Ernährungsnotfälle
Für den Notfall gewappnet
- Eine gute Vorratshaltung mit Nahrungsmitteln ist ein sinnvoller Beitrag zur persönlichen Sicherheit jedes Einzelnen und gibt ein gutes Gefühl.
- Foto: drobotdean – Magnific.com
- hochgeladen von Andrea Kaller-Fichtmüller
Bewusst vorsorgen, klug haushalten – sinnvolle Vorratshaltung hilft dabei, Ernährungsnotfälle zu überbrücken
Wir leben in Sicherheit. Deutschland gilt als eines der sichersten Länder der Welt. Und dennoch erleben wir tagtäglich, wie Krisen unseren Alltag stören können. Extremwetterlagen wie die derzeitige Hitzewelle, die unser Land mit Rekordtemperaturen von über 35 Grad im Schwitzen hält, haben im Süden Europas bereits mehrere Tote gefordert und verheerende Waldbrände ausgelöst.
Versorgungsengpässe und Mangellagen
Krisen wie die bereits genannten Extremwetterlagen, aber auch Stromausfälle, technische Unfälle oder Krankheitserreger können jederzeit eine Notlage hervorrufen. Gerade letzteres hat uns während der Corona-Pandemie vor sechs Jahren gezeigt, wie eingeschränkt Einkaufsmöglichkeiten und Lieferwege dann sein können. Darüber hinaus nimmt die Gefahr vor kriegerischen Auseinandersetzungen, Waffenangriffen, Terroranschlägen, Sabotageakten oder Cyberattacken zu und kann zu ernsten Notfalllagen führen: Lieferketten werden längerfristig oder dauerhaft unterbrochen, Versorgungsengpässe entstehen, es drohen Mangellagen.
Aktive Auseinandersetzung
Aus diesem Grund möchte die Regierung von Unterfranken die Menschen dazu ermutigen, sich mit dem wichtigen Thema der persönlichen Notfallvorsorge auseinanderzusetzen. Dazu zählt insbesondere eine gute Vorratshaltung mit Nahrungsmitteln, denn sie ist ein sinnvoller Beitrag zur persönlichen Sicherheit jedes Einzelnen und gibt darüber hinaus ein gutes Gefühl: Man bereitet sich aktiv auf Situationen vor, in denen man sich vorrübergehend nicht mit Lebensmitteln und Trinkwasser versorgen kann.
„Ein Vorrat für mindestens drei Tage ist besser als gar kein Vorrat!“
Auch dem Bayerischen Bauernverband – Kreisverbände Aschaffenburg und Miltenberg – liegt das Thema am Herzen: „Ich halte es für sehr wichtig, sich über das Thema Vorratshaltung Gedanken zu machen“, pflichtet Kreisbäuerin Diana Reinhart vom Lindenhof in Niedernberg bei. „Denn wenn man durch einen Krankheitserreger, beispielsweise das Grippe-Virus, plötzlich längere Zeit ans Bett gefesselt ist oder kurzfristig ein Stromausfall über mehrere Stunden oder gar Tage eintritt, macht eine gute Vorratshaltung in solchen Notfällen das Leben viel einfacher.“
Persönliche Vorsorge treffen
„Jeder Einzelne ist gefordert, sich zu überlegen, wie weit er oder sie das Thema Vorratshaltung betreiben möchte und was einem persönlich wichtig ist.“ Viele Menschen gehen täglich einkaufen, vor allem in den Städten, in denen die Einkaufsmöglichkeiten oftmals um die Ecke oder auf dem Heimweg von der Arbeit liegen. Und meist haben Städter keine Vorrats- oder Speisekammer. „Bei uns auf dem Land ist das noch anders“, betont Diana Reinhart. „Trotzdem sollte man wissen, wie eine sinnvolle Vorratshaltung funktioniert – nicht nur für den Notfall, sondern auch für das tägliche Leben.“
Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) empfiehlt, einen Vorrat für möglichst 10 Tage anzulegen. „Doch schon ein Vorrat für mindestens drei Tage kann im Krisenfall sehr hilfreich sein und ist besser als gar kein Vorrat“, ergänzt die Kreisbäuerin. Idealerweise besteht der Vorrat aus haltbaren Lebensmitteln, ausreichend Trinkwasser, Hygieneartikeln sowie persönlichen Medikamenten. Ebenfalls gut bevorraten lassen sich Desinfektionsmittel, Pflaster, Erkältungsmittel, Schmerzmittel und alles, was ein normaler Erste-Hilfe-Kasten beinhaltet. Für den Fall eines Stromausfalls gehören auch Kerzen, Teelichter, Streichhölzer, Feuerzeuge und Taschenlampen – mit den nötigen Batterien – in den Vorrat. Solarbetriebene Leuchten sind ebenfalls eine gute Lichtquelle.
