Sachbuchempfehlung: Auf sie mit Gebrüll von Hasnain Kazim
Streiten will gelernt sein

Nach dem großen Erfolg von "Post von Karlheinz" hat Hasnain Kazim mit "Auf sie mit Gebrüll!" ein weiteres Buch geschrieben, das sich dem lebhaften Widerstand in politischen Diskussionen widmet.

Von Beginn an nutzt Kazim klare, prägnante Sätze, die eingänglich und leicht anzuwenden sind. Das Buch liest sich dadurch sehr gut und ist kurzweilig. Hinzu kommen zahlreiche Zitate - mal von Populisten, die dann entkräftet werden, mal von Intellektuellen, die dann auf Herz und Nieren geprüft werden -, sodass keine Textpassage langwierig erscheint. Highlights sind natürlich die zahlreichen Beispiele "aus der Praxis" mit denen Kazim seine eigene Diskussionsfähigkeit veranschaulicht. 

Einen wesentlichen Teil nutzt Kazim, um an die demokratische, aber doch sehr schweigsame Mehrheit zu appellieren, dass es sich lohnt zu streiten. Denn Schweigen ist Mitschuld oder anders gesagt, wenn die Klügeren immer nachgeben, regieren am Ende die Dummen. 

Besonders hervorheben möchte ich den Praxisbezug. Nicht nur die humorvollen Beispiele des Autors, sondern auch die Argumente gegen gängige Parolen von Populisten sind sehr hilfreich und haben Einzug in mein "Streitrepertoire" erhalten. 

Die hohe Kunst der Konfliktführung wird hier nicht erklärt, es ist kein wissenschaftliches Buch zum Thema Streiten. Stattdessen werden hier Tipps und Anregungen für das Streiten mit Hatern, Spaltern und Trollen geboten. Zur Meinung zum Buch gehört aber auch, dass Kazim eine ganz eigene Art hat mit Streitpartnern umzugehen, die ich nicht immer teile. Zwar ist er politisch absolut korrekt und verstößt nie gegen die Regeln der Meinungsfreiheit, aber sein Schreibstil ist doch manchmal reißerisch und flapsig. Dadurch wird das Buch zum Einen wirklich kurzweilig, zum Anderen verliert es etwas an Niveau.

Die wenig komplizierten Sätze führen trotzdem nicht zu einer naiven Sicht auf die Dinge. Die Grundlagen der Kommunikation werden ebenso angerissen wie die Ethik des Journalismus. Gute Idee von ihm, auch mal Zeitungen zu lesen, die eigentlich nicht die eigene Meinung untermauern!

Alles in allem ein lohnenswertes Buch mit tollen Aspekten zum Thema "Streiten für die Demokratie". Der Schreibstil lässt zuweilen erkennen, dass Kazim eben für SpiegelOnline und nicht für die Süddeutsche Zeitung schreibt. Aber ich denke genau für diese polarisierende Art wird er von vielen Lesern gefeiert und bis zu einem gewissen Grad tue ich das auch :-)

Das Buch ist im Penguin Verlag erschienen (ISBN: 978-3-328-10493-3) und kostet 13 Euro.

Autor:

Gustav Teschner aus Mönchberg

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