Buchempfehlung: Nicht wie ihr von Tonio Schachinger
Der es Debüt über das harte Leben eines Profifußballers

Das erste Buch von Tonio Schachinger "Nicht wie ihr" mischt in Romanform den Profifußball auf. Das Buch ist sehr ansprechend gestaltet! Der Leser begleitet den - leider - erfundenen Protagonist Ivo Trifunovic durch die Mid-Life-Crisis eines Profifußballers. Als erster Österreicher wechselte Ivo in jungen Jahren zu Real Madrid, nur um dort auf der Bank zu versauern. Über Umwege landet er in Everton, wo er nun mehr als genug Geld für sich und seine Familie verdient. Den Medien ist er auch als Bad Boy bekannt, auch wenn er mittlerweile konstant Leistung bringt und so eine echte Verstärkung für das Nationalteam und Everton ist. Neben den zahlreichen gelungenen Anekdoten zum Fußball geht es aber vor allem um Ivos Inneres. Er ist zerrissen zwischen dem Junggesellendasein von einst und seiner Familie.
Ohne dafür einen Anlass zu erkennen, wird der Spalt zwischen ihm und seiner Frau immer größer und Untreue schwebt wie ein Damoklesschwert über Ivo. Da in Ivos Welt alles um ihn kreist, versucht er gar nicht erst die Gefühle anderer zu erkennen, sondern macht, was ihm gerade gefällt. Verantwortung ist für ihn eher lästig und da seine Frau die perfekte Spielerfrau/Haushaltsmanagerin ist, kann er auch immer mal wieder die Sau rauslassen. Aber Ivo wäre nicht Ivo, wenn er nicht wüsste, wann er sich mal wieder "zamreißen" muss, um wieder in die richtige Spur zu kommen.

Das Buch beginnt mitten in Ivos Leben und endet auch dort. Das Jahr, was Leser und Protagonist miteinander verbringen ist intensiv und emotional. Ivo ist zwar egozentrisch, aber auch sehr liebenswert. Er verrät Insiderwissen zum Fußball, was natürlich Fiktion, aber hoffentlich auch ein bisschen wahr ist. Seine derbe Art ist grundehrlich und aus Ethical Correctness macht sich Ivo rein gar nichts. Auch die restlichen Charaktere im Buch sind grundsolide beschrieben und das Beziehungsgeflecht ist schlüssig.

Sprachlich ist das Buch sehr derb und sexualisiert. Viele Schimpfworte und Respektlosigkeiten gehören ebenso dazu wie das Herziehen über andere Fußballer. Mir ist es mitunter zu viel geworden, auch wenn es Ivos ehrliche Meinung darstellen soll. Als Deutscher komme ich auch nicht gerade gut weg, aber das läuft unter gesunder Rivalität zwischen Piefkes und Ösis. Die österreichische Grammatik und einige unbekannte Worte wie "leiwand", "schiach" und "grindig" sind gewöhnungsbedürftig, machen aber nach kurzer Eingewöhnung den besonderen Flair aus. Dadurch konnte ich auch die ein oder andere Diskriminierung besser einordnen, als wenn das Buch im "faden" Hochdeutsch verfasst worden wäre.

Ein gelungenes Debüt mit spannenden Einblicken in das harte Business des Profifußballs (Sandro Wagner freut sich, das zu hören) mit seinem ganzen Sponsoring, Transfergeklüngel und Lästereien. Wo das Buch sicher recht hat, dass für viele Profifußballer der Fußball schon lange kein Hobby mehr ist. Für mich eine durchaus verständliche Nominierung auf der Longlist des Deutschen Buchpreises.

Das Buch ist im Kremayr und Scheriau Verlag erschienen (ISBN: 978-3-218-01190-7) und kostet 22,90€.

Autor:

Gustav Teschner aus Mönchberg

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