Gedanken der Woche 18, im Dante-Jahr 2021
“Willst du ins Unendliche schreiten”: Von der großen Tugend, katholisch zu sein

Was tut eigentlich der Papst für die Aufklärung der Missbrauchsskandale? Eine satirische Darstellung auf dem Frankfurter Römerberg...
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  • Was tut eigentlich der Papst für die Aufklärung der Missbrauchsskandale? Eine satirische Darstellung auf dem Frankfurter Römerberg...
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Eine weitere Woche ist vergangen und eines der Themen, welche die Medienwelt behandelt hat, war der Umgang der katholischen Kirche mit einigen Umständen des Menschseins und mit dem fehlerhaften Verhalten einiger Ordensleute.

Insbesondere die schleppende Aufarbeitung der Missbrauchsskandale lässt die Menschen nicht kalt: Vermehrt treten GläubigerInnen aus der Institution aus, um Zeichen zu setzen und weil sie sich mit dem systematischen Wegschauen, Decken und Verharmlosen nicht identifizieren können.

Dann wäre auch noch der aktuell demütige Befehl aus Rom, wonach homosexuelle Paare und Liebende nicht gesegnet werden dürfen. Dabei weiht die Kirche seit eh und je Autos, Tiere, Gebäude und in Corona-Zeiten sogar medizinische Geräte ein. Aber zwei Menschen, die nicht anderes tun, als was die christliche Lehre selbst propagiert - nämlich einander lieben- möchte der Vatikan nicht gutheißen?

Eine kontroverse Sicht der Dinge!

Das Motto des diesjährigen Ökumenischen Kirchentags, welcher heute, am 16.05.2021 in Frankfurt/Main zu Ende geht, lautete: Schaut hin. Ein gut gewähltes Leitmotiv, allerdings ist es auch eine Ohrfeige für die Jenigen, die seit Jahren, Jahrzehnten und Jahrhunderten auf Missstände hinweisen, die gerade in der katholischen Kirche passieren. Und nun sollen die gleichen, geohrfeigten Menschen dahin schauen- nur, wohin? Und wonach sollen sie suchen? Nach Antworten? Nach Schuldbekenntnissen? Nach Gerechtigkeit?

Sicher nicht...

Und so muss die Institution sich Einiges an Kritik gefallen lassen: Am Römerberg, unweit vom Dom, wo einst die Deutschen Kaiser im Namen des Glaubens und des Allmächtigsten gekrönt wurden, präsentierten KritikerInnen die heutigen “Berührungspunkte” aus einer gemeinsamen Geschichte, die gemeiner nicht sein kann.

War Martin Luther tatsächlich ein Antisemit? Die Chroniken und seine Schriftstücke bejahen dies, zweifellos. Dennoch: Hat Martin Luther, im Angesicht seiner “Befreiungstaten” als Startschuss der späteren Aufklärung, mehr Gnade verdient, als ein Galileo Galilei, welchem die Kirche die Augenlider abschneiden ließ- weil er seine These nicht zurücknehmen wollte, wonach die Erde sich dreht?

Und warum wird die Kirche ein für allemal nicht entschädigt? Liegt es vielleicht daran, dass sie ohne Staat gar nicht überleben könnte, weil der christliche Glaube im Staat selbst verankert bleiben muss, damit seine Identität im ewigen Kampf gegen die anderen Religionen nicht verloren gehen darf- und sie hätte sich somit sonst selbst erledigt?

„Willst du ins Unendliche schreiten, geh nur im Endlichen nach allen Seiten“: Der Dichterfürst Goethe schrieb so einst in seiner Poesie “Gott, Gemüt und Welt”. Und so scheint es auch für die Kirche zu gelten: Nach alles Seiten gehen, im Endlichen, um unendlich zu bleiben...

Und wie ist Ihre Meinung dazu: Sollte alles so bleiben, wie es ist, oder hat die Menschheit nicht das verdient, was die Kirche von Beginn an predigt: Nächstenliebe?

Im geflügelten Worte darf man sich im Dante-Jahr 2021 die künstlerische Freiheit nehmen, dem aktuellen Geschehen ein paar Reime zu widmen – bleiben Sie bei der Lektüre behütet!

“Willst du ins Unendliche schreiten,
Geh nur im Endlichen nach allen Seiten.”
So schrieb er einst, wohlwissend der Johann Wolfgang,
Dass seine Worte für die Ewigkeit gelten, für alle Menschen, stets im Einklang.

Und so dichtete er weiter, der große Goethe, die Sätze von Dauer
Immer auf der Suche, er immer auf der Lauer
“Willst du dich am Ganzen erquicken,
So mußt du das Ganze im Kleinsten erblicken.”

Wie Recht er hatte, im Angesicht des Kleinsten und dessen,
Dass die Kirche lehrt und dennoch unbelehrbar bleibt!
Von Recht und Sinn, wollte sie uns erzählen- und vergessen
Sollen wir das, was man Gerechtigkeit nennt und wie sie uns treibt

Dass die Missbrauchsskandale, Gott segne uns alle, uns treiben,
Wie die Kinder leiden und weinen, wie sie heranwachsen
Wie das Schwert über sie schwebt, wir über ihr Schicksal schreiben
Die Schmerzensgelder, das Schweigegeld lässt knacksen...

Oder dass Homo-Paare anders es verdienen, weil sie anders sind
Anders als die Kuh, die Katze und anders als der Hund
Gott segne mein Auto, mein Haus, meinen Hof! So gläubig und blind!
Dass ich nichts mehr sehe- für Schwulen und Lesben halte ich gerne meinen Mund!

Dann wären noch der Luther, die Kirchensteuer und die verfolgten Juden
Aber was erzähle ich euch da, ich bin schließlich ein Katholik und also ein Guter!
Es ist und bleibt eine große Tugend- steht das noch nicht im Duden?
Dass ich, der Christ, in den Himmel komm´- hört mir also auf mit dem Luther!!!

Autor:

Andrea Faggiano aus Obernburg am Main

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