Buchempfehlung: Eisfuchs von Tanya Tagaq
Eine Inuit erzählt von der tiefen Verbundenheit zwischen Mensch und Natur

Fangen wir vorne an: Was ein wunderschönes Cover! Der Einband sieht nicht nur schön aus, sondern fühlt sich auch toll an. Der stilisierte Eisfuchs verspricht ein anspruchsvolles Buch. Der Klappentext verspricht Einblicke in die Kultur der Inuit, die man so kaum kennt und der Buchsatz ist ansprechend.

Die Autorin Tanya Tagaq war bislang als Sängerin und Schauspielerin bekannt und begibt sich nun auf sehr kreative Art und Weise in die Literatur. Das Debüt ist - gelinde gesagt - sehr mutig. Mir fällt eine objektive Bewertung sehr schwer, denn diese Art Buch ist sicher nicht jedermanns und jederfraus Sache. Wer sich auf ein Buch mit Gedichten, Mythen und einer bis zum Ende namenlosen Protagonistin einlassen kann, erfährt viel Neues über das wertvolle Gut des Träumens der Inuit. Leider geht gerade bei den Gedichten in der deutschen Übersetzung so manches verloren.

Persönlich war mir das Buch ZU anders. Manche Passagen waren regelrecht verstörend. Grundsätzlich gibt es solche Passagen aber in jedem zweiten Thriller, aber hier hat mir die Erklärung und die Einbettung in die Geschichte oft gefehlt. Die Kapitel waren zwar klar getrennt, aber die aufdringliche und vulgäre Sprache lenkt von einer Geschichte ab, die so gar keinen roten Faden hat. An einigen Stellen bleibt die Autorin wichtige Erklärungen schuldig, besonders der erhebliche charakterliche Wandel wird kaum erklärt. Vielleicht fehlt mir auch die Spiritualität, um das Buch gänzlich zu verstehen.

Trotzdem darf hier nicht der Eindruck entstehen, dass das Buch nicht gut ist. Es ist faszinierend geschrieben, mit Bildern angereichert und strotzt vor spiritueller Kraft. Ich würde mich freuen einen "normalen" Roman mit nachvollziehbarer Handlung zur Kultur der Inuit in nächster Zeit zu lesen. Denn das Missbrauch, Alkohol und Drogen auch in dieser Bevölkerungsgruppe ihr Gift hinterlassen, ist nicht von der Hand zu weisen.

Was mir wirklich gut gefallen hat, war die Darstellung der Trostlosigkeit der Jugend. Die sich abwechselnden ewigen Sommer und Winter in einem kargen Land gepaart mit akuter Perspektivlosigkeit sind schwer zu verdauen und wirken sehr real.

Ich bin gespannt, ob Tanya Tagaq noch weiter schreiben wird und werde mir selbst noch einiges an Wissen zu den Inuit aneignen.

Das Buch ist im Antje Kunstmann-Verlag erschienen (978-3-95614-353-3) und kostet 20 Euro.

Autor:

Gustav Teschner aus Mönchberg

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