Oberstufentheater
Millionen, Intrigen und eine Hochzeit, die niemand will
- hochgeladen von Dirk Simon
„Millionen“, lallte Karl-Heinz, der Bruder des Landhausbesitzers, auf die Frage, was eine Sanierung des altehrwürdigen Anwesens wohl kosten würde. Ein einziges Wort, das mehr über die wahren Interessen der versammelten Verwandtschaft verrät als jede höfliche Gratulation. Denn was hier gefeiert wird, ist zwar offiziell eine Verlobung – in Wahrheit jedoch ein stiller Wettlauf um ein Erbe.
Horst von Meier, der Hausherr, hat sich im fortgeschrittenen Alter noch einmal verliebt: in Chantal, jung, schön und von adeliger Herkunft. Für ihn ein spätes Glück, für die Familie ein Schock. Kurzerhand lädt er zur Verlobungsfeier in sein Landhaus in Oberbayern – und versammelt damit genau jene Verwandten um sich, die längst mit seinem Ableben gerechnet haben.
Die Stimmung? Kühl bis berechnend. Während nach außen angestoßen wird, rechnen viele Gäste bereits mit ihrem Erbanteil: Die Schwägerin Amalia interessiert sich vor allem für die Pferde, die Cousine Prof. Brothaare-Kuchenbäcker sieht im Landhaus den idealen Standort für ihr Labor, Chanel, die Schwester der Braut, möchte Chantal am liebsten wieder „zurückholen“, und Sigrun Sturm glaubt, sie vor den Gefahren der Männerwelt warnen zu müssen.
Doch die finanziellen Fragen sind nur ein Teil des Dramas. Hinter vorgehaltener Hand werden längst Pläne geschmiedet, Besitzansprüche abgesteckt und Zukunftsvisionen entworfen. Kaum jemand interessiert sich dabei wirklich für das Brautpaar selbst.
Nur wenige scheinen Chantal vor einer übereilten Entscheidung bewahren zu wollen. Doch ihre Stimmen gehen im Chor der Eigeninteressen unter. Denn in einem Punkt ist sich die illustre Gesellschaft einig: Diese Hochzeit darf nicht stattfinden.
Was folgt, sind Intrigen, wechselnde Allianzen und zunehmend düstere Gedankenspiele. Die Grenze zwischen bloßer Missgunst und handfester Kriminalität beginnt zu verschwimmen. Während Horst von Meier von einem neuen Lebensabschnitt träumt, rückt für seine Verwandten nur eines in den Fokus – das Ende seines alten.
Mitten in dieses Chaos platzt schließlich auch noch ein Polizist: Hugo Taschenbuch, der eigentlich nur seine Routinekontrolle macht. Doch seine Anwesenheit bringt eine ganz eigene Dynamik in das Geschehen. Auf der Suche nach der entflohenen Marie, die aus einer psychiatrischen Einrichtung ausgebrochen ist und nun als rätselhafte Prophetin auftritt, gerät er immer tiefer in die wirren Ereignisse des Landhauses. Zwischen Verdächtigungen, skurrilen Begegnungen und unerwarteten Wendungen findet Hugo dabei nicht nur Hinweise auf die Gesuchte – sondern auch die Liebe seines Lebens.
Doch jenseits von Erbschleicherei, bissigem Humor und dramatischen Wendungen stand für die Beteiligten noch etwas ganz anderes im Mittelpunkt: Für viele war diese Inszenierung das Abschlussprojekt im Oberstufentheater von Herrn Lange. Entsprechend groß war die Leidenschaft, mit der auf, hinter und neben der Bühne gearbeitet wurde. Auch die Technik-AG bewies einmal mehr, wie reibungslos und kreativ sie das Geschehen unterstützte – wenn auch für einige Mitglieder dies zugleich den Abschied bedeutete, da das Abitur bevorsteht.
So bleibt am Ende nicht nur ein unterhaltsames und pointiertes Stück in Erinnerung, sondern auch ein emotionaler Abschied. Mit viel Applaus, Dankbarkeit und nicht wenigen Tränen verabschiedeten sich alle Beteiligten von einer gemeinsamen Theaterzeit, die für viele unvergesslich bleiben wird – und die dieses besondere Projekt überhaupt erst möglich gemacht hat.
Autor:Dirk Simon aus Aschaffenburg |
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