Viele Informationen und angeregte Diskussion im ersten Radforum

Kreisbaumeister Andreas Wosnik hätte sich zum ersten Radforum am Mittwoch, 8. März, zwar mehr Besuch gewünscht. Die aber, die kamen, bekamen jede Menge Informationen zu geplanten Radwegprojekten, hörten zwei Vorträge und diskutierten angeregt.

Das Forum sei ein weiterer Schritt, um den Radverkehr als Alltagsmobilitätskomponente zu etablieren und auszubauen, stellte der Kreisbaumeister fest und kündigte an, dass das Gremium einmal im Jahr tagen soll. Die Anregung aus dem Gremium, eventuell Anlass bezogen eine zweite Sitzung mit einem Schwerpunktthema anzubieten und dazu auch geeignete Gäste einzuladen, fand allgemeine Zustimmung unter den Vertreterinnen und Vertretern von Staatlichem Bauamt, Allgemeinem Deutschen Fahrradclub, Verkehrsclub Deutschland, der beiden Landkreisschulen Julius-Echter-Gymnasium Erlenbach und
Johannes-Butzbach-Gymnasium Miltenberg, einer Vertreterin des Landkreises Aschaffenburg, der Polizei und des Landratsamts Miltenberg.

Wosnik zufolge sei der Landkreis Miltenberg der Arbeitsgemeinschaft Fahrradfreundlicher Kommunen in Bayern (AGFK) beigetreten, um unter anderem Vorteile dieses großen Netzwerks zu nutzen, über gute Praxisbeispiele informiert zu werden, Erfahrungen auszutauschen und auf dem aktuellen Stand in Sachen Förderprogrammen zu sein. Er kündigte für den 2. Mai 2023 eine Vorbereisung im Landkreis Miltenberg an, um den aktuellen Stand des Radverkehrs zu analysieren. Danach habe man vier Jahre Zeit, um die Aufnahmekriterien in die AGFK zu erfüllen, ehe eine Hauptbereisung feststellt, ob die Vorgaben erfüllt wurden. Sollte das der Fall sein, erhalte man die Auszeichnung „Fahrradfreundliche Kommune in Bayern“.

Wosnik ging in der Folge auf mehrere Landkreisprojekte ein – darunter den Bau des Radwegs zwischen Röllbach und Schmachtenberg, geplante Radwege zwischen Amorbach und Kirchzell sowie zwischen Elsenfeld und Hofstetten. Bereits abgeschlossen sei die Umlegung des Radwegs an der Baumschule Koschwanez in Miltenberg sowie die Errichtung einer Ladestation am Bahnhof Miltenberg in Kooperation mit der Westfrankenbahn. Mit der Aktion Stadtradeln werde man auch in diesem Jahr wieder versuchen, möglichst viele Radfahrerinnen und Radfahrer für den Alltagsradverkehr zu gewinnen, sagte Wosnik und kündigte die Aktion für den Zeitraum 9. bis 23. Mai 2023 an. Er bat um möglichst frühe Anmeldung und freute sich über den starken Anstieg der Teilnehmenden im letzten Jahr. Weiterhin könne man auf der Internetseite des Landkreises unter dem Stichwort Radwegedetektiv Lob, aber auch
Verbesserungsvorschläge zu den Radwegen übermitteln.

Interessante Details zu den Unfällen mit Beteiligung von Radfahrerinnen und Radfahrern vermittelte Jürgen Farrenkopf von der Miltenberger Polizei. Er stellte statistisches Material bereit, aus dem klar wurde, dass bei den meisten Radunfällen die Radfahrenden auch die Hauptverursacher gewesen seien. So gab es im vergangenen Jahr 135 Unfälle, an denen insgesamt 154 Radfahrende beteiligt waren und bei denen 137 Personenschäden registriert wurden. An einem Drittel der Unfälle waren Pedelecs beteiligt, sagte er und
kündigte für dieses Jahr acht kostenfrei Termine für Menschen ab 50 Jahren an, die das Fahren von E-Bikes gerne üben würden. Die Kurse finden am 19. und 23. April, 17. Mai, 2. und 18. Juni, 2. und 27. Juli sowie am 10. August statt, jeweils auf dem Übungsplatz der Kreisverkehrswacht im Oberen Neuen Weg 41 in Obernburg. Anmeldungen bitte mit Name und Telefonnummer per E-Mail unter pi.obernburg@polizei.bayern.de.

