BAU-Tarifrunde 2021 – Stand der Tarifverhandlungen – Demos, Aktionstage und Bewegungen
Wegezeitentschädigung, höhere Löhne und was vom Leben übrig bleibt: Bauleut´, wohin des Weges?

In Corona-Zeiten wurde es deutlich: Kein Lockdown, zu keiner Zeit, für die Bauwirtschaft. Weil...systemrelevant!
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  • In Corona-Zeiten wurde es deutlich: Kein Lockdown, zu keiner Zeit, für die Bauwirtschaft. Weil...systemrelevant!
  • Foto: Andrea Faggiano, IG BAU
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Die Tarifverhandlungen im Bauhauptgewerbe schreiten endlich voran.
Nach dem holprigen Start Mitte des Jahres konnten die beiden Tarifvertragsparteien das Szenario vorskizzieren, zu dem die Verhandlungen hinführen sollte: zu einer deutlichen Verbesserung des Angebotes der Arbeitgeberverbände!

Die IG Bau als höchste Vertreterin der ArbeitnehmerInnen machte und macht deutlich, was die Baubeschäftigten in diesem Jahr erwarten:
1) Eine spürbare Einkommenserhöhung, wünschenswert in Höhe von mindestens 5,3 %
2) Eine angemessene Entschädigung der Wegezeiten
3) Die längst überfällige Ostlöhne -Angleichung an das West-Niveau

Deswegen kämpfen die Bauleute: Trotz Corona stand und steht keine Baustelle still. Allein das Jahr 2019 war das beste Jahr seit dem Zweiten Weltkrieg und selbst das Corona-Jahr 2020 war das Beste seit der Wiedervereinigung!

Und momentan?
Die Auftragsbücher sind weiterhin voll und die womöglich im September bald anstehende politische Veränderung im Lande lässt die Erwartung im Bausektor aufleben, dass der deutsche Sozialstaat seiner primären Pflicht nachkommen wird: Endlich mehr für den Sozialwohnungsbau tun!

Hintergründe der Forderung „Wegezeitentschädigung“ und Vorschläge

Ein Knackpunkt der Tarifverhandlungen ist eine angemessene Wegezeitentschädigung.
Dabei muss man auf folgende Besonderheit hinweisen, um die Forderung zu verstehen:
Während die Arbeitsstelle in den üblichen Berufen  vom Arbeitnehmenden gewählt werden kann – ergo, diese steht von Beginn an fest, ist den Beschäftigten auf den Baustellen dies nicht möglich.
Der Arbeitgeber alleine bestimmt den jeweiligen Einsatzort - deutschlandweit!
Die entsprechenden Regelungen zur Vergütung finden sich zwar im Tarifvertrag wieder, allerdings gelten diese lediglich für den Fahrer und teilweise für die anderen, wenn sie auf Montage sind.
Die übrigen MitarbeiterInnen fahren zwar in der gleichen Zeit mit dem Fahrer mit, eine Vergütung hierfür erhalten sie jedoch nicht.

Der Präsident des Bundessozialgerichtes Prof. Dr. Rainer Schlegel erkannte - in seiner Funktion als Schlichter im letzten Jahr - diese Ungerechtigkeit und sprach den Schlichterspruch aus, wonach 0,5% des Stundenlohnes als Wegezeitentschädigung als Einstieg für spätere Verhandlungen festgeschrieben wurden.
Als Moderator der jetzigen Spitzengespräche hat er einen Vorschlag unterbreitet, der sicherlich interessant ist: Mit einer Staffelung nach Kilometer ab Firmensitz bis zur Baustelle wurden steuerfreie Beträge vorgestellt, die einer Diskussion zwischen den Beteiligten würdig ist.

Nichts fällt vom Himmel: Demos, Aktionstage und Bewegungen

Trotz der - vergleichsweise mit anderen Branchen - recht entspannten Lage im Bauwesen und den vollen Auftragsbücher liegt ein Angebot der Arbeitgeberverbände weiterhin nicht vor.
Unabdingbar also, dass auch die Baubeschäftigten aus dem Bezirksverband Würzburg-Mainfranken Gesicht zeigen: bei der ersten fränkischen Tarifdemo in Coburg (Oberfranken) am 21.06.2021 und bei der zweiten in Feuchtwangen (Mittelfranken) am 07.08.2021 zogen sie durch die Innenstädte und machten auf ihre Forderungen aufmerksam.

Weitere Aktionstage sind geplant, diese werden unter IG-BAU WEBSEITE  immer aktuell bekannt gegeben.

Aus dem Landkreis Miltenberg auch dabei

Auch aus dem Landkreis Miltenberg machten sich einige BauarbeiterInnen auf dem Weg und - beispielsweise aus der Sulzbacher Bauunternehmung Trautmann drei Betriebsräte und ein weiterer Mitarbeiter- sie nahmen an der Demo in Coburg teil.

Andrea Faggiano, Betriebsratsvorsitzender der besagten Baufirma und Mitglied der Bundestarifkommission für das Bauhauptgewerbe sowie die anderen Teilnehmenden sind froh darum, dass in der eigenen Firma der Tarifvertrag einen hohen Stellenwert hat.
Hier werden ausschließlich Tariflöhne bezahlt und ein ergänzendes Tariftreue-Merkmal des Unternehmens ist die langjährige Mitgliedschaft in der zuständigen Bauinnung Würzburg-Mainfranken.
Und sollten Sie irgendwann auch bauen wollen: Achten Sie unbedingt darauf, eine Liste der Mitgliedsbetriebe finden Sie unter LBB-Mitgliedersuche.

Dennoch geht es bei den Tarifverhandlungen nicht um sich selbst: Es geht beispielsweise um die immer noch nicht erfolgte Angleichung der Ostlöhne an das Westniveau – 30 Jahre nach der Wiedervereinigung!

Es geht darum, dass Tarifleistungen nicht nach „Gutsherrenart“ verteilt werden, sondern dass jeder Baubeschäftigte kraft erfolgreich abgeschlossener Ausbildung automatisch den Anspruch erwirbt, seiner Qualifikation nach angemessen bezahlt zu werden.
Und es geht schließlich darum, dass die Bauberufe attraktiver werden: Die Wegezeitentschädigung ist ein Schritt in die richtige Richtung.
Ergänzend wird man sich bald aber auch noch über alternative Arbeitszeitmodelle und Flexibilisierung der Arbeitswelt unterhalten müssen.

Das Bauhandwerk wird in der Gesellschaft immerhin  für sein Schaffen von tollen Bauwerken geachtet und geschätzt.
Das Gleiche muss für die Jenigen gelten, die diese Bauwerke bauen!

Autor:

Andrea Faggiano aus Obernburg am Main

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