Unternehmerinnen am Bayerischen Untermain
Neue Serie: Weibliche Führungskräfte am Bayerischen Untermain

In unregelmäßigen Abständen werden wir an dieser Stelle Unternehmerinnen, aber auch weibliche Führungskräfte am Bayerischen Untermain vorstellen. Den Anfang macht Beatrice Brenner, Leiterin des Kreisverbandes Aschaffenburg-Miltenberg des BVMW (Bundesverband mittelständische Wirtschaft), die seit über 20 Jahren selbstständig ist. Unternehmerinnen und weibliche Führungskräfte liegen ihr besonders am Herzen, denn Frauen werden oft unterschätzt.

Hallo Frau Brenner, bitte stellen Sie sich doch mal kurz vor:

Seit rund 10 Jahren bin ich freiberuflich für den Bundesverband mittelständische Wirtschaft die persönliche Ansprechpartnerin für Unternehmer und Unternehmerinnen am Bayerischen Untermain. Das heißt zum einen, ich bin für sie da, wenn sie jemanden zum Reden oder Austausch brauchen. Zum anderen geht es um unternehmerische Netzwerke und das Lernen von anderen.
Ich habe hier das Netzwerk aufgebaut und biete in der Zwischenzeit ein großes Buffet an Angeboten für die Betriebe.

Wie war denn ihr persönlicher und beruflicher Werdegang?

Ich bin gelernte Bekleidungstechnikerin. Allerdings habe ich schnell umgesattelt, als die Branche in die Krise kam. Über den kaufmännischen Weg und ein Abendstudium zur Betriebswirtschaft habe ich in verschiedenen Branchen Erfahrungen gesammelt und vier Start-ups begleitet. 2006 kam dann auf einmal die Selbständigkeit auf mich zu und 2010 das Angebot vom BVMW, in unserer Region das Unternehmer-Netzwerk aufzubauen.  Für mich war das ein Glücksgriff, denn hier kann ich gestalten und den Unternehmern eine wertvolle Unterstützung sein.

Was war ihre Motivation für die Selbständigkeit? Wollten Sie schon immer Unternehmerin sein?

Nein, ich hatte immer Angst vor der Selbständigkeit. Durch den Hausbau hatte ich feste finanzielle Verpflichtungen und dachte, als Selbständige könnte ich die vielleicht nicht erfüllen.
Auf der anderen Seite habe ich auch als Angestellte eher wie eine Unternehmerin agiert und gedacht.
Zur Selbständigkeit kam ich durch den Verkauf meines letzten Arbeitgebers. Meine Stelle als Marketingmanager wurde vom Käufer in Großbritannien übernommen und ich bekam die Kündigung. Die Arbeitsagentur hat mir damals den Weg geebnet, wofür ich sehr dankbar bin.

Was denken Sie, warum gibt es so wenig Frauen in Führungspositionen beziehungsweise Unternehmerinnen– leider auch am Bayerischen Untermain?

Viele Frauen haben wenig Selbstvertrauen in die eigenen Fähigkeiten. Sie ahnen teilweise noch nicht mal, was sie alles können. Ein Mann sagt viel eher: „klar kann ich das“ oder „darin habe ich Erfahrung“ und das sagt er im Brustton der Überzeugung. Man nimmt es ihm ab.
Eine Frau zögert eher mit Aussagen wie „ja vielleicht“ oder „damit habe ich noch nicht viel Erfahrung“. Wenn das dann noch mit unsicherer Stimme und Körperhaltung verbunden ist, hat das Konsequenzen.
Aber: das kann man lernen! Wenn man will.
Ein anderes Thema ist natürlich das Thema Familie: Kinder oder häusliche Pflege. Wer übernimmt das in der Regel? Die Frau. Und wenn ihr die Unterstützung fehlt, ist der Weg zur Führungsposition schwierig.
Außerdem gibt es noch einen Punkt: Verhandeln. Da sind wir Frauen auch nicht so stark wie Männer und verdienen oft weniger, weil wir zu wenig für gleichen Lohn kämpfen.  Erfreulich ist aber, dass immer mehr junge Frauen viel selbstbewusster und selbstsicher auftreten. Die setzen sich viel eher durch.

Wie können Frauen unterstützt werden, sich mehr zu trauen?

Wie gesagt, man kann es lernen. Wer es von zu Hause nicht mitbekommen oder in der Schule gelernt hat, sollte sich a) in einem Netzwerk mit anderen Frauen organisieren und b) selbst um Qualifizierungsangebote kümmern. Ich halte beides für extrem hilfreich. Ich selbst habe mehrere Seminare belegt und war zu Beginn meiner Selbständigkeit in einem Frauen-Netzwerk. Jetzt hab ich ja mein eigenes.
Wir haben vom BVMW beispielsweise eine Gruppe von Frauen, die sich austauschen können und ein Qualifizierungsprogramm für Nachwuchs-Führungskräfte entwickelt.

Was halten Sie von der Frauenquote?

Ich persönlich möchte keine Quotenfrau sein. Ich muss aber gestehen, dass wir in der Wirtschaft und Politik sicher wesentlich weniger Frauen in Führungsverantwortung hätten, wenn es die Frauenquote nicht geben würde.

Was raten Sie Frauen, die sich selbständig machen wollen?

Informieren Sie sich zu betriebswirtschaftlichen Themen, zu allem was auf sie zukommt als Unternehmerin. Das kann vor vielen Fehlern bewahren. Das sind Themen wie Finanzierung, Wettbewerbsanalyse, Kundengewinnung, Versicherungen, Steuern, Kalkulation, Rechte, Pflichten, Personal etc.
Herr Nabein von der IHK gibt dazu seit vielen Jahren eine wertvolle Hilfestellung.  Auch Netzwerke können eine hervorragende Starthilfe sein sowohl zum Kennenlernen neuer Kontakte als auch zum Erfahrungsaustausch.

Kinder und Karriere- ist beides in ihren Augen machbar? Wo liegt hier das Verbesserungspotential?

Grundsätzlich ist es machbar. Man braucht aber ein funktionierendes Umfeld und Menschen, die unterstützen. Eine alleinerziehende Mutter braucht eine andere Infrastruktur als eine Frau, deren Partner oder Eltern mithelfen. Die Kinderbetreuung muss gesichert sein und für Pflegefälle muss die Entlastung möglich sein.
Wo das nicht gegeben ist, sollte der Staat für entsprechende Einrichtungen sorgen.
Aber wir haben ja im Lockdown auch gesehen, wo es Grenzen gibt. Wenn Kitas und Schulen geschlossen werden, sind es doch wieder meist die Frauen, die hier am meisten gefordert sind. Da war plötzlich wieder die alte Rollenverteilung auf dem Plan!
Frauen sind bei so etwas einfach unglaublich belastbar und gut! Jetzt kann ich provokativ fragen: Wer ist eigentlich das starke Geschlecht??

Autor:

Miriam Weitz aus Obernburg am Main

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