Aus der Nachbarschaft...
Mehr Plakat als Programm – Wenn Satire um Stimmen wirbt
- Wahres dran - oder provokativ? Geht es nach der Partei Die Partei, dann ist es beides...
- Foto: Privat
- hochgeladen von Andrea Faggiano
Frankfurt am Main. Wer dieser Tage durch die Großstadt schlendert, braucht keinen Stadtplan mehr – ein Blick nach oben genügt. Frankfurt hat sich in einen Plakatwald verwandelt, dicht bewachsen mit Parolen, Versprechen und Wahlkampfrhetorik. Laternen, Brücken und freie Flächen dienen als Träger politischer Heilsbotschaften, deren Haltbarkeit erfahrungsgemäß weit unter der eines Wahlplakats liegt. Jede Partei buhlt um Aufmerksamkeit, jede will gehört werden, jede hält sich für unverzichtbar.
Besonders laut – zumindest optisch – meldet sich dabei die Partei Die PARTEI zu Wort. Ihre Plakate stechen heraus, weil sie sich demonstrativ weigern, ernst genommen zu werden. Oder gerade deshalb. Mit bewusst skurrilen, teils geschmacklich grenzwertigen Motiven sorgt sie für Gesprächsstoff – und gelegentlich für Stirnrunzeln. Manche Slogans zielen unter die Gürtellinie, andere direkt auf das Zwerchfell.
An prominenten Orten wirbt die Partei mal für neue Steuern, mal für die Wiedereinführung der Wehrpflicht - allerdings für Senioren, schließlich könne die Jugend laut Plakat ohnehin „nix“.
Ein weiteres Motiv bittet dringlich um Stimmen, da ein „ganz wichtiges Geschäft“ anstehe, dessen Dringlichkeit eher an öffentliche Bedürfnisanstalten erinnert als an parlamentarische Arbeit.
Angesichts einer Nachrichtenlage, die zwischen Krise, Konflikt und Katastrophe pendelt, kommt diese Form der politischen Clownerie für viele wie eine willkommene Auflockerung daher.
Passantinnen und Passanten bleiben stehen, lachen, fotografieren – Politik zum Mitnehmen, leicht verdaulich und garantiert frei von komplexen Lösungsansätzen.
Doch bei aller närrischen Freude bleibt ein schaler Nachgeschmack. Denn auch Satire hört nicht an der Wahlurne auf. Die PARTEI ist nicht nur Spaßprojekt, sondern Wählervereinigung mit realen Ambitionen. Der Einzug ins Stadtparlament bedeutet Mandate, Einfluss – und finanzielle Mittel. Ob diese dann tatsächlich für satirische Großprojekte wie die Überbauung des Mains oder andere plakative Ideen eingesetzt werden sollen, bleibt zumindest erklärungsbedürftig.
Doch es ist Faschingszeit. In der fünften Jahreszeit darf bekanntlich alles ein wenig lauter, bunter und absurder sein. Vielleicht gilt das ja auch für den Wahlkampf.
Und für alles Weitere gilt: Sehen Sie selbst – und lachen Sie, solange es noch geht.
Helau!
Autor:Andrea Faggiano aus Obernburg am Main |
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