Und Miltenberg? Und Elsenfeld?
Eschau und Hobbach stimmen gegen den Wald
- hochgeladen von Christian, Dr. Blaufelder
Mit 8:7 Stimmen haben die Gemeinderatsmitglieder von Eschau-Hobbach gegen ein Windrad auf der Gemarkung Hobbach gestimmt. Die Freude über den Abstimmungssieg ist groß gewesen, hat man doch dafür gesorgt, dass sich nichts ändert ... für die Menschen. Denn darum geht es den allermeisten: es muss alles so bleiben wie es ist.
Der Verlierer ist der Wald.
2 Dinge sind gewiss:
- der Strombedarf wächst, immer mehr nutzen die kostengünstigeren Technologien zum Fahren und Beheizen, also E-Autos und Wärmepumpe, hinzu kommt die immer häufigere Nutzung von KI; dafür wird Strom benötigt, der Bedarf steigt.
- der Wald stirbt, still und leise, große Teile des Waldes. Auch der Spessart ist in weiten Bereichen geschädigt. Die Buchen werden dieses Jahrhundert wahrscheinlich nicht überleben, die Eichen folgen auf dem Fuß. Vor Stress und im Todeskampf haben die Bäume viel früher als normal Blätter und Früchte abgeworfen, um sich vielleicht noch vermehren zu können, das ist überall zu sehen.
Was die Ursachen für das Sterben von Bäumen bis hin zu ganzen Wäldern sind? Das kann jeder sehr schnell feststellen, einfach das Internet befragen und eingeben "was sind die häufigsten Ursachen für Waldsterben in Deutschland". Bei den Antworten geht es um den von uns gemachten Klimawandel (Verbrennen von Öl, Gas und Kohle), häufigere Perioden mit zunehmender Hitze und Trockenheit, die Widerstandsfähigkeit wird geringer, die Bäume anfälliger gegen Schädlinge.
Würden sich die Eschauer und Hobbacher wirklich um ihren Wald sorgen, würden intensiv Maßnahmen diskutiert, wie es möglichst schnell gelingen kann, klimaneutralen Strom zu erzeugen. Die Windkraft ist eine der Möglichkeiten, die kurzfristig zur Verfügung steht.
Das aber interessiert die Bürgerschaft nicht. Es geht letztendlich nur um den eigenen gewohnten Ausblick und dass sich nichts ändert.
Schnell ist eine Geschichte konstruiert und durch Flugblätter oder Veranstaltungen in die Haushalte getragen, diese Geschicht geht in etwa so: profitgierige Firmen und/oder Gemeinderäte bauen Industrieanlagen in unseren Wald, wodurch das Trinkwasser vergiftet wird, die Menschen werden krank und die Heimat wird zerstört, und wir, die einzigen und wahren Patrioten müssen deshalb unsere Heimat schützen.
Das in der Gemeinde verteilte Flugblatt ist gespickt mit falschen Daten. Was sind die Bürgerimnnen und Bürger dieser Bürgerinitiative wert, wenn gezielt und bewusst falsche Daten verbreitet werden? 11 m breite Schneisen werden genannt, korrekt sind maximal 5 m. Quellen versiegen angeblich, als hätten Windräder irgendetwas mit Quellen zu tun. Trinkwasser wird durch PFAS vergiftet, wofür es nicht den geringsten Beleg gibt. Wer sich um PFAS Gedanken macht (die hoffentlich bald durch weniger bedenkliche Alternativen ersetzt werden), der sollte über seine Outdoor-Kleidung andere Textilien oder eben die Hauptquellen nachdenken, dadurch werden unvergleichbar größere Mengen freigesetzt. Was natürlich viele im ländlichen Bereich gar nicht gerne hören: in Deutschland sind 27 PFAS-Pestizide zugelassen, davon sind 17 als krebserregend und/oder fortpflanzungsgefährdend eingestuft.
Die sog. Initiative zum Schutz der Bürger sollten sich einmal um solche PFAS-Quellen wie Pestizide kümmern.
Im Beitrag des Main-Echo vom 15.09. wurden weitere, die immer gleichen Gründe gegen Windräder genannt, z.B. der Schattenwurf, Lärmbelästigung oder die "lebenslange Lichtverschmutzung". Die Gesundheit von Menschen ist wichtig, nur sollte diese von Tatsachen und nicht von bewusst verzerrten Daten und Meinungen bestimmt sein. Wer auch zu dieser "Lichtverschmutzung" durch Windräder irgendwelche Studien vorweisen kann, bitte im Kommentar teilen, ich freue mich auf eine rege Diskussion und damit auch Information der Bürgerinnen und Bürger. Gleiches gilt für den Schattenwurf usw..
