Die Obernburger Funde in der Quadratur des Kreises: Die Wendung

Die römische Wölfin wacht stets über Obernburg - wie hier im Rosengarten der Kochsmühle. Den alten Römern haben die Obernburger ein großes historische Erbe zu verdanken, die Verantwortung aber auch.
  • Die römische Wölfin wacht stets über Obernburg - wie hier im Rosengarten der Kochsmühle. Den alten Römern haben die Obernburger ein großes historische Erbe zu verdanken, die Verantwortung aber auch.
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Nicht jeder kann das Herz gut auf der Zunge tragen und Worte können- wie einst Jean-Paul Sartre schrieb- darum geladene Pistolen sein.

Die verbale Handgranate, die vom Obernburger Beobachter Herrn B. im Rahmen des öffentlichen Teils der Stadtratssitzung vom 30.07.2020 gezündet wurde, galt vollumfänglich dem ersten Bürgermeister Dietmar Fieger.

Hr. B. attackierte das Stadtoberhaupt und konfrontierte ihn penetrant mit den Fragen: wie, wann, wo, von wem und warum altertümliche Funde auf einem städtischen Gebiet verscharrt wurden.
Dabei wurde Hr. B. für seine Handlung juristisch moniert: Er hätte ein Grundstück betreten, dies sei allerdings -mit den entsprechenden Hinweisschildern und gar einer Schranke ausgestattet- strengstens verboten.
Ernst zu nehmende Antworten auf die gestellten Fragen gingen im Disput teilweise unter, man ließ also nicht nach: „Da muss doch was Faules dran sein“- denn wer Gedanken, Erklärungen, Informationen ganz oder teilweise zurückhält schafft eher Distanz und Misstrauen als Nähe und Verständnis- umso mehr wenn dies absichtlich geschieht.

Dieser Eindruck entstand und die abwürgende Vorgehensweise des Stadtoberhauptes signalisierte- wenn vielleicht auch nicht mal mit der Intention versehen: Das Anliegen ist nicht wichtig genug, um es öffentlich behandeln zu müssen.

Bei diesem Fall wurde dies sogar so missverstanden, da die Diskussion sehr persönlich ausgetragen wurde: Die Person (und der Bürger) Herr B., ist nicht wichtig.
Ein Fehler, den eine Demokratie nicht zulassen darf- insbesondere in der heutigen Zeit, in der PolitikerInnen gerade wegen mangelnder Bürgernähe öfters hierfür kritisiert werden.

Abseits der Gefühlswelt und der Spekulationen muss eine sachliche Diskussion jederzeit möglich sein.
Am Ende geht es ja nicht um den Einzelnen- ob Bürgermeister oder Bürger- sondern um das Ganze: Die gute Reputation der Stadt Obernburg stand auf dem Spiel, das historische Erbe darf nicht diskreditiert werden!

Rational denkende Menschen hatten spätestens jetzt die Wichtigkeit des „altrömischen“ Anliegens verstanden.
Verum ipsum factum: Das Zitat vom Vater der modernen, italienischen Rechtswissenschaften, Giambattista Vico, hilft immer wieder- der Bürgermeister Dietmar Fieger, versierter Jurist, lud den Verfasser dieses Artikels dazu ein, sich ein Bild über die Wahrheit in den Fakten zu machen.

In einem persönlichen Gespräch, an dem auch der Kreisheimatpfleger und Leiter des Obernburger Römermuseums Eric Erfurth teilnahm, erfolgte ein konstruktiver und vor allem transparenter Austausch über die Sachlage.

Erfurth, profunder Kenner der lokalen Historie, sorgte für eine Erklärung über den Umständen in der Vorgehensweise im Umgang mit den Kenntnissen, die Herr B. am 30.07.2020 öffentlich preisgab.

Bürgermeister Fieger schilderte die im Vorfeld erfolgte Kommunikation zwischen ihm und Herrn B. und untermauerte seine Aussagen anhand der schriftlichen Nachweise, die er zur Durchsicht bereitstellte.
Der Kreis schließt sich, denn infolge der Erläuterungen durch den Kreisheimatpfleger und dank der Transparenz, durch das Stadtoberhaupt gerne an den Tag gelegt, ist die Quadratur des Kreises tatsächlich nun perfekt.

Ja, es stimmt, die Funde wurden durch Unbekannten auf dem besagten Grundstück irgendwann womöglich verscharrt, aber der Vorwurf, die Stadt würde da Nichts unternehmen, der wurde vehement von der Hand gewiesen.
Es ist vielmehr eine Herkulesaufgabe, sowohl die und andere Funde auf ihre Herkunft hin zu prüfen, als auch die gesamte Sachlage fachmännisch und geschichtlich einzuordnen.

Das örtliche UNESCO-Welterbe sei mehr als „Etwas irgendwo zu finden“, so Erfurth: In Obernburg, „Pompeji am Main“, gibt es schließlich immer was zu entdecken- sobald man unterhalb der städtischen oder natürlichen Deckschicht aktiv wird.
Die Verantwortung ist riesig, moderne Raubgräber seien stets auf der Suche nach Funden- vor allem in Bayern, im einzigen Bundesland, in dem den Findern einen Finderlohn zusteht.

Der geschilderte Umstand, durchaus positiv zu bewerten, führt aber gerade in die negative Gegenrichtung.
Der Leiter des Obernburger Römermuseums äußerte seinen größten Unmut über diese Fakten: Es seien vorwiegend Laien, die sich auf dem Weg hierher machen- dies nicht aus geschichtlichem Interesse, sondern weil es eben einen Finderlohn gibt.

Diese Laien zerstören unwiderruflich dann die Urzustände der Auffindungsorte. Eine historische Forschung ist für die Experten dann schwierig und teilweise auch unmöglich!

Herr B. tat Gutes, dies steht gewiss außer Frage und Bürgermeister Fieger betonte dies ausdrücklich mehrfach- gar im Rahmen des Schlusswortes zum Termin an diesem heißen 6. August.

Für das gezeigte Interesse von Herrn B. haben alle drei Beteiligten Verständnis- es kommt aber immer auf die Wendung an, in diesem Fall nimmt die Geschichte entgegen der Annahmen vom Herrn B. einen positiven Verlauf an: über die Funde wird nun professionell recherchiert, die Ergebnisse werden im Rahmen eines abgeschlossenen Vorgangs- Erfurth erinnerte dabei zusätzlich ergänzend an den Ausstellungen der letzten Jahren- der breiten Öffentlichkeit vorgestellt.

Die Bodendenkmäler sind also in guten Händen- gut so, Obernburg hat es mehr als verdient!

Autor:

Andrea Faggiano aus Obernburg am Main

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