Gemeinnützige Joachim & Susanne Schulz Stiftung öffnete ihre Türen
Neueröffnung Villa Schulz

Symbolische Schlüsselübergabe: Robert Piotrowski, Dea Ecker (beide Ecker Architekten), Vorstandsvorsitzender Dr. Lars Bühring, stellvertretende Vorsitzende Monika Möller-Stegerwald, Hannes Wolf und Sofie Klopsch (alle ehrenamtlich tätige Vorstandschaft der Joachim & Susanne Schulz Stiftung).
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  • Symbolische Schlüsselübergabe: Robert Piotrowski, Dea Ecker (beide Ecker Architekten), Vorstandsvorsitzender Dr. Lars Bühring, stellvertretende Vorsitzende Monika Möller-Stegerwald, Hannes Wolf und Sofie Klopsch (alle ehrenamtlich tätige Vorstandschaft der Joachim & Susanne Schulz Stiftung).
  • Foto: Andrea Kaller-Fichtmüller
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Die gemeinnützige Joachim & Susanne Schulz Stiftung öffnete am vergangenen Wochenende ihre Türen für die Öffentlichkeit: Am 2. und 3. Oktober konnte die Bevölkerung aus der Region den liebevoll sanierten Stiftungssitz in Amorbach in Augenschein nehmen und erfuhr bei einer Führung viel Wissenswertes rund um die Stiftung und das Stifterehepaar Joachim und Susanne Schulz.

Einblick in die Geschichte des Hauses

Am Tag zuvor fand die offizielle Eröffnungsfeier im Kreis geladener Gäste statt. Diese konnten sich selbst am 1. Oktober, dem Tag der Stiftungen, bei strahlendem Sonnenschein vom Charme der neuen Räumlichkeiten überzeugen. Anders als traditionell üblich, wurde die Eröffnung nicht mit Festreden eingeläutet. Die Gäste aus Politik, Wirtschaft und Bildung wurden stattdessen auf eine Zeitreise mitgenommen. Aufgeteilt in drei Gruppen wurden sie von Bernhard Springer (Lehrer an der Parzival-Mittelschule in Amorbach, 1. Vorsitzender des Heimat- und Geschichtsvereins Amorbach e. V. und Kreisheimatpfleger), Ann-Kathrin Schneider (freiberufliche Theaterpädagogin aus Walldürn, Kabarettistin, Rezitatorin und Sängerin) und Christof Kieser (Oberstudiendirektor und Schulleiter an der Helene-Weber-Schule in Buchen) über das großzügige Stiftungsanwesen geführt. Sie erhielten dabei Einblicke in die Entstehung und Geschichte der Villa und lernten die Stiftungsgründer näher kennen. Zudem wurden ihnen die Projekte aus zehn Jahren Stiftungsarbeit präsentiert und zukünftige Konzepte vorgestellt.

Umbenennung in „Villa Schulz“

Höhepunkt des Tages war die feierliche Umbenennung: In Gedenken an die Stiftungsgründer wurde das Haus von „Villa Derfflinger“ in „Villa Schulz“ umbenannt. Dr. Lars Bühring, ehrenamtlicher Vorstandsvorsitzender, dankte in seiner kurzen Ansprache dem Architekturbüro Ecker aus Buchen und Heidelberg, das die Sanierungsarbeiten durchgeführt hatte und aus dem ohnehin schon imposanten Anwesen etwas „bemerkenswertes, seltenes“ entstehen ließ. Er brachte seine Freude darüber zum Ausdruck, dass das Alte und das Neue in harmonischer Weise zusammengefügt worden sei und wünschte, dass das Haus nun mit Leben gefüllt werde. „Mit der Villa Schulz gewinnt die Region einen neuen Ort der Begegnung. Die Joachim & Susanne Schulz Stiftung möchte zukünftig Impulsgeber sein für heranwachsende MINT-Talente und Künstler sowie für Ideen, die die Region um Amorbach und Mudau stärken. Wir wollen an die Vergangenheit anknüpfen, das Ehepaar Schulz in Ehren halten und Neues entstehen lassen.“ Die beiden Architekten Dea Ecker und Robert Piotrowski überreichten anschließend den symbolischen Schlüssel an den Vorstandsvorsitzenden und die weiteren ehrenamtlich tätigen Vorstände Monika Möller-Stegerwald, Hannes Wolf und Sofie Klopsch.

Zwei Stiftungen für die Region

Zuvor hatte Ann-Kathrin Schneider die Feier mit einer Darbietung des 1927 entstandenen Gedichts „Das Ideal“ von Kurt Tucholsky eröffnet. In diesem Gedicht geht es um die Wünsche und Vorstellungen vom idealen Wohnort. Vieles darin vereinte das Leben des Ehepaars Schulz – die vorhandenen Möglichkeiten im ländlichen Odenwald, aber auch die wichtige Erkenntnis, dass man im Leben meist nie alles haben kann. So hatte das Ehepaar Schulz fast alles, jedoch keine Nachfahren. Dies kommt der Region nun durch die Weiterführung des Unternehmens Aurora in Mudau und die Gründung der beiden Stiftungen Joachim & Susanne Schulz Stiftung und Stiftung Susanne-und-Joachim-Schulz-Halle zugute.

