HSG-Schüler auf den Spuren rund um das Schnatterloch
Jüdisches Leben in Miltenberg

die Klasse 9a mit ihrer Geschichtslehrerin Jutta Rosenberger-Klein vor dem Schnatterloch in Miltenberg | Foto: Rainer Schenk
  • die Klasse 9a mit ihrer Geschichtslehrerin Jutta Rosenberger-Klein vor dem Schnatterloch in Miltenberg
  • Foto: Rainer Schenk
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Der 2. Weltkrieg und der Holocaust sind die wohl traurigsten, aber gleichzeitig auch wichtigsten Themenbereiche des Geschichtsunterrichts am Gymnasium. So traurig sie auch sind, mindestens genauso wichtig ist es mehr über dieses Kapitel herauszufinden.
Um besser zu verstehen, welch extreme Auswirkungen die Politik der 30er und 40er Jahre auf die jüdische Bevölkerung hatte, unternahm die Klasse 9a des Hermann-Staudinger-Gymnasiums zusammen mit ihren Lehrern Rainer Schenk und Jutta Rosenberger-Klein eine Exkursion nach Miltenberg, um sich dort auf „Spurensuche“ des jüdischen Lebens zu begeben. So war es erschütternd zu sehen, dass die jüdische Gemeinschaft nicht „nur irgendwo anders“ verfolgt und getötet wurde, sond ern dass dies auch im gerade einmal 20 Autominuten entfernten Miltenberg der Fall war, denn in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts lebten 90 jüdische Bürger in unserer Kreisstadt.
Bereits seit dem 13. Jahrhundert sind Juden in Miltenberg nachgewiesen, „sie trugen wesentlich zum Aufstieg der Stadt im späten Mittelalter bei“, so Frau Anita Geffert, die unsere Führung mit Engagement und großer Sachkenntnis leitete.
Die Spuren jüdischen Lebens in Miltenberg lassen sich auch heute noch deutlich erkennen, seien es die Abdrücke einer Mesusa (kleine Schriftrolle mit Teilen des Glaubensbekenntnisses in einer Kapsel am Türpfosten jüdischer Häuser) oder die Mikwe (jüdisches Reinigungsbad), welche sich ohne langes Suchen im Miltenberger Schwarzviertel finden lassen. Doch dank der Stadtführerin erfuhren wir nicht nur mehr über die jüdische Religion und Lebensweise, sondern hörten auch Details über Einzelschicksale hinter den, in der Altstadt vor den Wohnungen/Häusern der ehemaligen jüdischen Miltenberger Bürger verlegten, Stolpersteinen und über den drastischen Rückgang der jüdischen Bevölkerung ab 1941. So berichtete Frau Geffert über das Schicksal einer Lehrerfamilie, eines Lederhändlers, dem das Handeln mit Leder verboten wurde, sowie über die Geschichte der Synagogen in Miltenberg.
Zum Abschluss besuchten wir noch den alten jüdischen Friedhof, der aufgrund seiner idyllischen Ausstrahlung noch stärker den Kontrast zu den zuvor geschilderten Erfahrungen der Miltenberger Juden (Abgrenzung, Arbeitsverbot, Boykott, Schulausschluss, Inhaftierung, Transport in die Vernichtungslager) betonte. Nachdenklich traten wir schließlich unseren Heimweg an. So erschütternd dieser Ausflug auch war, genauso interessant war es , die Geschichte so lebendig „vor der eigenen Haustür“ zu erleben. Anna-Lena Löwer

Autor:

Dirk Simon (Presse HSG) aus Erlenbach a.Main

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