Arbeiten mit der Natur
Schreiner designen und fertigen Lieblingsstücke aus Holz von bleibendem Wert

Schreinermeister Maximilian Kuger bei der Arbeit.
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Konzentriert schneidet Schreinermeister Maximilian Kuger in seiner Werkstatt in Weilbach eine Holzplatte zurecht. Das Möbelstück, das er daraus bauen wird, ist gedanklich bereits fertig. Einige Arbeitsschritte bis zum greifbaren Stück, das er dann seinem Kunden liefern kann, liegen noch vor ihm. Lächelnd macht er weiter.

Wer den jungen Mann bei der Arbeit beobachtet merkt, mit wie viel Spaß, Kreativität und Einsatz er bei der Sache ist. Routiniert sitzen die Handgriffe, scheinbar nichts ist dem Zufall überlassen. Ein Mann in seinem Element?

Schreinermeister Maximilian Kuger aus Weilbach.

Als Schreiner in seinem Element

„Ja, genau so fühle ich mich“, erzählt Maximilian Kuger. „Ich wollte schon immer Schreiner werden, etwas anderes kam für mich gar nicht in Frage. Ich habe mir als Kind überhaupt keine Gedanken über meinen späteren Beruf gemacht.“ Er legt das Stück Holz, das er gerade bearbeitet, beiseite und grinst. „Na ja, einmal habe ich doch ganz kurz daran gedacht, dass ich auch Koch werden könnte, weil ich gerne koche. Doch das mache ich jetzt in meiner Freizeit in meiner eigenen Küche, die ich mir gerade baue.“ Dass sein Vater ein florierendes Schreinerunternehmen aufgebaut hat, spielte bei seiner Berufsentscheidung nur eine untergeordnete Rolle. „Ich wurde nicht dazu gedrängt, freue mich aber natürlich sehr, das Unternehmen jetzt in zweiter Generation fortführen zu dürfen.“

Dreijährige Lehrzeit

Angefangen hat Maximilian Kuger ganz klassisch – mit einem Praktikum, das er bei der Firma Keller in Kleinheubach absolvierte. „Dort habe ich dann auch nach meinem Realschlussabschluss im Jahr 2012 meine Lehre begonnen“, berichtet der junge Schreinermeister weiter. „Die Lehre als Schreiner dauert insgesamt drei Jahre. Sie beginnt mit dem Berufsgrundschuljahr, in dem die Grundlagen und die Theorie im Fachbereich Holz vermittelt werden. Danach folgen zwei Jahre Lehrzeit im Betrieb, in denen ein Berufsschultag in der Woche in der Berufsschule in Miltenberg auf dem Lehrplan steht.“

Beginn des Meisterkurses

Als Schreinergeselle hat Maximilian Kuger im Sommer 2015 seine Ausbildung erfolgreich abgeschlossen. „Vom Ende meiner Lehre bis Ende Juli 2017 habe ich noch in meinem Lehrbetrieb in Kleinheubach gearbeitet.“ Dann ist er ins elterliche Unternehmen in Weilbach eingestiegen. „Der richtige Schritt zur richtigen Zeit“, ist sich Maximilian Kuger im Nachhinein sicher. „Am 15. September 2018 konnte ich dann mit dem Meisterkurs beginnen, denn diesen Traum hegte ich insgeheim schon lange.“ Als Innungssieger bei der Gesellenprüfung bekam er für den Meisterkurs ein Stipendium. Die ersten beiden Teile des Kurses, die sich über zwei Monate bis Mitte November erstreckten, befassten sich mit den kaufmännischen Grundlagen und waren für alle Meisteranwärter gleich. Sie beinhalteten bereits auch den Ausbilderschein. Die nächsten beiden Teile, die der Noch-Geselle ab Anfang Februar 2019 belegte, umfassten den fachtheoretischen Teil und mündeten in der Prüfung für den theoretischen Teil Ende Juli 2019.