Zeitreise in die Vergangenheit

Rund 3000 Quadratmeter umfasst das Gelände der Villa am Sommerberg in Amorbach, das Haus selbst etwa 500 Quadratmeter. Das 1907 von Joseph Beyer, einem Frankfurter Industriellen, nach den Plänen des bekannten Architekten Max Seckbach erbaute Einfamilienhaus hatte einige Eigentümerwechsel und teilweise recht unterschiedliche Nutzungsfunktionen. Der Bauherr lebte hier bis 1926 mit seiner Familie. Anschließend war das Anwesen im Besitz des Fürstenhauses zu Leiningen. Der Hausherr Karl zu Leiningen ernannte das Gebäude zur „Villa Derfflinger“. Der außergewöhnliche Name geht zurück auf Georg von Derfflinger. Dieser Feldmarschall aus dem 17. Jahrhundert war Namensgeber der „SMS Derfflinger“, eines 1914 in Dienst gestellten Schlachtkreuzers der Kaiserlichen Marine. Auf diesem diente Karl zu Leiningen während des 1. Weltkriegs. Mit dem Namen wollte der Prinz wohl an seine Dienstzeit erinnern und dem Schlachtkreuzer, der 1919 in Schottland versenkt worden war, seine Ehre erweisen.
Ab 1939 diente die Villa Derfflinger als Unterkunft für „Reichs- und Volksdeutsche“ aus dem Ausland. Ab 1945 wurde sie vom Orden des Allerheiligsten Erlösers als Seniorenheim genutzt, bevor sie 1977 vom Unternehmerehepaar Joachim und Susanne Schulz erworben wurde.

Dreijährige Generalsanierung

Drei Jahre lang wurde die Villa nun generalsaniert und modernisiert. Im Frühjahr 2021 waren die Umbaumaßnahmen weitestgehend beendet, doch die Pandemie durchkreuzte die Pläne der Stiftung, so dass man Veranstaltungen streichen bzw. auf 2022 verschieben musste.
Die modernisierte Villa Schulz dient der Stiftung ab sofort als Werkzeug für ihre operativen Projekte und Veranstaltungsangebote, aber auch gemeinnützige Institutionen können die Räume für eigene Zwecke und Angebote nutzen. Über vier Stockwerke verteilt befinden sich Ausstellungsräume, Gartensäle für musikalische Darbietungen, Lesungen und Vorträge. Ebenfalls in der Villa untergebracht sind die Stiftungsverwaltung sowie Arbeits- und Übernachtungsmöglichkeiten für Stipendiaten.
Das Stiftungsanwesen verfügt außerdem über ein im Jahr 1994 erbautes Nebengebäude, das sogenannte Kutscherhaus. Hier können im zukünftigen „Schülerforschungszentrum“ ab dem Jahr 2022 junge MINT-Talente aus dem Odenwald experimentieren und forschen. Expirius, das MINT-Bildungsprogramm der Stiftung, schafft hier außerhalb des seit 2014 etablierten Angebots in Kindergärten und Grundschulen Räume für MINT-affine Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene. Daneben werden Ausstellungen, Kunst- und Kulturangebote und Aktionstage unter dem Slogan „Hier und jetzt: Klima. Zukunft. Gestalten.“ stattfinden. Damit will die Stiftung den Klimaschutz in der Region in den Fokus rücken und möglichst jeden Einzelnen zum nachhaltigen Handeln animieren.

Joachim & Susanne Schulz Stiftung

Die Joachim & Susanne Schulz Stiftung wurde im Jahr 2010 von Susanne Everth-Schulz gegründet. Schwerpunkte der Stiftung sind die Förderung von Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik (kurz MINT) sowie die kulturelle Bildung. Seit 10 Jahren unterstützt die Stiftung gemeinnützige Initiativen im Raum Amorbach und Mudau und in der Umgebung. Durch die Antragsförderung sowie operative Projekte wie das MINT-Bildungsprogramm „expirius“ und den Outdoor-Erlebnispfad „Smart Pfad Odenwald“ wird die Region im Sinne des Stifterehepaars weiter gestärkt.
Um den ländlichen Raum auch zukünftig bei seiner weiteren Entwicklung zu fördern, wurde das Stiftungsanwesen grundsaniert. Junge Forscher, engagierte Stipendiaten, begabte Künstler und gemeinnützige Vereine werden in der Villa Schulz künftig einen Ort antreffen, an dem sie sich begegnen und entfalten können.

Autor:

Andrea Kaller-Fichtmüller aus Miltenberg

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