Grüner Besuch im Helmuth Galda Haus
Fachkraftmangel trifft auf Abschiebeangst
- hochgeladen von Klaus Brauch-Dylla
Neckar-Odenwald-Kreis, Buchen. bd.
Wie lässt sich die pflegerische Versorgung in Zeiten des Fachkräftemangels langfristig sichern? Dieser Frage gingen Arno Meuter, Landtags-Nachrücker der Grünen, und Stadtrats - Fraktionsvorsitzender Horst Berger bei einem Vor-Ort-Termin im Helmuth Galda Haus in Buchen nach. Im Zentrum des Gesprächs standen nicht nur die Konzepte der Einrichtung, sondern vor allem die komplizierte und verunsichernde Situation von Auszubildenden mit Migrationshintergrund.
Ein Zuhause mit biografischem Fokus
Das im Jahr 2007 eröffnete Helmuth Galda Haus, Teil der Johannes-Diakonie RegioCare gGmbH, bietet insgesamt 72 Plätze für Menschen der Pflegegrade 2 bis 5. Einrichtungsleiterin Sonja Mistele und Pflegedienstleiterin Caroline Rauscher erläuterten den Gästen kurz die vier Wohnbereiche. Besonders beeindruckt zeigten sich die Politiker von dem Konzept der „biografischen Ansprache“. In den Wohngruppen für jeweils 18 Personen wird individuell auf die Lebensgeschichte der Bewohner eingegangen – ein Ansatz, der auch in dem geschützten Bereich für Menschen mit Demenz zum Tragen kommt. Der Gartenbereich und die hellen Aufenthaltsräume unterstreichen den Anspruch des Hauses, soziale Kontakte und Lebensqualität zu fördern.
Paradoxe Situation bei der Ausbildung
Hinter den Kulissen des Pflegealltags schwelt jedoch ein massiver Konflikt mit der aktuellen Abschiebepolitik. Die Einrichtungsleitung berichtete von mehreren erfolgreichen Ausbildungsverhältnissen mit Menschen mit Migrationshintergrund, die sich integrierten und großen Ausbildungseifer und -erfolg bewiesen. Dies erfordere vorab enorme bürokratische Kraftanstrengungen, insbesondere auch für die Ausbildungseinrichtungen. „Wir investieren viel Zeit und Motivation, um verlässliche Fachkräfte zu gewinnen“, so Mistele und Rauscher unisono. „Aber wir leben in der ständigen Angst, gute Kollegen durch Abschiebung plötzlich zu verlieren.“Besonders kritisch wurde die mangelnde Anerkennung der einjährigen Ausbildung zum staatlich anerkannten Pflegehelfer diskutiert. Da diese politisch oft nicht als „vollwertig“ eingestuft werde, biete sie keinen sicheren Schutz vor Abschiebung. Dies zwinge viele, die eigentlich als Pflegehelfer glücklich wären und unverzichtbar benötigt würden, in die längere Ausbildung zur Pflegefachkraft – oft nur, um einen Aufenthaltsstatus zu sichern. Und nicht nachvollziehbare Abschiebungen von Azubis, wie im November in Mosbach geschehen, sorgten für eine große Verunsicherung bei den Auszubildenden sowie für den Eindruck, dass Kooperation und Integration die Abschiebegefahr erhöhten.
Klare Forderungen an die Politik
Die beiden Grünen-Politiker zeigten sich solidarisch mit der Belegschaft und der Leitung. Horst Berger betonte die wirtschaftliche und soziale Notwendigkeit von Planungssicherheit: „Die Betriebe investieren Engagement, Zeit und Geld. Asylsuchende in Ausbildung werden dringend gebraucht und benötigen eine verlässliche Perspektive ohne Abschiebeangst.“ Arno Meuter lobte den Einsatz des Teams, das sich schützend vor die ausländischen Kollegen stellt: „Wer arbeiten will, soll es auch tun dürfen. Wir sehen vor Ort, dass alle an einem Strang ziehen. Dann muss auch der Gesetzgeber mitziehen und Chancen ermöglichen, statt Steine in den Weg zu legen.“
Der Besuch machte deutlich: im Helmuth Galda Haus wird Integration praktisch gelebt – damit dies Früchte trägt, fordern Leitung und Politik gleichermaßen eine Reform der rechtlichen Rahmenbedingungen, die Fleiß und Engagement in der Pflege auch belohnt.
Autor:Klaus Brauch-Dylla aus Limbach |
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