Eigener Öko-Stromtarif und Dorfheizung Schmachtenberg lassen die Energiegenossenschaft Untermain weiter wachsen

Der scheidende Aufsichtsrat Giegerich wird zum Aschied von den Vorständen Römmelt-Fella und Paulus mit dem "Reiseführer Erneuerbare Energien" beschenkt.
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  • Der scheidende Aufsichtsrat Giegerich wird zum Aschied von den Vorständen Römmelt-Fella und Paulus mit dem "Reiseführer Erneuerbare Energien" beschenkt.
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Prüfung durch Genossenschaftsverband bescheinigt gute Arbeit und anhaltenden Expansionskurs

Mönchberg. Auf ihrer Generalversammlung am 15. Juli konnte die Energiegenossenschaft Untermain (EGU) den ca. fünfzig teilnehmenden Genossen viel Positives berichten. So brachten die Einführung eines eigenen Ökostromtarifes und das im Herbst letzten Jahres in Betrieb genommene Nahwärmenetz Schmachtenberg im letzten Geschäftsjahr einen beachtlichen Zugewinn an Mitgliedern auf nunmehr 268 Genossen. Auch die Bilanz-zahlen der Genossenschaft können sich sehen lassen, dennoch votierten die Mitglieder auch in diesem Jahr noch gegen die Ausschüttung einer Dividende. Der EGU Aufsichtsratsvorsitzende Gerhard Giegerich schied turnusmä-ßig aus dem Amt aus, er wird ersetzt durch den Freudenberger Michael Hinz. Die Energiegenossenschaft Un-termain hofft - trotz anhaltenden Gegenwindes - weiter auf die Realisierung eigener Windkraft-Projekte unter reger Beteiligung der Bevölkerung.

Ökostrom in Kooperation mit heimischen Energieversorgern bringt Neumitgliederschub

Viel Überzeugungsarbeit war nötig, um zwei regionale Energieversorger, die emb (Energie Miltenberg-Bürgstadt) und die Stadtwerke Klingenberg dazu zu gewinnen, einen attraktiven Stromtarif für die Mitglieder der Genossen-schaft anzubieten. Das Projekt war schließlich von Erfolg gekrönt und stößt auf großes Interesse. Mehr als fünfzig Personen und Firmen traten der Energiegenossenschaft schon deshalb bei, um von diesem Angebot nur für EGU Mitglieder zu profitieren. Darüber hinaus stiegen natürlich auch viele bestehende Mitglieder auf den Ökostrom-tarif um.

‚Leuchtturmprojekt‘ Dorfheizung Schmachtenberg geht in die zweite Phase

Viel positive Resonanz von Politik und Öffentlichkeit gab es für die Dorfheizung in Schmachtenberg, die seit Herbst letzten Jahres am Netz ist und vor wenigen Wochen offiziell eingeweiht wurde. Als ‚Leuchtturmprojekt der Energiewende‘ des Landkreises wird das mit heimischen Hackschnitzeln im Altort des Dorfes betriebene Nahwärmenetz bezeichnet.

Jetzt geht dieses Projekt in die zweite Phase. Mit dem Ausbau des Nordringes werden der Bauhof und das neue Gewerbegebiet angeschlossen. In 2017 soll dann mit der geplanten Straßensanierung der Röllbacher Straße der weitere Ausbau des Netzes geprüft werden. Hierfür wurde von der EGU vor wenigen Tagen ein Fragebogen an die möglichen Anschlussteilnehmer verteilt.

Dieses Projekt machte mit über 800.000 investierten Euro den Großteil in der Bilanz der EGU aus, zudem ver-schlangen Planung und Administration auch einen großen Teil der personellen Ressourcen.

Gerhard Giegerich verlässt den Aufsichtsrat, der neue Aufsichtsrat Michael Hinz wurde bestätigt

Gerhard Giegerich schied nach fünf Jahren als Aufsichtsratsvorsitzender aus seinem Amt aus und freute sich, dass der von Vorstand Martina Römmelt-Fella vorgeschlagene Kandidat Michael Hinz aus Freudenberg, der als Unter-nehmenskundenberater der Sparkasse beste fachliche Voraussetzungen mitbringt, bei den Mitgliedern auf volle Zustimmung stieß. Auch konnte Giegerich anhand des Anfang des Jahres erstellten Prüfungsberichtes durch den bayerischen Genossenschaftsverband vermelden, dass die Prüfer der EGU nicht nur eine durchweg einwandfreie Arbeitsweise und tadellose Buchführung bescheinigten, sondern diese auch auf einem anhaltenden Expansions-kurs sehen. Die Entlastung des Aufsichtsrates durchgeführt von Beirat Stefan Engels war dann reine Formsache.