Meisterpreis der Handwerkskammer für meisterliche Leistungen

„Direkt im Anschluss folgte der erste Praxisteil, dessen Abschluss ich mit der fachlich-praktischen Prüfung und dem Meisterstück ablegte“, so Maximilian Kuger weiter. Sein Meisterstück ist ein Schreibtisch aus französischem Nussbaum mit einem Korpus in Echtmetalllack mit Hammerschlaglack – ein echtes Meisterstück eben, das ihm – wie übrigens die ganze Meisterprüfung – so meisterlich glückte, dass er dafür mit dem Meisterpreis der Handwerkskammer für Unterfranken belohnt wurde. „Ein schöner Erfolg“, äußert sich der junge Mann ganz bescheiden.

Vielseitiger, abwechslungsreicher Beruf

An seinem Beruf liebt er vor allem die Vielseitigkeit. „Es wird nie langweilig“, weiß er. „Wir arbeiten viel mit Massivholz, am liebsten aus heimischen Hölzern. Das ist sehr abwechslungsreich, denn jedes Holzstück ist anders und dadurch gleicht auch das fertige Endprodukt keinem anderen aus unserer Werkstatt.“ Hinzu kommt, dass die Ideen für seine Möbel erst in seinem Kopf entstehen, bevor er sie dem Kunden präsentiert. „Kein Beruf ist so vielfältig wie der des Schreiners.“

Techniker oder Studium möglich

Wer keinen Meister im Schreinerhandwerk machen möchte, kann auch einen Techniker-Lehrgang besuchen. „Dieser dauert insgesamt zwei Jahre und wird in Vollzeit absolviert.“ Auch ein Studium, beispielsweise Architektur oder Ingenieurswesen, ist möglich. „Dazu ist aber Abitur nötig.“

Interesse, Lust, Kreativität und Motivation

Als Schreiner muss man einige wesentliche Dinge für den Beruf mitbringen. „Das A und O ist Interesse und Lust, diesen Beruf auszuüben“, weiß Maximilian Kuger. „Die Noten sind da eher zweitrangig. Allerdings sollte man räumliches Vorstellungsvermögen mitbringen und Kopfrechnen beherrschen, um Maße und Material grob überschlagen zu können. Für ebenfalls ganz wichtig halte ich Kreativität und Motivation.“

Wissen und Können an Azubi weitergeben

Weil er selbst so viel Freude an seinem Beruf hat und vor allem auch sein Wissen und Können weitergeben möchte, hat Maximilian Kuger bereits in seinem ersten Jahr als Meister einen Auszubildenden eingestellt. „Es ist eine schöne Herausforderung für mich, aber auch für den jungen Mann, der bei mir das Schreinerhandwerk von Grund auf lernen wird. Ich merke, er ist lernwillig, engagiert und hat eine gewisse Reife. Das ist mir wichtig, denn ich verlange viel, biete ihm dafür aber auch eine sehr gute Ausbildung mit allem, was im Schreinerhandwerk wichtig ist.“

Für zukünftige Generationen

Gemeinsam mit seinem Vater Matthias Kuger, der seinen Sohn seit der Betriebsübernahme im Jahr 2018 tatkräftig unterstützt, und dem jungen Azubi fertigt Maximilian Kuger in seiner Werkstatt Möbel für Küchen, Bäder, Ess- und Schlafzimmer und jede Art von Einbauschränken. 95 Prozent der Kunden sind Privatkunden, nur 5 Prozent Firmenkunden, die Aktenschränke oder eine Teeküche ordern. „In unserem Unternehmen für Möbeldesign ist meinem Vater und mir vor allem eines wichtig: Unser Holz, das wir verarbeiten, kaufen wir selbst in der Region. Wir denken in die Zukunft hinein und leben den Nachhaltigkeitsgedanken. Wir möchten die Wertschöpfungskette nachverfolgen und unseren ökologischen Fußabdruck minimieren – für uns und die nach uns kommenden Generationen.“ Eine meisterliche Ansicht, die Nachahmer sucht!

Autor:

Andrea Kaller-Fichtmüller aus Miltenberg

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