Buchempfehlung: Nachtschwärmer von Moira Frank
Ein ostdeutsches Sommermärchen in ordentlicher Jugendsprache!

Moira Frank erzählt in ihrem zweiten Buch "Nachtschwärmer" die Geschichte von Helena Naumann, die ohne große Umschweife mit all ihren großen und kleinen Problemen authentisch vorgestellt wird. Gerade als sie ihren bis dato unbekannten Halbbruder Lukas besser kennenlernt und ihn besuchen fahren möchte, kommt die Nachricht, dass er bei einem Autounfall ums Leben gekommen ist. Was dramatisch beginnt, entwickelt sich zu einer berührenden, intensiven, tiefgründigen Sommergeschichte im Brandenburger Land. Wer glaubt, das Ende schon nach 100 Seiten ahnen zu können, sollte sich auf einiges gefasst machen. Ich hatte noch keine Rezension zu dem Buch gelesen und ahnte daher nicht, was mich erwartet.

Zuallererst möchte ich Moira Frank für die Hauptcharaktere loben. Victor, Helena, Clara und vor allem Mike(y) sind sehr authentisch skizziert und ganz und gar nicht oberflächlich beschrieben. Aber auch Nebencharaktere erhalten viel Zuwendung, mit Ausnahme der meisten Ü18-Charaktere, die grundsätzlich eher die Doofen sind. Aber das ist in einem Jugendbuch nicht ganz unüblich. Auch die Gegend rund um den Hauptort des Geschehens ist so detailliert und liebevoll beschrieben, dass ich meinte, den Raps riechen und die Maisblätter fühlen zu können. Das ist wirklich große Klasse! Die Story tritt in manchen Passagen etwas auf der Stelle ist aber insgesamt schlüssig, wenn man versucht sich in die Pubertät zurückzuversetzen. Auch die gemeinsamen Erlebnisse wünscht sich doch ein jeder von uns für seine eigene Jugendzeit, oder?

Wie einige meiner Vorrezensenten möchte ich aber auch die Sprache ansprechen. Ich bin 25 und wirklich kein Kind von Traurigkeit, was Jugendsprache angeht, aber in diesem Buch war es doch sehr derb. Ständig wird beleidigt, gefoppt, gestritten und geschlagen. Die Intention der Autorin ist vermutlich den Lesern zu zeigen wie schlimm Vorurteile und Schubladendenken sein kann und das man nicht unbedacht mit schlimmen Formulierungen um sich werfen sollte. Aber ob das beim jugendlichen Leser so ankommt? Zu schnell werden Klischees bedient und zu selten später als Schwachsinn entlarvt. Gerade das Ende des Buchs ist dann wirklich überraschend und ein toller Abschluss, der aber so gar nicht zur derben Rhetorik davor passt. Sicher ist der Umgangston in den Schulen nicht der beste, aber ob es ganz so extrem ist? Ich bin mir sicher, dass Moira Frank eine großartige Autorinnenkarriere vor sich hat, denn sie kann wirklich fesselnd erzählen und beschreiben, einzig die Sprache würde ich mir etwas weniger vulgär wünschen.

Ich finde das Buch aufgrund der spannenden Identitäts- und Sexualthematik lesenswert, ich hatte das Gefühl, das ich im Verlaufe des Buchs auch etwas abgestumpfter auf die Dialoge reagiert habe. Bzw. zum Ende wurde es auch deutlich harmonischer zwischen den Protagonisten. Wer "tschick" gut fand, wird auch in diesem Buch das Gefühl von Freiheit erfahren und mit ein wenig Fantasie die Sommerferien der Jugend nochmal erleben.

Das Buch ist beim cbj-Verlag (ISBN: 978-3-570-16505-8) erschienen und kostet 17 Euro.

Autor:

Gustav Teschner aus Mönchberg

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