Bilanzzahlen positiv, Dividendenausschüttung zurückgestellt

Kompetent, detailliert und für alle verständlich präsentierte Martina Pletschke den Jahresabschluss 2014. Die Zahlen der EGU weisen bei einer Bilanzsumme von ca. 1,6 Millionen Euro erstmalig einen Gewinn von 16.000 Euro aus, damit wurde der Verlustvortrag aus den vergangenen Jahren nahezu ausgeglichen. Die Mitglieder votierten geschlossen dafür, den Gewinn auf neue Rechnung vorzutragen. Positiv war neben der Steigerung der Mitgliederzahlen (hier ein Zuwachs von 44 Prozent) auch die Steigerung der gezeichneten Geschäftsanteile auf über 2.165 Anteile (à 100 €), ein Anstieg um 48% im Vergleich zum Vorjahr.

Auf die Sonne ist Verlass

Die Erträge der insgesamt fünf Photovoltaik-Anlagen mit einer Gesamtleistung von knapp 328 kW/p erzielten erneut die prognostizierten Einspeisegewinne, die an die genossenschaftlichen Darlehensgeber ausgeschüttet wurden. Weitere Beteiligungen oder Käufe von bestehenden Anlagen sind geplant, in den Bereich Stromver-marktung will die EGU aber aus administrativen wie personellen Gründen nicht einsteigen. Auf Nachfrage eines Mitglieds wurde auch verneint, im Bereich Stromspeichertechnologien oder Stromhandel in nächster Zeit aktiv zu werden, wobei alternative Betreibermodelle (z.B. durch Direktvermarktung an Gemeinden) durchaus interessant sein könnten.

Windkraft im Odenwald ist wirtschaftlich, mehr politischer Wille wird angemahnt

Knackpunkt ist und bleibt die Windkraft, die leider ein großes Reizthema in der Bevölkerung darstellt, was sich auch auf das Engagement der Kommunalpolitiker auswirkt. Unisono beklagten die Vorstände Karlheinz Paulus und Martina Römmelt-Fella, aber auch der scheidende Aufsichtsrat Gerhard Giegerich die zögerliche Umsetzung des bereits 2011 beschlossenen Energiekonzeptes der Region. Es bräuchte mehr Bürgermeister wie den Amor-bacher Peter Schmitt, der sich konsequent für die regionale Energiewende (selbst gegen Widerstände in der eigenen Partei) einsetzt und an dem Plan, in Boxbrunn Windkraftanlagen mit Bürgerbeteiligung zu realisieren, festhält. Es könne doch nicht sein, so Giegerich, dass alles, was einmal aus gutem Grund beschlossen wurde, über den Haufen geworfen würde, nur weil die Gegner lauthals ein Schreckensszenario nach dem anderen entwerfen. Er machte deutlich, dass er den gesellschaftlichen Konsens auf breiter Linie in Gefahr sieht.

Auch Karlheinz Paulus appellierte an die Windkraftgegner, sich sachlich und objektiv mit den Argumenten ausei-nanderzusetzen und nicht auf einer ‚nicht in meinem Sichtkreis‘-Mentalität zu beharren. Paulus zeigte die in Umlauf gebrachten Simulationen der geplanten Windkraftanlagen bei Mainbullau, welche aus Hubschrauberper-spektive die Optik nachweislich völlig dramatisieren und präsentierte eine Folie, die die tatsächlichen Größen-verhältnisse und Sichtachsen von Rüdenau aus darstellt. Auch vorgebrachte Fälle von unter Volllast abgebroche-nen Rotorblättern, bezeichnete er als unsachliche Panikmache der Windkraftgegner. Paulus betonte, dass das Fürstenhaus zu Leiningen an den Planungen im soeben festgelegten Zonierungsbereich im Privatbesitz festhalte, und dass er sich wünsche, dass das Projekt Windpark Mainbullau unter einheimischer Beteiligung und nicht nur durch nationale Großinvestoren realisiert wird.

Abschließend legte Paulus dar, dass die Wirtschaftlichkeit der Windkraft auch in der Region gegeben ist. Anhand der EGU-Beteiligung am Windpark Großer Wald in Hettingen zeigte er, dass die Einspeisewerte des Windparks schon zwei Jahre in Folge die Planzahlen übertrafen. Maßgeblich für diesen Erfolg sei auch eine solide, konserva-tive Planung der Betreiber.

Weitere Informationen über Projekte und die EGU unter www.energiegenossenschaft-untermain.de.

Der scheidende Aufsichtsrat Giegerich wird zum Aschied von den Vorständen Römmelt-Fella und Paulus mit dem "Reiseführer Erneuerbare Energien" beschenkt.
Die Genossen treffen im Obstkeller zur Generalversammlung der Energiegenossenschaft ein.
Autor:

Andrea Stahl aus Mönchberg

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