Arm trotz Arbeit
1300 Menschen verdienen so wenig, dass sie mit Hartz 4 aufstocken müssen

In der Stadt und im Landkreis Aschaffenburg mussten im Dezember 2019 zum Stichtag 1.063 Personen trotz einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung zusätzlich aufstockende Leistungen vom Jobcenter in Anspruch nehmen, um über die Runden zu kommen – weil ihr Einkommen fürs Leben nicht ausreichte. Im Landkreis Miltenberg waren es 261. Das geht aus einer DGB-Auswertung der Statistik der Bundesagentur für Arbeit hervor.
Jeder Vierte in Aschaffenburg und jeder Fünfte in Miltenberg, der zusätzliche Leistungen erhielt, hatte sogar einen Vollzeitjob. „Vollzeit zu arbeiten und trotzdem zum Amt zu müssen, ist für viele Beschäftigte entwürdigend“, erklärt Frank Firsching, Regionsgeschäftsführer des DGB in Unterfranken. Der Staat wird dabei als Lückenbüßer für niedrige Löhne missbraucht“, so Firsching weiter.
Zunehmend gehen Arbeitgeber dazu über, Arbeitsplätze nur noch in Form von atypischer Beschäftigung anzubieten, also zum Beispiel in Teilzeit, Minijobs oder Leiharbeit. Dies erhöht für die Arbeitgeber die betriebliche Flexibilität, führt aber dazu, dass noch mehr Beschäftigte nicht von ihrem Einkommen leben können und zu einem Anstieg derer, die auf Grund des Teilzeitjobs Hilfe durch das Jobcenter beantragen mussten. 651 Beschäftigte in Teilzeitjobs in Aschaffenburg Stadt und Land bzw. 169 im Landkreis Miltenberg waren am Ende des vergangenen Jahres davon betroffen. „Vor allem bei unfreiwilliger Teilzeit ist das für die Betroffenen bitter, sie wollen mehr arbeiten, dürfen aber nicht. Dieser Trend muss gestoppt werden“, sagt Firsching.
Besonders hoch ist die Aufstockungsquote auch bei Minijobs als Hauptbeschäftigung. Es ist inzwischen nachgewiesen, dass Minijobs nicht geeignet sind als Brücke in existenzsichernde Vollzeitbeschäftigung. Sie bieten viele Fehlanreize, die verhindern, dass Betroffene dauerhaft aus dem Hartz-IV-System herauskommen. 502 Minijobber* innen in Aschaffenburg und 151 im Landkreis Miltenberg mussten aufstockende Leistungen in Anspruch nehmen. „Das überholte Minijobmodell muss deswegen beendet werden. Spätestens in der nächsten Legislaturperiode muss dies auf die Agenda der Bundesregierung“, erklärt Björn Wortmann, Vorsitzender des DGB Kreisverbands Aschaffenburg-Miltenberg.
Der DGB fordert deshalb: „Wer arbeitet, der soll auch sich und seine Familie davon versorgen können, und zwar jetzt und auch im Alter. Die Bundesregierung muss jetzt alles dafür tun, den Niedriglohnsumpf trocken zu legen. Das heißt, der Mindestlohn muss endlich rauf auf 12 Euro“, so Björn Wortmann.

Autor:

Björn Wortmann aus Aschaffenburg

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