Und so geht es weiter. Worum es jedenfalls den sog. Waldfreunden nicht geht: dem Wald.
Es ist schon erstaunlich, dass sich gegenüber diesen bewusst falsche gewählten und verzerrten Daten im Flyer kein Widerstand bei der Bürgerschaft regt. Liegt es daran, dass dieses Flugblatt von einem bekannten Mitglied der Gemeinde kommt? Wird es dann stillschweigend toleriert, bewusst falsch informiert zu werden?
Eine Möglichkeit, sich zu informieren ist z.B. der Bericht vom #Faktenfuchs bei BR24 mit dem Titel "Mikroplastik: Windkraftgegner übertreiben das Problem". Darin geht es u.a. auch um PFAS, um Trinkwasser usw.. Wer sich neutral informieren will, liest z.B. diesen Artikel.
Bei der Veranstaltung des netzwerkPROheimat am 10.02.26 in Sommerau hat der Experte, ein Ingenieur aus Freigericht, als Alternative zur Windkraft u.a. vorgeschlagen, doch weiter Gas zu verbrennen, die Leitungen seien ja vorhanden. ACHTUNG: eine Initiative, die vorgibt, den Wald schützen zu wollen, schlägt vor, weiter Gas zu verbrennen, was den Klimawandel weiter anheizt und damit den Wald noch schneller schädigt. Natürlich gab es von den meisten Teilnehmer auch dafür viel Applaus.
Meine Meinung zu dieser Veranstaltung und den Argumenten habe ich mit meinem Beitrag bei Meine-News vom 15.02.26 beschrieben.
Einige Windkraftgegner, mit denen ich gesprochen habe, sind gar nicht grundsätzlich gegen Windräder, nur halt nicht bei uns. Sankt Florian lässt grüßen. Damit wird ausgedrückt, dass die Heimat anderer, die Rhön, der Taunus, die Eifel, das Sauerland oder auch flachere Regionen im Norden usw. weniger wert sind als hier unsere Spessartregion. Mit welchem Recht? Was für eine Anmaßung.
Tatsächlich plädieren viele dafür, dass der steigende Strom dann halt von woanders herkommen müsse, wenn dieser lokal nicht erzeugt werden könne. Dafür, das sollte klar sein, würden dann aber größere Umspannwerke benötigt. Es ist nicht schwer zu raten, was die gleichen Menschen dann tun (was vielerorts bereits der Fall ist): genau, eine Bürgerinitiative gegen das Umspannwerk gründen. Wie der steigende Strombedarf bewerkstelligt werden kann, bleibt ein Rätsel.
An dieser Stelle wiederhole ich meinen Vorwurf: die meisten Windkraftgegner sind unglaubwürdig bis hin zu verlogen: nach aussen wird vom Wald gesprochen, der geschützt werden muss; eigentlich geht es dann doch nur darum, dass sich für diese Menschen selbst heute nichts ändert; um den Wald geht es nicht und auch nicht darum, diesen z.B. für die Generationen nach uns, für die eigenen Kinder, zu schützen.
Nun zieht die sog. Bürgerinitiative mitsamt dem netzwerkPRO... und die selbsternannten "Patrioten" weiter in andere Kommunen wie nach Miltenberg und auch weiter nach Elsenfeld. Es wird die gleiche Show abgezogen, es werden auch dort mit falschen und verzerrten Daten vor allem Ängste geschürt. Zum Beispiel wird der Rückbau in Jahrzehnten thematisiert, der dann wieder alles zerstört, Sprengungen seien erforderlich, das Trinkwassert werde vergiftet usw. Die gleiche Methodik also Ängste & Wut mobilisieren, dadurch Druck auf Entscheidungsträger ausüben; dazu ist diesen Bürgerinitiativen mitsamt diesem netzwerkPRO ... jedes Ziel recht, auch eben die vorgeblich geschätzten Bürgerinnen und Bürger gezielt mit falschen Informationen oder übertriebenen Behauptungen versorgen.
Ob vielleicht den Menschen in Miltenberg oder Elsenfeld der Wald etwas wert ist ... oder ob es doch nur um sie selbst geht.
Die Eschauer und Hobbacher haben jedenfalls schon einmal gegen ihren so geliebten Wald gestimmt. Das Windrad hätte dafür gesorgt, dass weniger CO2 emittiert wird, es hätte einigen Bäumen eine Chance eingeräumt. Und die Miltenberger, die Elsenfelder?
Autor:Christian, Dr. Blaufelder aus Obernburg am Main |
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