Wasser – besonders wichtig
„Wasser ist besonders wichtig“, so Diana Reinhart weiter. „Jeder sollte zumindest ein paar Kästen Wasser bevorraten, am besten in Glasflaschen, da diese länger haltbar sind. Man rechnet pro Person und Tag zweieinhalb Liter reines Trinkwasser. Einschließlich Körperhygiene sollten pro Person und Tag 10 Liter Wasser veranschlagt werden.“ Steht ein Notfall akut bevor, ist es hilfreich, alle verfügbaren Behälter mit Wasser zu füllen, solange die Leitungen noch intakt sind.
Was gehört in einen sinnvollen Vorrat?
Bei Lebensmitteln ist es ratsam, sich an den individuellen Bedürfnissen und Vorlieben zu orientieren. Auch Familien mit Kindern, Allergiker, kranke, pflegedürftige oder alte Menschen sowie Haustierbesitzer sollten sich Gedanken über einen sinnvollen Vorrat machen. „Achten Sie auf die Haltbarkeitsdauer der Lebensmittel und prüfen Sie, ob diese auch ohne Kühlschrank bzw. Gefriertruhe gelagert werden können, denn möglicherweise hat man ja durch einen Stromausfall keinen Strom“, empfiehlt die Kreisbäuerin. „Besonders gut sind beispielsweise Konserven, da sie lange haltbar sind. Auch trockene Vorräte wie Zwieback, Knäckebrot, Kekse oder Getreide, zum Beispiel Haferflocken, und Hülsenfrüchte sind geeignet. Gewürze und Nüsse, die viel Energie liefern und nur wenig Platz beanspruchen, sind ideal. Ebenfalls empfehlenswert ist eingekochtes Obst oder getrocknete Früchte, Dauerwurst oder Dauerbrot. Des Weiteren ist H-Milch oder pflanzliche Milch bis zu einem Jahr haltbar. Milch ist kalorienreich und bestens geeignet, um Kinderbrei anzurühren.“
Wer Vorräte anlegen möchte, geht am besten nach dem Prinzip „First in – first out“ vor: Neue Vorräte kommen nach dem Einkauf hinten in den Schrank, ältere Lebensmittel werden zuerst verbraucht. So bleiben die Vorräte stets frisch. Hilfreiche Tipps zur Vorratshaltung gibt die „Clevere Kiste“ des Bayerischen Staatsministeriums für Ernährung, Landwirtschaft, Forsten und Tourismus (StMELFT) (siehe Infokasten).
