BSA e. V.
Kinästhetik für pflegende Angehörige
- Foto: BSA e.V.
- hochgeladen von Beratungsstelle für Senioren und pflegende Angehörige e. V.
Bewegung verstehen und Pflege leichter gestalten
Grundkurs startet am 7. November in Elsenfeld – drei Termine vermitteln praktische Unterstützung für den Pflegealltag
Einen Angehörigen im Alltag zu unterstützen und zu pflegen, kann körperlich und emotional herausfordernd sein. Häufig sind es gerade die alltäglichen Bewegungen – etwa das Aufstehen von einem Stuhl, das Umsetzen ins Bett oder das Gehen, bei denen Pflegebedürftige Unterstützung benötigen. Dabei stellt sich die Frage: Wie kann Hilfe so geleistet werden, dass der pflegebedürftige Mensch möglichst viel selbst tun kann und gleichzeitig die körperliche Belastung für die helfende Person möglichst gering bleibt?
Genau hier setzt die Kinästhetik an. Die Beratungsstelle für Senioren und pflegende Angehörige e. V. bietet gemeinsam mit dem Kinästhetik-Trainer Uwe Wagner und der BARMER Aschaffenburg einen Grundkurs „Kinästhetik für pflegende Angehörige“ an. Der Kurs richtet sich sowohl an Menschen, die bereits einen Angehörigen pflegen, als auch an Personen, die sich frühzeitig auf eine mögliche Pflegesituation vorbereiten möchten.
Bewegung bewusst wahrnehmen
Kinästhetik beschäftigt sich mit der menschlichen Bewegung und insbesondere damit, wie Bewegungen wahrgenommen, verstanden und sinnvoll unterstützt werden können. Schon ein einfacher Blick auf zwei Menschen, die von einem Stuhl aufstehen, macht deutlich, wie unterschiedlich Menschen sich bewegen. Jeder Mensch entwickelt eigene Bewegungsmuster und nutzt seinen Körper auf seine individuelle Weise.
Diese Unterschiede bewusst wahrzunehmen, ist ein wichtiger erster Schritt. Wer die eigene Bewegung besser versteht, kann auch die Bewegungen eines anderen Menschen besser beobachten und gezielter Unterstützung anbieten.
Gerade in der häuslichen Pflege spielt dies eine wichtige Rolle. Treffen die individuellen Bewegungsmuster einer pflegebedürftigen Person auf die einer unterstützenden Person, entsteht eine besondere Bewegungssituation. Ziel der Kinästhetik ist es, diese Interaktion so zu gestalten, dass die pflegebedürftige Person möglichst viele Bewegungen selbstständig ausführen kann.
Nicht mehr übernehmen als notwendig
Im Pflegealltag entsteht leicht die Situation, dass Helfende Bewegungen vollständig übernehmen, weil dies zunächst schneller und einfacher erscheint. Kinästhetik verfolgt einen anderen Ansatz: Unterstützen statt Abnehmen.
Die pflegebedürftige Person soll vorhandene Fähigkeiten möglichst weiterhin nutzen können. Die helfende Person gibt dabei Orientierung und Unterstützung, ohne unnötig Kraft einzusetzen. Das kann beispielsweise beim Aufstehen, Hinsetzen, Drehen, Umsetzen oder bei Positionsveränderungen eine wichtige Rolle spielen.
Dafür ist teilweise ein Umdenken erforderlich. Gewohnte Abläufe müssen hinterfragt und neue Wege beschritten werden. Gerade am Anfang kann eine solche Herangehensweise mehr Zeit, Aufmerksamkeit und auch Mut erfordern. Langfristig kann sie jedoch zu einem bewussteren und körperlich schonenderen Umgang miteinander beitragen.
Auch die eigene Bewegung steht im Mittelpunkt
Ein wesentlicher Bestandteil der Kinästhetik ist die Sensibilisierung für die eigene Bewegung. Wer den eigenen Körper und die eigenen Bewegungsabläufe bewusster wahrnimmt, kann besser einschätzen, wie Bewegungen bei einer anderen Person unterstützt werden können.
Dabei geht es nicht ausschließlich um die Pflege. Die bewusste Wahrnehmung von Bewegung und die Entwicklung von Bewegungskompetenz können Menschen jeden Alters zugutekommen. Sie leisten einen Beitrag zu einem gesundheitsbewussten Umgang mit dem eigenen Körper und können helfen, Bewegungsabläufe besser zu verstehen.
