Bildergalerie und Essay.
Kerzen, Kram und Klang – Amorbachs August-Ahnung.
- Kurze Verschnaufpause, gleich geht‘s zurück zu fetziger Musik, Krimskrams und Kerzenschein!
- hochgeladen von Roland Schönmüller
Der Abend am Freitag, dem 3.Juli 2026, begann mit einem feierlichen Auftakt, der die Barockstadt wie ein klarer, warmer Klang durchströmte.
Bürgermeister Peter Schmitt und Hauptamtsleiter Tobias Laske eröffneten die zehnte Auflage von Krims & Krams im Kerzenschein, jenes Format, das seit 2016 zu einem strahlenden Aushängeschild geworden ist.
Fast fünfzig Verkaufs-Veranstaltungen, mehr als zweitausendvierhundert Marktteilnehmer, nahezu hunderttausend Besucher – eine Erfolgsgeschichte, die sich aus der feinen Synthese von Trödel, Musik, Kulinarik und Kommunikation speist und Amorbach jedes Jahr neu zum Leuchten bringt.
Die Innenstadt war an diesem Juliabend ein atmender Sommerfluss. Kerzen flackerten in alten Gläsern, ihr warmer Schein wanderte über Porzellan, Blechdosen, Bücher, Stoffe, über Gesichter, die sich neugierig vorbeugten. Die Sinne öffneten sich wie Türen, und die Stadt schien zu lächeln.
Auf dem Marktplatz legte die Party-Rockband "Bruddal" einen Klangteppich aus, der sich wie ein Funkenregen über die Menge breitete – fetzig, warm, einladend. Menschen tanzten zwischen den Ständen, Kinder drehten sich im Kreis, Erwachsene ließen sich treiben, als sei der Platz ein großer, pulsierender Teppich aus Klang.
In der katholischen Pfarrkirche "Sankt Gangolf" hingegen herrschte an diesem Abend ausschließlich ein stiller, meditativer Zauber. Kein krautiger Rock, kein wilder Rhythmus – nur das Orgelspiel, das sich wie ein weicher Atemzug durch die Gewölbe legte. Simone Grimm spielte "The Sounds of Organ", eine Inspiration aus Wort und Klang, die die Besucher in eine tiefe, ruhige Versenkung führte. Die Musik schwebte, die Worte der Moderatorin Elfriede Zerr lagen wie feiner Staub im Raum, und die Menschen standen still, als hätte die Kirche sie für einen Moment in die Hand genommen.
Draußen jedoch, zwischen Ständen und Kerzenlicht, bewegte sich eine Gestalt, die den Abend wie ein lebendiges Ausrufezeichen durchzog: nicht wie ein roter Faden, sondern wie eine markante schwarze Erscheinung. Ein Clown, - unverkennbar Charly Chaplin imitierend - dessen geschminktes Gesicht mal lachte, mal wie eingefroren wirkte, schritt durch die Menge – ein wandernder Schatten, ein farbiger Kontrast, ein Spiel aus Licht und Dunkel. Er wirkte wie der Rattenfänger von Hameln, begleitet von Kindern und freudigen Jugendlichen, die ihm folgten, als sei er der heimliche Dirigent dieses Sommerabends. Sein Hut wackelte, sein Schritt war federnd, und jedes Mal, wenn er stehenblieb, entstand ein kleiner Kreis aus Staunen, Lachen, Erwartung.
Die Stimmen des Abends mischten sich wie ein Chor:
- Jugendstimmen, die den Charly Chaplin als Clown feierten und die Leichtigkeit des Abends priesen;
- Erwachsenenstimmen, die die Mischung aus Markt, Musik und Kerzenschein als „Atmosphäre zum Durchatmen“ beschrieben;
- Seniorenstimmen, die die besondere Stimmung der Barockstadt hervorhoben und sagten, Amorbach sei „an solchen Abenden ein Stück Heimat im Licht“.
Schon jetzt wächst die Vorfreude auf den ersten Freitag im August, wenn die Reihe weitergeht: go(o)d vibrations feelings am 7. August 2026, mit zwei Chören aus der Region – ein weiterer Ton, der sich in das große Sommergedicht der Stadt einfügen wird.
Wer durch die Gassen ging, spürte es: Amorbach leuchtete, klang, schmeckte, duftete und erzählte. Ein Abend, der die Stadt in all ihren Farben zeigte – ernst und verspielt, alt und jung, still und lebendig. Ein Abend, der bleibt.
Autor:Roland Schönmüller aus Miltenberg |
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