Der Einzelhandel unter Druck, neue Wege sind möglich: „Im Laufe der Zeil“- der Entertainte wird selbst zum Entertainer

"...ich mache mir die Welt, wie sie mir gefällt...?!"- bei diesem Bauprojekt könnte die geträumte Theorie in die Realität zum "Anfassen" übergehen: in der Real-Virtuality-Area könnte dies dank Hologrammen möglich gemacht werden...
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  • "...ich mache mir die Welt, wie sie mir gefällt...?!"- bei diesem Bauprojekt könnte die geträumte Theorie in die Realität zum "Anfassen" übergehen: in der Real-Virtuality-Area könnte dies dank Hologrammen möglich gemacht werden...
  • Foto: Zoe Feiler / Technische Universität Darmstadt
  • hochgeladen von Andrea Faggiano

Kleinstädte wie Obernburg leiden immer wieder unter dem Leerstand- bedingt durch das sich ändernde Konsumverhalten der Bevölkerung. Der Einzelhandel vor Ort steht enorm unter Druck und bemüht sich seit Jahren um Lösungen- teilweise mit Erfolg.

Großstädte wie das nahe gelegene Frankfurt können über die gleichen Probleme klagen, aber hier versucht man mit dem Stadtentwicklungsplan "Frankfurt 2030+"  tatsächliche neue Wege zu erkunden.

Denn, Anfang Juni 2020, wurde die Vermutung Realität, auch die Großen trifft es nun: Einige Karstadt-Warenhäuser werden deutschlandweit in naher Zukunft geschlossen.

Davon betroffen ist -laut Pressemitteilung des Konzerns- auch die Filiale auf der Zeil in Frankfurt.

Die Gründe sind vielfältig, aber dennoch nachvollziehbar: Zu wenig Umsatz, enorme Gebäudeunterhaltungskosten und der Online-Handel, welcher unter den COVID 19-Bedingungen erfolgreich ausgebaut wurde und dem Einzelhandel in den Innenstädten weitere, tiefe Einschnitte bescherte und beschert -dies mit steigender Tendenz.

Das Kaufverhalten ändert sich und mit ihm sollte sich die Einstellung zu neuen Konzepten zur weiteren Sicherstellung der Attraktivität der Innenstädte -aber auch der örtlichen Nahversorgung der Bevölkerung dienend- ändern.

Ein Spagat, zwischen alten Vorstellungen eines marktgerechten Konsumangebotes und neuen Ideen voller Faszination für soziale „Mischnutzungen“- die bisher in dieser Art nur bedingt zu finden sind.

Was stellt man nun mit diesem großen Areal -einem Filetstück in einer der teuersten Einkaufsmeilen im deutschsprachigen Raum- an?

Die Jugend ist an der Reihe, bekanntlich gehört ihr die Zukunft und diese kann so innovativ dargestellt werden, wie für sie aus ihrer Sicht dem Geist der Zeit entsprechend angemessen erscheint und wie ein Beispiel einer Architekturstudentin von der Technischen Universität Darmstadt – Zoe Feiler, 22 Jahre alt - im Rahmen ihres städtebaulichen Entwurfs zur Umnutzung des Geländes aufzeigt.

Zoe befindet sich im 2. Semester des Masterstudiums. Einer der Schwerpunkte ist der Städtebau, womit die junge, dynamische und passionierte Studentin sich beschäftigt.

Die Vorstellung, das bestehende Areal weiterhin so zu nutzen wie bisher, lässt sie kalt.

Vielmehr strebt sie in ihrem gesamten Konzept „Im Laufe der Zeil“ eine avantgardistische Zusammenkunft mehrerer Gesellschaftsschichten aus den verschiedensten Gründen an.

In einer fulminanten Darstellung am 29.07. wurden diese futuristischen Grundgedanken Dr. Marcus Gwechenberger, Referent des Dezernats Planung und Wohnen der Stadt Frankfurt, präsentiert -die Begeisterung hierfür lässt grüßen!

Die angehende Architektin betont darin die unbedingte Auseinandersetzung mit der zukünftigen Freiwilligkeit des Aufsuchens der Einzelhandelsgeschäfte (freiwillig, weil das Home-Office-Modell vermehrt in Anspruch genommen wird und dadurch der traditionelle "Weg in die Arbeit"- ob zu Fuß oder mobil- mehr oder weniger sich erübrigt/erübrigen wird), die im Einklang mit der noch aktuellen Notwendigkeit dessen–nach und nach obsolet werdend, wenn man den herkömmlichen Vorgehensweisen strikt folgt- gebracht werden muss.

