Vom Gleis zur Kochsmühle: Eine Zeitreise
Wenn Geschichte auf Schienen kommt – 150 Jahre Bahnlinie Aschaffenburg–Miltenberg
- Als die Autobahn durch Obernburg lief ...?! Längst vergessene Zeiten!
- Foto: Archiv HVV, private Sammlung
- hochgeladen von Andrea Faggiano
1876 wurde die Bahnlinie Aschaffenburg–Miltenberg eröffnet. 150 Jahre später könnte das Motto des diesjährigen „Tag des offenen Denkmals“ kaum passender sein: „NetzWerke: Denkmale und Infrastruktur“.
Am Sonntag, 13. September 2026, öffnen zahlreiche Denkmäler ihre Türen und erzählen Geschichten aus vergangenen Zeiten. Auch in Obernburg beteiligen sich der Heimat- und Verkehrsverein Obernburg und Die Granatsplitter e. V. mit einer besonderen Kooperation an diesem bundesweiten Aktionstag.
Gemeinsam laden die beiden Vereine zu einem außergewöhnlichen historischen Spaziergang ein, der vom Bahnhof Obernburg-Elsenfeld bis zum Rosengarten der Kochsmühle führt. Auf dem rund 90-minütigen Weg verbinden sich historische Informationen mit drei theatralischen Szenen. Vergangenheit wird dabei nicht nur erklärt, sondern lebendig und unmittelbar erlebbar.
Auftakt am Gleis 1: Ankunft in einer neuen Welt
Der Spaziergang beginnt um 11 Uhr direkt an Gleis 1 des Bahnhofs Obernburg-Elsenfeld.
Dort beginnt eine Reise in eine Zeit, in der Menschen aus damals weit entfernten Ländern – beispielsweise aus Belgien – nach Obernburg kamen. Ihr Ziel waren die Glanzstoffwerke. Noch bevor das Unternehmen über eine eigene Bahnstation unmittelbar vor dem Werktor verfügte, führte der Weg der Arbeiter vom Bahnhof zu Fuß zu ihrem Arbeitsplatz.
Dabei kamen sie an Geschäften vorbei, die heute längst aus dem Stadtbild verschwunden sind. Eines davon war das Lebensmittelgeschäft der Familie Oberle. Dort versorgten sich die Glanzstoffarbeiter mit Lebensmitteln. Bezahlt wurde vielfach erst bei der nächsten Löhnung – ein Ausdruck des damaligen Vertrauens und eine Form des täglichen Miteinanders, die heute kaum noch vorstellbar erscheint.
Rund um den Bahnhof und bis zur Mitte der Mainbrücke übernimmt die Kunsthistorikerin und Diplom-Archäologin Susanna Rizzo die historische Führung. Sie lässt die Geschichte entlang des Weges wieder sichtbar werden und zeigt, welche Bedeutung der Bahnhof einst für Obernburg und seine Menschen hatte.
Die Mainbrücke: Fähre, Autoverkehr und Brückenzoll
An der Mainbrücke verändert sich die Perspektive erneut.
Wo heute ein Fußgängerweg über den Main führt, rollte einst der Autoverkehr. Noch früher setzte an dieser Stelle eine Fähre über den Fluss, bis ihr Betrieb endgültig eingestellt wurde.
Die dreieckigen Plattformen an den Flanken der heutigen Brücke erinnern noch heute an ihre frühere Funktion. Sie wirken wie stille Zeugen einer vergangenen Epoche – einsame Plattformen und zugleich Spiegel einer Zeit, in der Verkehr und Infrastruktur noch ganz anders aussahen.
Auf der Mitte der Brücke übernimmt Michael Waldrab, Beiratsmitglied des Heimat- und Verkehrsvereins Obernburg und leidenschaftlicher Gästeführer, die historische Führung in Richtung Kochsmühle.
Doch an dieser Stelle heißt es: Brückenzoll wird erhoben!
Denn tatsächlich musste einst bezahlt werden, um die Brücke passieren zu dürfen. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des heutigen Spaziergangs dürfen jedoch beruhigt sein: Die Führung ist kostenfrei, Spenden für beide Vereine sind herzlich willkommen.
Als die Tankstelle noch in Betrieb war
Auf dem weiteren Weg zur Kochsmühle erwartet die Besucher eine Mischung aus historischen Fakten, persönlichen Erinnerungen und unterhaltsamen Geschichten.
Dabei geht es unter anderem um eine Zeit, in der die Tankstelle am Geschäft Elektro-Reis noch geöffnet war. Auch die Zeit, als der Weg zur Autobahn durch Obernburg führte, wird wieder lebendig. Viele Veränderungen, die das Stadtbild und den Alltag der Menschen geprägt haben, werden dabei in Erinnerung gerufen.
Der besondere Reiz des Spaziergangs liegt darin, dass längst vergangene Orte und Ereignisse plötzlich wieder vor Augen geführt werden. Verkehr, Arbeit, Handel und Infrastruktur waren und sind eng miteinander verbunden – und haben Obernburg nachhaltig geprägt.
Der Heimat- und Verkehrsverein Obernburg und Die Granatsplitter e. V. möchten mit ihrer gemeinsamen Veranstaltung zeigen, dass Denkmalschutz und Geschichte keineswegs trocken oder ausschließlich vergangenheitsbezogen sein müssen. Mit Theater, historischen Geschichten und einem Augenzwinkern soll die Vergangenheit dort erlebbar werden, wo sie einst stattgefunden hat: mitten im Leben und mitten in Obernburg.
Ein Spaziergang durch 150 Jahre Geschichte
Start: Sonntag, 13.09.2026, 11 Uhr
Treffpunkt: Gleis 1, Bahnhof Obernburg-Elsenfeld
Ziel: Rosengarten der Kochsmühle
Dauer: ca. 90 Minuten
Teilnahme: kostenfrei
Gefördert wird die Veranstaltung durch das StadtMarketing Obernburg.
Kostenfreie Anmeldungen und spendenbasierte Tickets sind über www.eventfrog.de sowie per E-Mail an obernburgertheaterverein@yahoo.com möglich.
Die beiden Vereine freuen sich auf zahlreiche Besucherinnen und Besucher, die gemeinsam mit ihnen auf eine außergewöhnliche Zeitreise gehen möchten.
Und nach dem Spaziergang? Dann darf der Tag gerne noch weitergehen: Im Anschluss bietet sich die Gelegenheit, noch einige gemütliche Stunden in Obernburg zu verbringen und die Stadt von ihrer heutigen Seite zu genießen.
Autor:Andrea Faggiano aus Obernburg am Main |
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