Kulturfahrt der TGRS Amorbach
Zwischen Klassik, Rap und Geschichte
- hochgeladen von Lorenz Graf
Vom 20. bis 22. Juli 2026 begaben sich die Schülerinnen und Schüler der 9. Klassen der Theresia-Gerhardinger-Realschule Amorbach auf eine dreitägige Kulturfahrt in die thüringische Klassikerstadt. Es ging am Montagmorgen gemeinsam mit dem Reisebus auf den Weg von Amorbach nach Weimar.
Nach der Ankunft und dem erfolgreichen Bezug der Zimmer in der Jugendherberge „Germania“ stand direkt die Erkundung Weimars auf dem Programm – und das in Eigenregie! Die Jugendlichen hatten im Vorfeld wichtige Sehenswürdigkeiten selbst recherchiert und den Erkundungsweg in Kleingruppen eigenständig festgelegt. So zeigten die Schülerinnen und Schüler bei einem ausgiebigen Stadtspaziergang echtes Organisationstalent. Ganz praktisch lernten die Jugendlichen dabei auch, sich bei der Wegplanung nicht allein auf das Smartphone zu verlassen, da sonst aus einer 200 Meter Strecke durch die Fußgängerzone ein 1,2 Kilometer Marsch entlang des Stadtrings wurde. Den gemütlichen Ausklang des ersten Tages bildete eine wohlverdiente Freizeit in der Weimarer Innenstadt, die zum Bummeln und Ankommen genutzt wurde.
Der Dienstag stand ganz im Zeichen historischer Verantwortung, moderner Kultur und politischer Bildung. Am Vormittag besuchten die Klassen das Haus der Weimarer Republik – ein im heutigen Zeitalter besonders wichtiger Baustein für die demokratische Bildung junger Menschen. In der modernen, multimedialen Dauerausstellung konnten die Jugendlichen auf eigene Faust in die erste deutsche Demokratie eintauchen. Anhand von historischen Exponaten, Fotos, Kurzfilmen und spannenden Medienstationen – von den Aufbruchsstimmungen 1918 über den turbulenten Alltag bis hin zu den großen Gefährdungen und der Zerstörung der Demokratie – wurde Geschichte interaktiv und nahbar vermittelt.
Mittags ging es weiter ins Weimar Haus, wo die Stadtgeschichte in einer beeindruckenden interaktiven Ausstellung ebenfalls lebendig und greifbar gemacht wurde.
Das unbestrittene Highlight des Tages folgte am Dienstagabend: Ein exklusives Konzert und ein anschließender Workshop mit dem Rapper Crza. Der Sprechgesangkünstler gab spannende Einblicke in seine Arbeit mit Texten und Songs, dabei schlug er einen überraschenden, aber hochaktuellen Bogen zu den großen Klassikern Goethe und Schiller – deren Themen sind trotz über 200 Jahren Abstand erstaunlich nah am Leben junger Menschen geblieben. Mit klaren Aussagen gegen den gesellschaftlichen Rechtsruck traf Crza genau den Nerv des Publikums; der Auftritt wurde von den Jugendlichen frenetisch gefeiert.
Der letzte Tag der Fahrt führte die 9. Klassen zu einem bedrückenden, aber umso wichtigeren Ort: der Gedenkstätte des ehemaligen Konzentrationslagers Buchenwald auf dem Ettersberg bei Weimar. Das 1937 von der SS errichtete Lager war eines der größten Konzentrationslager auf deutschem Boden. Hunderttausende Menschen aus ganz Europa waren hier im Laufe der Jahre inhaftiert, Zehntausende wurden durch Zwangsarbeit, Hunger, medizinische Versuche oder systematische Morde grausam umgebracht.
Beim Rundgang über das weitläufige Gelände – vorbei am ehemaligen Lagertor mit der zynischen Inschrift „Jedem das Seine“, den Resten des Krematoriums und dem imposanten Glockenturm des Mahnmals – wurde den Schülerinnen und Schülern das Ausmaß des nationalsozialistischen Terrors vor Augen geführt. Die unmittelbare Auseinandersetzung mit diesem dunklen Kapitel hinterließ bei allen Beteiligten tiefe Spuren. Im Angesicht des Leids der Opfer wurde allen klar, welche immense Verantwortung die heutige Generation für den Erhalt von Menschenrechten, Demokratie und gegen das Vergessen trägt.
Im Anschluss an diesen bewegenden Vormittag traten die 9. Klassen erschöpft, aber voller prägender Eindrücke, tiefgehender Gedanken und gemeinsamer Erinnerungen die Heimreise nach Amorbach an. Eine rundum gelungene Kulturfahrt, die Geschichte eindrücklich erlebbar machte und gewiss noch lange nachwirken wird.
Autor:Lorenz Graf aus Amorbach |
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