Gedanken der Woche 3 im Molière-Jahr 2022
Die Inflation und das Glück, arm zu sein: Der Geizige 2.0

Die Preise steigen, das Geld verliert schnell an Wert. Doch waren die Lebensmitteln in Deutschland vielleicht nicht zu billig?
  • Die Preise steigen, das Geld verliert schnell an Wert. Doch waren die Lebensmitteln in Deutschland vielleicht nicht zu billig?
  • Foto: PIXABAY
  • hochgeladen von Andrea Faggiano

Ein ganz normaler Sonntag in Obernburg, es ist 8:00 Uhr morgens. Die altehrwürdige Römerstadt wacht langsam auf.
Kaum Menschen sind um diese Zeit unterwegs. Hier jemand, der mit dem Hund spazieren geht; da der nächste, der seine Frühstücksbrötchen vom Bäcker holt.
Nicht weit vom Sichtfeld: Ein Mülleimer, zentral gelegen am Prälat-Benkert-Platz.

Ein eigentlich gut gekleideter Mann, augenscheinlich Ende 50, greift hinein, wühlt darin und holt etwas Glänzendes heraus: Eine Pfandflasche.
Er packt sie in eine Aldi-Tasche und zieht weiter. Er dreht sich nicht einmal um.
Kaum 30 Minuten später wiederholt sich die Szene fast. Diesmal ist ein Herr auf einem Fahrrad unterwegs. Er ist geschickter, mit einer Taschenlampe inspiziert er den Mülleimer.
Da wurde gerufen: „Da war schon einer“. Der Mann erschrickt, fühlt sich ertappt und geschwind fährt er davon.
Paradox: Warum a) der Eine gut gekleidet auf „Flaschenangeln“ geht und b) der Andere, unterwegs auf einem Fahrrad, auf „Schatzsuche“ ist?

Eine von vielen Antworten könnte diese sein: Derzeit explodieren die Preise, alles wird teurer, die Inflation macht sich bemerkbar. Jeder Cent wird gebraucht, wenn man arm dran ist. Keine Frage, es ist die Realität, diese gilt nicht zu bestreiten.

Eine andere kann aber wiederum an das berühmte Stück „Der Geizige“ vom französischen Komödienschreiber Molière anknüpfen. Das Jahr 2022 steht im Zeichen des Autors, heuer feiert man seinen 400. Geburtstag.
Im besagten Stück ist der Protagonist, der geizige Harpagon, beinahe von seiner Geldkassette besessen. Sein Zwang zur Sparsamkeit mutiert schnell zum Geiz. Selbst bei der eigenen, anstehenden Hochzeit möchte er sparen.
Schnell wird für den reichen Harpagon klar: Er ist arm, er kann sich nichts mehr leisten.
Vermeintlich, denn die Parodie Molières ist nicht zu übersehen: Alles haben aber nichts besitzen …
Und so lebt er glücklich damit, unverheiratet und arm und alleine mit seinem großen Schatz auf der Welt zu sein.

Folge man dem Gedanken der künstlerischen Freiheit und gar dem Urgedanken des französischen Autors kann man für die dritte Woche dieses besonderen Jahres ein Gedicht entstehen lassen- viel Spaß bei der Lektüre…

„Der Geizige 2.0“

Die Preise, sie explodieren,
Teurer der Sprit, die Milch, das Brot.
Das Geld, kaum noch was wert – und die Nieren
verkaufend schon bald. Ich werde nicht rot.

Dass es aber schon lange die Preise zu billig!
Die Tiere, die leiden. Der Metzger, der Bauer!
Vergessen die Sache. Das Fleisch auf dem Tisch, wie willig
täglich wir sind. Und jammernd hinaus, was eine Trauer…

Trauer ist es nicht, eher Heuchelei,
zu billig war es, unser Frühstücksei!

Teutonen, vereint in der Sache – Der Markt muss belebt!
Die Schweizer, Franzosen und Dänen kamen hierher
das Günstige suchend, Anderes mitgebt
Ihnen nicht mehr als dies, sie freuten sich sehr.

Und der Geizige schreit: Mein Kaffee wird teurer! Was´sn mit dem Zucker?
Zwanzig Cent mehr kostet er nun.
Mit meinem Gehalt, kaum noch Butter
kann ich mir so leisten. Was soll ich nun tun?

Die Flaschen im Müll, der Geizige wünscht sich die alte Zeit zurück,
wo die Flaschen im Supermarkt gekauft werden wollten
für ein paar Cent. Was kann er denn dafür, für andrer Glück?
Mitleid haben, ja. Mit ihm aber die Geister sollten,
die er rief, sein weg fortan – Komplett und am Stück!

Autor:

Andrea Faggiano aus Obernburg am Main

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