Algenplage durch Missmanagement
Der Fürstliche Seegarten verschmutzt die Mud

Die romantische Idylle des Amorbacher Seegartens wird durch eine permanente Algeblüte getrübt.
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Grüngelb und übelriechend ergießt sich der Ausfluss des Fürstlichen Seegartens in die Mud (zwischen Jollehalle und Amorbacher Bauhof im Ehrlein). Die stinkende trübe Brühe stammt aus dem Teich im Seegarten der acht und manchmal auch mehr Monate im Jahr schmutzig grün gefärbt oder von einer Algenschicht bedeckt ist.
Mittlerweile verlassen die Besucher den Park angewidert, weil die eklige Brühe nicht nur ein unschöner Anblick ist sondern auch die Geruchsnerven strapaziert.
Seit mehreren Jahren schon kippt der Teich nicht nur im Hochsommer sondern auch schon im zeitigen Frühling und noch einmal im sonnigen Herbst. Dann bedeckt die Wasseroberfläche eine blubbernde schleimige Algenschicht, die sogenannte Algenblüte. In der Fachsprache wird dieser Zustand Eutrophierung* genannt.

Entenbrot ist der Enten Tod

Für zwei Wochen im Jahr mag das zur Natur eines stehenden Gewässers gehören und tolerierbar sein, aber im Seegarten ist dieser Zustand persistierend. Schuld daran trägt das Wasser aus der Mud, das über einen Mühlgraben in den Seegarten gelangt. Es enthält viel zu viel Phosphate (erkennbar an dem übermäßigen Bewuchs der Steine auf dem Grund der Mud durch Braunalgen), die aus den überdüngten, geodelten Feldern oberhalb von Kirchzell und Mudau stammen sowie auch aus deren Kläranlagen. Aber auch nachlässiges Pflegemanagement der Ufervegetation im Seegarten trägt Mitschuld. Es gibt nur eine sehr kleine Schilfzone, die keinesfalls zu einer wirksamen Phosphat- und Stickstoffeliminierung beiträgt und auch nicht dementsprechend genutzt wird.

Eine weitere erhebliche Quelle der Gewässerverunreinigung im Seegarten sind die Wasservögel. Oft mehr als 150 Enten, Graugänse, Nilgänse und Schwäne versammeln sich zu einem feuchtfröhlichen Stelldichein auf dem Teich im Seegarten. Sie alle profitieren von der illegalen Entsorgung von Biomüll in Form von trockenen und oft auch schimmeligen Brotresten. Damit nicht genug: Entenbrot kann in der Bäckerei nebenan und sogar im Kiosk im Seegarten gekauft werden! Ein todbringendes Geschäft! Die Amorbacher Entenfütterer sind leider für alle gutmeinenden Belehrungen unerreichbar, obwohl allgemein bekannt ist, dass Entenbrot für Enten tödlich ist und auch für das Gewässer den Tod bedeutet. Anscheinend sind sie auch blind, denn sie werfen das Entenbrot sogar in den Algenteppich.
Die mit Entenbrot gefütterten gefiederten Wassertiere inklusive der Reiher und Kormorane scheißen nämlich allesamt in den Teich, was zu einer zusätzlichen extraordinären Düngung führt. Die Algen bedanken sich durch extremes Wachstum. Brot enthält viel Stickstoff, aber auch Phosphate. Brot wird aus Getreide gebacken und das Getreide stammt auch von eben jenen Feldern die von den Bauern mit Odel (zu) oder Mineraldünger reichlich düngt werden.
Das Verhängnisvolle am Vorhandensein der Phosphate ist, dass sie ohne Entzug durch Vegetation oder Zugabe von Sauerstoff nicht abgebaut werden können und so dem Teich ewig erhalten bleiben. Daraus resultiert bei Sonnenschein das immer wiederkehrende explosive Wachstum der Algen. Es wird zeitweise unterbrochen, wenn durch den dichten Algenteppich auf der Oberfläche kein Licht mehr ins Wasser dringen kann. Dann sinkt nicht nur der Sauerstoffgehalt drastisch sondern sinken auch die Algenreste auf den Boden und mit ihnen das Phosphat. Wird die Oberfläche wieder lichtdurchlässig, beispielsweise im Winter, bilden sich auf dem nicht verwesenden Morast wieder neue Algen die im Frühling aufsteigen und mit dem Phosphat zu neuer Blüte gelangen – und so geht es fast über das ganze Jahr weiter, ein immerwährender Prozess.

Kein Zustand sondern ein immerwährender Prozess

Abhilfe könnte mit einer großen Schilfzone und Wasserpflanzen wie See- oder Teichrosen erzielt werden, die regelmäßig geschnitten bzw. abgefischt und entfernt werden. Damit würden dem Wasser Stickstoff und Phosphate entzogen. Ratsam ist auch das konsequente Entfernen der organischen Einträge wie Holz, Zweige und Laub.  Effektiver ginge es durch einen kontrollierten Einsatz von Sauerstoffbildnern wie Wasserstoffperoxid, das in Kartuschen im Schlamm deponiert werden kann und dort die stinkenden Ablagerungen um bis zu 90 Prozent verringern kann.
Das Argument, dass der Seegarten als Englischer Garten der Natur überlassen werden soll, ist widerlegbar. Der Park soll so aussehen wie Natur und damit das   so ist und bleibt benötigt er selbstverständlich Pflege.
Wird der Eutrophierung nicht Einhalt geboten, ist der Tod des Seegartenteichs vorprogrammiert. Das Gewässer verschlammt und wird irgendwann verlanden. Anzeichen dafür sind bereits im südöstlichen Bereich deutlich sichtbar.
Wären die fürstlichen Eigentümer konsequent, müssten nicht die Hunde sondern die entenfütternden Besucher draußen bleiben.

*Eutrophierung ist ein Prozess der Anreicherung von Nährstoffen, besonders von Stickstoff- und Phosphorkomponenten , die vor allem aus der Düngung landwirtschaftlicher Flächen sowie von kommunalen und industriellen Abwässern stammen. Ebenso spielen Stickstoffeinträge über die Atmosphäre eine Rolle. Unerwünschte Folgen von Eutrophierung sind schädliche Massenblüten von Mikroalgen, die Sauerstoffdefizite in allen Wasserschichten, vor allem nahe dem Gewässergrund … verursachen.

Autor:

Wolfgang Thielke aus Amorbach

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