Warnung vor Abbau von Arbeitsstandards
Handwerk braucht attraktive Arbeitsbedingungen, nicht Kürzungen
- Weiter fleißig Brötchen backen auf Kosten der Arbeitnehmerrechte? Die 53 VizepräsidentInnen der Handwerkskammern sagen: Nein!
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Berlin, 8. April 2025 – Angesichts der laufenden Koalitionsverhandlungen auf Bundesebene haben die 53 Arbeitnehmervizepräsidentinnen und -präsidenten der Handwerkskammern ihre Besorgnis über die aktuellen politischen Diskussionen und die Äußerungen des Präsidenten des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH) zum Ausdruck gebracht. In einer gemeinsamen Erklärung kritisieren sie die unzureichenden Signale der Branche und betonen die Notwendigkeit, das Handwerk zukunftsfähig zu gestalten.
„Deutschland befindet sich in unruhigen Zeiten“, heißt es in der Erklärung. Wirtschaft und Gesellschaft seien im Wandel, und dieser Prozess stelle vor allem das Handwerk vor enorme Herausforderungen.
Im Zentrum des Wandels steht der demografische Wandel, der auch im Handwerk nicht spurlos vorübergeht. Der Fachkräftemangel im Handwerk hat bereits dramatische Ausmaße angenommen – Schätzungen zufolge fehlen bis zu 250.000 Fachkräfte. Umso mehr, so die Vizepräsidenten, seien eine stabile und verlässliche Rahmenpolitik sowie eine moderne Infrastruktur erforderlich, um das Handwerk als tragende Säule der deutschen Wirtschaft zu sichern.
Besonders kritisch äußern sich die Arbeitnehmervizepräsidenten über die jüngsten Forderungen aus der Handwerksbranche, die zu einer Absenkung von Arbeitszeit- und Arbeitsschutzstandards sowie einer Reduzierung der Rentenleistungen führen könnten. Sie stellen klar, dass solche Vorschläge kontraproduktiv seien, wenn es darum gehe, das Handwerk langfristig zu stärken.
In ihrer Stellungnahme fordern sie stattdessen die Schaffung attraktiver Arbeitsbedingungen und Entwicklungsperspektiven für die Beschäftigten, um die Zukunft des Handwerks zu sichern.
„Wir müssen das Handwerk als Arbeitgebermarke stärken. Anstatt die Standards zu senken, brauchen wir mehr Innovation und eine langfristige Perspektive“, erklärt Joachim Noll, der Arbeitnehmer-Vizepräsident des Deutschen Handwerkskammertages (DHKT). Er unterstreicht, dass die Bemühungen des DHKT, die Arbeitswelt im Handwerk durch eine Imagekampagne attraktiver zu gestalten, durch solche negativen öffentliche Äußerungen konterkariert werden. Es brauche jetzt gezielte politische Maßnahmen, die die Rahmenbedingungen für eine nachhaltige Entwicklung der Branche verbessern.
Die Handwerkskammern sehen dabei vor allem die Bundesregierung in der Verantwortung, die dringend notwendigen Zukunftsthemen anzugehen. Die Herausforderungen, die durch die Energiewende, die fortschreitende Digitalisierung und die Notwendigkeit eines nachhaltigen Wirtschaftens entstehen, erforderten eine vorausschauende Politik. Hinzu komme die Notwendigkeit, die Ausbildungsmöglichkeiten zu verbessern und die Mitbestimmung sowie die Tarifbindung zu stärken.
Der klare Appell der Arbeitnehmervizepräsidenten: „Wir brauchen einen starken und handlungsfähigen Staat, der den Rahmen setzt, um das Handwerk für die Zukunft zu rüsten“, so Kathrin Zellner, Mitglied des Ausschusses für Gewerbeförderung des DHKT. Die Förderung des handwerklichen Unternehmertums und die Sicherung der Mitbestimmung in der Handwerkskammer-Selbstverwaltung seien unverzichtbare Bausteine einer zukunftsorientierten Politik.
Neben der politischen Dimension zeigt die Erklärung auch die Notwendigkeit einer verstärkten sozialen Partnerschaft. Diese müsse nicht nur innerhalb der Kammern, sondern auch auf politischer Ebene verstärkt werden. In diesem Zusammenhang betonen die Vizepräsidenten, dass der sozialpartnerschaftliche Zukunftsdialog für das Handwerk weitergeführt werden müsse, um konkrete Forderungen zu entwickeln und die Belange der Branche auf allen Ebenen nachhaltig zu vertreten.
Mit rund 5,6 Millionen Beschäftigten und 360.000 Auszubildenden in etwa einer Million Handwerksbetrieben ist das Handwerk ein zentraler Wirtschaftszweig in Deutschland. Die Arbeitnehmervizepräsidenten der Handwerkskammern vertreten in diesem Kontext die Interessen der Beschäftigten und Auszubildenden auf den verschiedenen politischen und wirtschaftlichen Ebenen.
Zusammenfassend fordert die Erklärung der Arbeitnehmervizepräsidenten ein politisches Handeln, das die Rahmenbedingungen für das Handwerk langfristig sichert, ohne dabei die Arbeitsbedingungen und die Rechte der Beschäftigten zu gefährden. Es sei höchste Zeit, den Handwerkssektor durch eine zukunftsfähige und sozial ausgewogene Politik zu stärken.
Die gemeinsame Erklärung der 53 ArbeitnehmervizepräsidentInnen können Sie unter www.vizepräsidenten.de abrufen.
Autor:Andrea Faggiano aus Obernburg am Main |
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