P-Seminar des HSG
Lateinlernende im Klangbild
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Auf der Suche nach dem Klang der Antike
Einem spannenden Thema hat sich das P-Seminar Latein des Hermann-Staudinger-Gymnasiums verschrieben. Denn auch wenn Latein nicht mehr aktiv gesprochen wird und sich die Schüler im Unterricht nur mit den literarischen Überlieferungen der alten Römer beschäftigen – vor 2000 Jahren war Latein die Weltsprache der Antike und diente Menschen im ganzen Imperium als Verständigungsmittel. Doch wie klang diese Sprache wirklich? Welche Worte benutzen die Menschen, wenn sie alltäglichen Beschäftigungen nachgingen? Und wie muss man sich Unterhaltungen über ganz normale Themen vorstellen?
In Zusammenarbeit mit dem Römermuseum Obernburg wollen die Teilnehmer des P-Seminars Antworten auf diese Fragen finden. Denn im nächsten Jahr wird es dort wieder eine große Mitmach-Ausstellung geben, bei der Interessierte am Bau des römischen Obernburg mitwirken können. Aus 100.000 LEGO®-Steinen wird in modularer Bauweise das antike Kohortenkastell entstehen, mit allem, was dazu gehört: Von den Hafenanlagen am Main und den zugehörigen Lagerhäusern, den Handwerkerhäusern und Tabernen, einer Tempelanalage, der berühmten Benefiziarierstation, den Gräberanlagen bis hin zum kleinen Amphitheater. Und während die Besucher mit den LEGO®-Steinen bauen und tüfteln, sollen sie auch akustisch in die Antike eintauchen – so die Idee von Rainer Haas, ehrenamtlicher Mitarbeiter im Römermuseum.
Um sich mit der Geschichte des römischen Obernburg vertraut zu machen, besuchten die Schüler des P-Seminars Anfang Oktober das Museum und erhielten von dessen Leiter Eric Erfurth eine fundierte Einführung in die Thematik. Dabei betonte er die reiche Fülle an Funden, die in Obernburg ans Tageslicht kam und einen plastischen Eindruck dieser Epoche vermittelt, auch wenn der größte Teil der Fundstücke mittlerweile in der Archäologischen Staatssammlung München aufbewahrt wird. Der gute Erhaltungszustand ist der Tatsache zu verdanken, dass die Römerbauten unter Lehm begraben wurden, der allmählich von den angrenzenden Anhöhen über die Mauerreste geschwemmt wurde, weshalb Erfurth auch immer wieder vom „Pompeji am Main“ spricht. Beim Gang durchs Museum erfahren die Schüler Wissenswertes über den gesamten römischen Alltag, von Begräbnisriten und Götterkult über Essgewohnheiten und medizinische Versorgung bis hin zu den Aufgaben der Benefiziarier, für die Obernburg bekannt ist.
Aufgabe des P-Seminars wird es nun sein, in den nächsten Monaten die antiken Monumente wieder zu neuem Leben zu erwecken, in dem eine Audiokulisse zur Mitmach-Ausstellung angefertigt wird. Dazu werden die Schüler kurze Dialoge entwerfen, die sie dann ins Lateinische übersetzen und so aneinanderfügen, dass der Eindruck erweckt wird, man befände sich mitten in einer antiken Kleinstadt. Neben den Gesprächsfetzen sollen auch Alltagsgeräusche zu hören sein, wie sie eben typisch für das Leben am Limes waren: Soldaten bei ihren Übungen, Steinmetze bei der Arbeit, Händler, die ihre Waren anbieten, Menschen, die in einer Taberne zusammensitzen und vieles mehr. Abgesehen von der Kreativität spielt auch die Authentizität eine wichtige Rolle, denn das Ziel ist es, die Audiokulisse so echt wie möglich zu gestalten. Eine spannende und herausfordernde Aufgabe, der sich das P-Seminar in Kooperation mit dem Römermuseum stellt. Die Ergebnisse werden dann hoffentlich im nächsten Jahr zu hören sein.
Autor:HSG Presse aus Erlenbach a.Main |
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