Ein zusätzlicher Tipp von Kreisbäuerin Diana Reinhart sind Einmachgläser: „Sie können ganz einfach gelagert werden. Zudem bieten sie die Möglichkeit, erntereifes Gemüse aus dem eigenen Garten für einen längeren Zeitraum haltbar zu machen – zur Not auch auf dem Campingkocher!“
Tiefkühlschrank und Gefriertruhe
Ein zentraler Punkt in der Vorratshaltung ist der Tiefkühlschrank bzw. die Gefriertruhe. So weit, so gut. Doch wie sieht es damit bei einem Stromausfall aus? „Hier ist es hilfreich zu wissen, dass ein geschlossenes Gerät die Temperatur etwa 12 bis 24 Stunden lang hält“, erläutert Diana Reinhart. „Spätestens nach 48 Stunden sollte jedoch alles aufgebraucht sein.“
Nahrungszubereitung im Notfall
Doch wie bereitet man Mahlzeiten in einer Krisensituation ohne Strom zu? „Ein Campingkocher ist eine gute Alternative“, weiß Diana Reinhart. „Denken Sie aber an die notwendigen Gaskartuschen! Auch ein Lagerfeuer im Freien oder ein Gas- oder Holzkohlegrill bieten sich an.“ Notfalls leisten ein Fondue-Set mit Brennpaste oder ein Stövchen mit Teelicht beim Erwärmen von Speisen ebenfalls gute Dienste. „Und man kann sich natürlich auch überlegen, was man kalt verzehren kann, dann ist man nicht auf Strom angewiesen.“
Und was tun im Notfall?
Diana Reinhart: „Zunächst gilt es, möglichst Ruhe zu bewahren. Versuchen Sie das, was Ihnen vertraut ist, noch weiterzuführen: Kochen Sie weiter, treffen Sie sich mit Ihrer Familie, reden Sie darüber.“
Unterwegs im Landkreis
Mit ihrem Vortrag „Gut gewappnet für den Notfall – private Vorratshaltung“, den sie erstmals im Mai dieses Jahres in Niedernberg gehalten hat, möchte Kreisbäuerin Diana Reinhart möglichst viele Menschen erreichen. „Ich habe mir als Kreisbäuerin vorgenommen, den Vortrag in jedem Ort des Landkreises Miltenberg zu halten. Es ist einfacher, wenn man direkt mit den Menschen darüber redet und ihnen die Möglichkeit gibt, Fragen zu stellen. Ich möchte damit das Thema Vorratshaltung anstoßen, für das Thema sensibilisieren und erreichen, dass die Menschen sich Gedanken machen und damit beschäftigen.
Für den Vortrag hat Diana Reinhart auch Anschauungsmaterial dabei und vorgekocht. „Ich zeige, was man mit einfachen Mitteln wie etwa Getreide, Hülsenfrüchten, Tomatensauce, Milch oder pflanzlicher Milch kochen kann. Das macht den Vortrag lebendig und begeistert darüber hinaus die Zuhörerinnen und Zuhörer.“
Vorsorge treffen – rechtzeitig gewarnt sein
Um bereits im Vorfeld rechtzeitig über eventuelle Notsituationen informiert zu werden, sollte jeder, der ein Smartphone besitzt, auf diesem eine entsprechende App installieren, beispielsweise die Warn-App NINA des BBK. Wenn der Standortdienst freigegeben ist, warnt diese App vor allen Gefahren, die sich um einen selbst und den eigenen aktuellen Standort ereignen.
Weitere ausführliche Informationen und praktische Tipps zur Ernährungsnotfallvorsorge und Vorratshaltung gibt auch die Broschüre „Vorsorgen für Krisen und Katastrophen“ des BBK, 2. Auflage 2025 (siehe Infokasten).
Infokasten
Hilfreiche Informationen:
Über den Vorratskalkulator des Bundes für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat unter https://www.ernaehrungsvorsorge.de können Sie überprüfen, ob Ihre Vorräte für den Notfall ausreichen würden.
Das Bayerische Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft, Forsten und Tourismus (StMELFT) gibt über die „Clevere Kiste“ Tipps zur privaten Vorratshaltung. Ein Notvorrat sollte mindestens für drei Tage, idealerweise für zehn Tage ausreichen. Entscheidend ist, dass die Lebensmittel
- lange haltbar sind,
- trocken gelagert werden können,
- ohne Kühlung auskommen,
- im Idealfall kalt verzehrbar sind oder ohne Strom zubereitet werden können.
Über das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) kann unter https://www.bbk.bund.de die Broschüre „Vorsorgen für Krisen und Katastrophen“, 2. Auflage 2025 heruntergeladen oder in Papierform bestellt werden.
Autor:Andrea Kaller-Fichtmüller aus Miltenberg |
Sie möchten kommentieren?
Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.