Bildergalerie und Essay.
Wort, Werk und Wohlklang.
- Die St. Gangolf-Kirche in Amorbach.
- hochgeladen von Roland Schönmüller
Gelungene Inspirationen in Wort und Klang in der St.-Gangolfs-Kirche Amorbach.
Am Freitag, 3. Juli 2026, bot die St.-Gangolfs-Kirche in Amorbach für rund 30 Minuten eine wohltuende Unterbrechung des Marktgeschehens. Parallel zum Trödelmarkt „Krims und Krams im Kerzenschein“ hatte die Katholische Kirchenstiftung St. Gangolf Amorbach zu „Inspirationen in Wort und Klang“ eingeladen. Das Format, das jeweils am ersten Freitag des Monats stattfindet, verbindet kurze musikalische Beiträge mit erklärenden und geistlich ausgerichteten Worten.
Kerzen, Kirche, Klang.
Der Wechsel vom Stöbern auf dem Markt in den Kirchenraum machte den Reiz des Abends aus. Draußen Handel und Begegnung, drinnen Konzentration und Klang: Diese Spannung trug die halbe Stunde. Die Orgel setzte den musikalischen Rahmen, die Moderation führte durch das Programm und gab den Zuhörerinnen und Zuhörern Orientierung, ohne den Stücken ihre eigene Wirkung zu nehmen.
Bach: Barocke Bewegtheit.
Zum Auftakt spielte Simone Grimm die Ciacona B-Dur von Johann Bernhard Bach. Das Stück lebt von einem wiederkehrenden Grundgedanken, der immer neu beleuchtet wird. Dadurch entstand eine Musik von ruhiger Festigkeit und zugleich lebendiger Bewegung. In der St.-Gangolfs-Kirche wirkte die Ciacona klar gegliedert, würdevoll und einladend — ein Auftakt, der den Raum sammelte und das Publikum unmittelbar ins Hören führte.
Zimmer: Zeit, Zärtlichkeit, Zukunft.
Mit Hans Zimmers Main Theme aus dem Film Interstellar folgte ein deutlicher stilistischer Kontrast. Auf der Orgel entfaltete die Filmmusik eine weite, fast schwebende Klangwirkung. Inhaltlich steht sie für Sehnsucht, Aufbruch und die Frage nach menschlicher Nähe über große Entfernungen hinweg. Gerade in der Kirche gewann das Thema eine besondere Tiefe: Es klang nicht nach Kinoeffekt, sondern nach Staunen, Weite und innerer Bewegung.
Martin: Milde, Meditation, Morgenlicht.
Den Abschluss bildete Easthope Martins Evensong, ein Stück von stiller, abendlicher Prägung. Es erinnerte an die Tradition des englischen Abendgebets und setzte auf Wärme, Ruhe und feine Klangfarben. Nach der barocken Ordnung Bachs und der filmischen Weite Zimmers führte diese Musik zu einem besinnlichen Ausklang. Ihre Wirkung lag gerade in der Zurückhaltung: Sie ließ dem Nachklang Raum.
Moderation mit Maß und Mitte.
Elfriede Zerr führte mit gut dosierten Moderationsbeiträgen durch das Programm. Ihre Erläuterungen halfen, die sehr unterschiedlichen Werke einzuordnen, ohne belehrend zu wirken. So entstanden zwischen den Stücken kurze gedankliche Übergänge, die das Hören vertieften und den Charakter der Reihe unterstrichen.
Auch musikalisch überzeugte der Abend. Simone Grimm zeigte an der Orgel ein gutes Gespür für die unterschiedlichen Stile: transparent und geordnet bei Bach, weit gespannt bei Zimmer, ruhig und klangschön bei Martin. Dadurch wurde aus drei sehr verschiedenen Kompositionen ein stimmiger Programmbogen.
Chöre, Chance, Continuo.
Die nächste Veranstaltung der Reihe findet am Freitag, 7. August 2026, statt. Dann wirken zwei Chöre mit: St. Gangolf Amorbach und der Chor StimmArt Collenberg. Damit setzt die Kirchenstiftung ihr Angebot fort, mitten im örtlichen Leben einen Raum für Musik, Besinnung und Begegnung zu öffnen.
Roland Schönmüller
Autor:Roland Schönmüller aus Miltenberg |
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