Alter Meister geht auf Reisen - Gemälde Lucas Cranachs der Joachim & Susanne Schulz Stiftung wird in Düsseldorf gezeigt

Lange war nicht klar, welch ein Schatz sich im Inneren der Villa Derfflinger in Amorbach befindet. Nach dem Tod von Susanne Everth-Schulz 2015 erbte die Stiftung nicht nur Vermögen und die historische Villa, sondern auch die weitreichende Bildersammlung des Unternehmer-Ehepaares.

Laut Beleg wurde das Werk von Lucas Cranach dem Jüngeren 1978 im Dorotheum Wien von den Schulzens ersteigert. Trotzdem wurde die Echtheit zunächst stark angezweifelt, da in der Vergangenheit zahlreiche Fälschungsskandale an die Öffentlichkeit geraten sind. Erst 2014 wurde der Fall von Christian Goller, eines Restaurator aus Niederbayern bekannt, der seit Jahrzehnten den internationalen Kunstmarkt mit selbstgemalten Bildern aus der Werkstatt von Lucas Cranach dem Älteren oder seinem Sohn Lucas Cranach dem Jüngeren versorgte. Der Schaden, der durch die Eingriffe in die deutsche Kunstgeschichte entstanden ist, beläuft sich nicht nur auf mehrere Millionen, sondern hat auch den gesamten Markt tief erschüttert.

Umso mehr freute sich die Stiftung, als Professor Gunnar Heydenreich, Leiter des Cranach Digital Archive am Museum Kunstpalast in Düsseldorf, im März 2016 nach Amorbach reiste und großes Interesse an dem Werk zeigte. Laut Heydenreich war das Bildnis der Cranach-Forschung zwar bekannt, aber der Verbleib ab 1978 war unklar. Zur Identität des Dargestellten gab es bisher verschiedene Vermutungen. Die Initialen CPD (spiegelverkehrt) auf dem Siegelring passten zu "Christian Pontanus Doctoris", es sprach also vieles für den Kanzler Christian Brück.

Nach einer umfassenden Analyse des Gemäldes im Cranach Digital Archive stand fest: Das Gemälde von 1555 wird bei der großen Cranach Ausstellung „Meister, Marke und Moderne“ vom 8.4-30.7.2017 im Museum Kunstpalast in Düsseldorf gezeigt.

Erstmals nimmt die Ausstellung Cranach den Älteren in seiner Gesamtheit und Modernität in den Blick und beleuchtet neben seinen Erfolgsstrategien den Einfluss des herausragenden Künstlers bis in die Kunst der Moderne und Gegenwart. Seine Malerei besticht durch eine Brillanz, die man bis dahin nur von Italienern kannte. Nicht nur deshalb hat das Museum Kunstpalast in Düsseldorf allen Grund, das Werk des Renaissancekünstlers Lucas Cranach im Reformationsjahr in bestechender Fülle und erlesener Qualität in Erinnerung zu rufen. Das Werk von Vater und Sohn Cranach ist gewaltig. Rund 1500 Gemälde ihrer Werkstatt sind noch heute erhalten.

Für das eindrückliche lebensgroße Bildnis der Joachim & Susanne Schulz Stiftung hat sich bestätigt, dass es sich um Christian Brück, Sohn des Kanzlers Gregor Brück im Jahr seiner Berufung zum Kanzler Herzog Johann Friedrichs II. von Sachsen handelt.
Cranach d. J. porträtierte seinen wenig jüngeren Schwager auf dem Höhepunkt von dessen Karriere. Zwölf Jahre später, am 18. April 1567, wurde Christian Brück auf dem Marktplatz in Gotha durch Vierteilung hingerichtet. Er war in Auseinandersetzungen um Gebietsansprüche zwischen Wilhelm von Grumbach, Kaiser Maximilian II. und Kurfürst August von Sachsen verwickelt, in deren Folge der Herzog lebenslänglich in kaiserliche Haft genommen und weitere Beteiligte exekutiert wurden. Lucas Cranach d. J. präsentiert sich mit diesem Werk als hervorragender Porträtist, der die Werkstatt seines Vaters zwei Jahre nach dessen Tod höchst erfolgreich fortführt.

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