung der Wallfahrt.
Die Zahl der Pilger sinkt – der Geist bleibt
Wie viele kirchliche Traditionen bleibt auch die Wallfahrt nicht von gesellschaftlichen Veränderungen verschont. Die Teilnehmerzahlen sind in den vergangenen Jahren zurückgegangen.
Dennoch blickt Petronella Leis mit Zuversicht auf die Zukunft: „Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen.“ Dieses Wort aus dem Matthäus-Evangelium begleitet sie bis heute. „Wir wollen die Fortsetzung der Wallfahrt nicht von einer bestimmten Teilnehmerzahl abhängig machen“, betont sie. „Entscheidend ist, dass Menschen bereit sind, gemeinsam Glauben zu leben und sich auf den Weg zu machen.“
Gleichzeitig wünscht sie sich neue Ideen und neue Mitstreiter. Denkbar wäre beispielsweise eine Fahrradwallfahrt parallel zur Fußwallfahrt, um auch jüngere Menschen anzusprechen. „Dafür bräuchte es allerdings jemanden, der die Verantwortung übernimmt. Vielleicht fühlt sich ja jemand angesprochen.“
Die Blutfahne kehrt zurück
Zu den besonderen Erinnerungen der vergangenen 25 Jahre gehört die Restaurierung der historischen Rüdenauer Blutfahne im Jahr 2009. Die Fahne stammte noch aus früheren Wallfahrtszeiten und konnte durch Spenden der Volksbank sowie durch eine Sammlung während der Fußwallfahrt restauriert werden. Beim Pilgeramt in Walldürn wurde sie feierlich gesegnet. Seitdem gehört sie wieder fest zum Erscheinungsbild der Wallfahrt und wird beim Einzug in die Basilika mitgetragen.
Als die Fahnen plötzlich verschwunden waren
Auch manche Anekdote wird bis heute gerne weitererzählt. So wurden bei einer Wallfahrt sämtliche Fahnen der Pilgergruppe in der Basilika in Walldürn vergessen. Erst bei der Rückkehr nach Breitendiel bemerkte man das Missgeschick.
Die Aufregung war groß – doch glücklicherweise konnten alle Fahnen unversehrt wieder nach Rüdenau zurückgebracht werden.
Der legendäre „Rhön-Diesel“
Unvergessen bleibt vielen Pilgern Monsignore Heinrich Schlereth. Nicht nur als Initiator der Wallfahrt, sondern auch wegen seiner Herzlichkeit und seines Humors.
Legendären Status erreichte dabei der sogenannte „Rhön-Diesel“, den er bei der ersten Rast am Gotthardsberg regelmäßig ausschenkte. Für viele gehörte dieser kleine Moment der Stärkung ebenso zur Wallfahrt wie Gebet und Gesang. Und wer Monsignore Schlereth kannte, denkt unweigerlich auch an sein Lieblingslied: „Und dann die Hände zum Himmel.“ Noch heute zaubert die Erinnerung daran vielen ehemaligen Pilgern ein Lächeln ins Gesicht.
Erinnerungen zum Mitnehmen
Ein fester Bestandteil der Wallfahrt sind seit vielen Jahren auch die liebevoll gestalteten Wallfahrtsanhänger der Familie Wolf.
Jahr für Jahr entstehen kleine Erinnerungsstücke, die den Pilgern die jeweilige Wallfahrt dauerhaft ins Gedächtnis rufen. Seit wann diese schöne Tradition genau besteht, lässt sich heute zwar nicht mehr feststellen. Für viele Teilnehmer gehören die Anhänger jedoch längst ebenso zur Wallfahrt wie der Weg selbst.
Pilgern zwischen Tradition und Zukunft
Das Jubiläumsjahr 2026 besitzt für die Wallfahrt nach Walldürn eine besondere Bedeutung. In der Wallfahrtsstadt wird zugleich das Jubiläum „400 Jahre Blutaltar“ gefeiert. Der berühmte Heilig-Blut-Altar bildet seit Jahrhunderten das geistliche Zentrum der Wallfahrt und zieht bis heute Pilger aus nah und fern an. Die Wallfahrt steht unter dem Leitwort „Die Liebe hört niemals auf“.
Doch auch die kleine Pilgergruppe aus Rüdenau, Breitendiel und Mainbullau zeigt, dass Wallfahrt vor allem von den Menschen lebt, die sich auf den Weg machen.
Nach 25 Jahren gemeinsamer Pilgerschaft ist deshalb nicht nur Raum für Dankbarkeit, sondern auch für einen Blick nach vorn.
Petronella Leis formuliert es als Wunsch für die kommenden Jahre: „Ich hoffe sehr, dass sich Menschen finden, die diese Tradition weitertragen. Die Wallfahrt hat viele Generationen verbunden. Es wäre schön, wenn sie auch in Zukunft lebendig bleibt.“
Am 21. Juni 2026 werden die Pilger wieder aufbrechen. Schritt für Schritt. Betend, singend, miteinander unterwegs. Ganz so, wie es seit einem Vierteljahrhundert Tradition ist.
Autor:Stefan Wolf aus Miltenberg |
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