Für pflegende Angehörige bekommt dieses Wissen eine zusätzliche Bedeutung: Sie müssen nicht nur die Fähigkeiten und Bedürfnisse der pflegebedürftigen Person berücksichtigen, sondern auch auf die eigene körperliche Belastung achten.
Praktische Themen für den Pflegealltag
Der angebotene Grundkurs vermittelt grundlegende Kenntnisse und praktische Erfahrungen rund um die Kinästhetik. Zu den vorgesehenen Inhalten gehören unter anderem:
• Sensibel werden für die eigene Bewegung
• Der Umgang mit Gewicht
• Bewegungsmuster verstehen
• Unterstützen als Lernangebot
• Der Lernprozess in der Familie
• Der Umgang mit Hilfsmitteln
Im Mittelpunkt steht dabei nicht allein die theoretische Wissensvermittlung. Vielmehr sollen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer Bewegungen selbst erfahren, beobachten und reflektieren. Dadurch können sie ein besseres Verständnis dafür entwickeln, wie Unterstützung im Pflegealltag gestaltet werden kann.
Entlastung für Angehörige
Für viele Familien verändert sich mit zunehmender Pflegebedürftigkeit eines Angehörigen der gesamte Alltag. Tätigkeiten, die früher selbstverständlich waren, werden plötzlich zu Herausforderungen. Gleichzeitig möchten Angehörige verständlicherweise dazu beitragen, dass der pflegebedürftige Mensch möglichst selbstständig und selbstbestimmt bleibt.
Kinästhetik kann hier einen wichtigen Impuls geben. Es geht darum, vorhandene Fähigkeiten wahrzunehmen und zu fördern, statt Bewegungen vorschnell vollständig zu übernehmen.
Damit kann die Methode zu einer Pflegesituation beitragen, in der beide Seiten stärker aufeinander achten: Die pflegebedürftige Person wird in ihren Möglichkeiten unterstützt, während die helfende Person lernt, ihre eigene Kraft und Bewegung bewusster einzusetzen.
Frühzeitig Unterstützung annehmen
Pflege beginnt in vielen Familien schleichend. Angehörige übernehmen zunächst einzelne Aufgaben und stellen mit der Zeit fest, dass immer mehr Unterstützung notwendig wird. Umso hilfreicher kann es sein, sich frühzeitig mit den eigenen Möglichkeiten und den richtigen Techniken auseinanderzusetzen.
Der Kinästhetik-Kurs möchte deshalb dazu beitragen, pflegende Angehörige in ihrer täglichen Arbeit zu stärken und ihnen neue Perspektiven für den Umgang mit Bewegung zu vermitteln. Im Vordergrund steht dabei nicht, möglichst viel Kraft aufzuwenden, sondern Bewegungen gemeinsam zu gestalten und vorhandene Fähigkeiten zu nutzen.
Drei zusammenhängende Kurstage
Der Grundkurs Kinästhetik für pflegende Angehörige beginnt am Samstag, 7. November 2026. Zwei weitere Termine schließen sich am Samstag, 14. November, und Samstag, 21. November 2026, an. Alle drei Veranstaltungen finden jeweils von 8.30 bis 16.30 Uhr statt.
Veranstaltungsort ist der Seniorentreff „Mittendrin“, Marktplatz 2, 63820 Elsenfeld.
Da die drei Termine zusammengehören, bietet der Kurs den Teilnehmerinnen und Teilnehmern die Möglichkeit, die Inhalte über mehrere Tage hinweg kennenzulernen, Erfahrungen zu sammeln und die eigenen Bewegungskompetenzen Schritt für Schritt weiterzuentwickeln.
Da es sich um ein Kursangebot in Kooperation mit dem Kinästhetik Trainer Uwe Wagner und der BARMER handelt, werden die Kursgebühren direkt von der BARMER übernommen. Lediglich für die Unterlagen und das Zertifikat fallen Kosten in Höhe von 25 Euro an.
Interessierte können sich bei der Beratungsstelle für Senioren und pflegende Angehörige e. V. informieren und anmelden.
Kontakt:
Beratungsstelle für Senioren und pflegende Angehörige e. V.
Telefon: 09371/6694920
E-Mail: info@seniorenberatungmil.de
Internet: www.seniorenberatungmil.de
Kursbeginn: Samstag, 7. November 2026
Weitere Termine: 14. und 21. November 2026
Zeit: jeweils 8.30 bis 16.30 Uhr
Ort: Seniorentreff „Mittendrin“, Marktplatz 2, 63820 Elsenfeld
Sie möchten kommentieren?
Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.