Der Kunde, bisher passiver Entertainte -so Zoe wortwörtlich- muss in die aktive Rolle des Entertainers versetzt, in das Geschehen integriert, als Protagonist selbst angesprochen werden.

Städtebaulich betrachtet ist dies eine immense Herausforderung -nicht nur die Jugend verlangt nach neuen Parametern eines modernen Zusammenlebens und –wirkens, sondern die gesamte Gesellschaft ist beinahe süchtig danach. Zumeist allerdings orientierungslos, was die Umsetzung angeht.

Es ist also Zeit – die Studentin packt es in ihrem Vortrag gezielt an- für die Konkretisierung der Wünsche, Anliegen und natürlich der umsetzbaren Notwendigkeiten: Im sozialen Sinne- mit dem Freiraum für sich selbst in Verbindung mit den Bedürfnissen möglichst aller Mitmenschen; unter dem ökonomischen Aspekt – Nutzung von Synergie-Effekten (Stichworte Co-Working-Areas, Home-Office, Start-Ups, individuelle Läden und einzigartige Gastronomie); unter Berücksichtigung einer nachhaltigen, sinnvollen Ökologie durch die Nutzung der Dachflächen als grüne Oasen und mit der Umnutzung des bestehenden Parkhauses -von dem Sinnbild des Klimawandels hin zu einer Vertical-Farming-Nutzung, bei der im Erdgeschoss das frische Gemüse hieraus gar verkauft wird.

Der Plan geht weiter, die vorgelebte Offenheit des Ensembles spiegelt sich in der Erscheinung und Verwirklichung einer einzigartigen Rampe wieder – ein Weg zueinander als ständige, starre Verbindung zu den genannten, unterschiedlichen und dynamischen Sektoren.
Man kann sie fast als omnipräsente Handreichung verstehen.

Weitere Höhepunkte der Vision: Die Real-Virtuality-Area, welche durch Hologramm-Spiele zur Interaktion einlädt; das Pixel-Paradise und als ultimative Attraktion die Fassade in Face-Aided-Design, wo die schönen Erlebnisse des Tages und die persönlichen Meinungen jederzeit als Ablichtungen hierauf projiziert und für Jedermann sichtbar werden -eine neue Art von Social-Media, dreidimensional- mitten in der Stadt!

Von Anfang an bis zum Ende, der Herzschlag des Besuchers wird erfasst: Die öffentliche, begrünte Dachterrasse lädt ein zum Abschluss eines unvergesslichen Tages in der Großstadt -ob als Bewohner des Komplexes, als arbeitende Kraft vor Ort oder eben als Gast.

Ein Mitspracherecht bleibt der Bevölkerung Frankfurts keinesfalls verwehrt, im Gegenteil: Im Rahmen einer Veranstaltungsreihe wird diese gerne in die Diskussion eingebunden- die nächste Veranstaltung beispielsweise findet am Donnerstag, den 20. 08. 2020 im MainkaiCafe´ Frankfurt statt, unter dem Motto "Frankfurt machen- Innenstadt Frankfurt" und beinhaltet auch das Thema Karstadt-Areal an der Zeil...

Was können Kleinstädte- wie beispielsweise die altehrwürdige Römerstadt Obernburg- von der Großstadt also lernen?

Womöglich, dass man schleunigst zur ehrlichen Erkenntnis gelangen muss: das Altbewährte sei nicht für die Ewigkeit. Wenn man es früh genug auf den Prüfstand stellt -wie es in diesem Beispiel die Stadt Frankfurt in Kooperation mit Wissenschaftlern und mit der Bevölkerung tut -kann man sogar einen Gewinn daraus erzielen.

Hoffentlich begleitet vom Gedankengang, dass eine Gesellschaft, die von Anfang an der Zeit in Bewegung ist, sich rechtzeitig zu einer Erneuerung bekennt und neue Wege sucht, um die zukünftigen Herausforderungen mit möglichst allen Beteiligten anzupacken.

Für eine immer besser werdende Welt, die alle Formen des Zusammenlebens nicht nur toleriert- sie akzeptiert sie auch. In der Gewissheit, engagierte Menschen – wie die junge Studentin Zoe Feiler- können darin Gehör finden und setzen im ständigen Austausch in der Gesellschaft ihre innovativen Ideen um.

Neue Wege sind möglich, der Einzelhandel steht unter Druck. Auf ihn selbst kommt es jedoch an...

Autor:

Andrea Faggiano aus Obernburg am Main

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