Heike Weißenbach vom Staatlichen Bauamt Aschaffenburg gab einen Überblick der geplanten Bauaktivitäten rund um den Radverkehr im Landkreis Miltenberg – unter anderem in Obernburg, Miltenberg, zwischen Rüdenau und Kleinheubach, zwischen Klingenberg und Erlenbach sowie zwischen Elsenfeld und Erlenbach. Die Projekte hättenunterschiedliche Planungsstände, erklärte sie. Für Radwegprojekte gebe es zurzeit viel Fördergeld, aber man müsse auch die Kapazität haben, alle Pläne umzusetzen.

In der Diskussion wurde klar, dass beispielsweise die Gymnasien in Miltenberg und Elsenfeld viel Potenzial darin sehen, Mainquerungen für den Radverkehr zu verbessern –in Miltenberg etwa durch eine Verbindung von Miltenberg-Nord nach Miltenberg-West.Andiskutiert wurde auch das Thema Elterntaxis, das allerdings eher nicht im Radforum diskutiert werden sollte, sondern vor Ort in den Kommunen. Hier bot der VCD an, eine Aktion mitzuorganisieren.

Zum Abschluss des rund zweieinhalbstündigen Forums stellte der Kreisbaumeister mehrere Projekte im Rahmen des Landkreis-Förderprogramms vor, die umgesetzt wurden: etwa die Förderung der Radwegbrücke zwischen Miltenberg und Kleinheubach mit 150.000 Euro, den für Alltagsradverkehr und Tourismus wichtigen Lückenschluss durch einen Ersatzneubau der Fußgänger- und Radwegbrücke über die Erf in Bürgstadt (35.200 Euro Förderung). Die Radwegbeleuchtung in Schneeberg sei mit 6.600 Euro
gefördert worden, auch die Oberflächensanierung von Radwegen habe man finanziell unterstützt – etwa in Dorfprozelten (16.450 Euro) und Röllbach (33.000 Euro). Der Landkreis unterstütze kommunale Projekte zur Förderung des Radverkehrs mit bis zu 35 Prozent der Baukosten, erklärte Wosnik, wobei Planung, Bauleitung und Eigenleistungen nicht förderfähig seien. „Einfach bei uns im Kreisbauamt anrufen, wenn Sie eine Idee haben“, bot der Kreisbaumeister Hilfe an.

Er ging auch auf die Beschilderungsrichtlinie im Landkreis Miltenberg ein, die ein einheitliches Vorgehen in der Radwegweisung im Landkreis zum Ziel hat. Dabei sollen standardisierte Schilder in grüner Schrift auf weißem Grund verwendet werden. Die Richtlinie sei ein Angebot an die Kommunen, so Wosnik. Das Material würde gebündelt über das Landratsamt bestellt, die Kommunen könnten die Schilder selbst montieren oder durch Externe montieren lassen.

Kurz ging Wosnik auf den Zwischenstand des Radverkehrsnetzes Bayern ein – ein Alltagsradnetz des Bayerischen Staatsministeriums für Wohnen, Bau und Verkehr, das zentrale Orte verbindet. Die Routen seien zunächst vom Computer generiert worden, danach würden lokale Akteure einbezogen. Bis das Projekt beendet sei, werde es aber noch einige Zeit dauern, wusste Heike Weißenbach vom Staatlichen Bauamt.

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