Der aktuelle Lehrstellenmarkt im Handwerk und die 20% auf alles - Ein Aufruf im Namen der Berufsbildung!

Der steinerne Löwenkopf, Teil des Eingangsportals des Frankfurter Amtsgerichtsgebäudes, scheint zu wissen, wem er seine dargestellte Pracht zu verdanken hat: Dem künstlerischen Steinmetz-Handwerk, einem der ältesten Handwerksberufe überhaupt...
  • Der steinerne Löwenkopf, Teil des Eingangsportals des Frankfurter Amtsgerichtsgebäudes, scheint zu wissen, wem er seine dargestellte Pracht zu verdanken hat: Dem künstlerischen Steinmetz-Handwerk, einem der ältesten Handwerksberufe überhaupt...
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  • hochgeladen von Andrea Faggiano

Noch nie standen die Chancen für sie so gut.
Den jungen Menschen ist es offensichtlich bewusst, in welcher bequemen Situation sie sich ausbildungsmässig aktuell befinden: Geburtenschwache Jahrgänge, die große Berufsauswahl und der hohe Bedarf an ausgebildeten Fachkräften.
Der andere Blick lässt staunen, die derzeitigen Zahlen der geschlossenen Lehrverträge ab September 2020 beunruhigen: Bei der 126. Vollversammlung der Handwerkskammer für Unterfranken vom 26.06.2020 in Würzburg gab der Präsident die Situation bekannt, man verzeichnet einen Rückgang in Unterfranken von sage und schreibe fast 20% im Vergleich zu 2019- obwohl es weiterhin an freien Stellen nicht mangelt, im Gegenteil: Die Handwerksbetriebe sind mehr denn je dazu bereit, ausbilden zu wollen.
Einige Gründe wurden am Anfang des Artikels benannt, andere Gründe dürfen jedoch auch nicht außer Acht gelassen werden: Durch die anhaltende Corona-Krise war es den Jugendlichen und den Betrieben nicht möglich, die entsprechenden Praktika zu absolvieren / anzubieten oder die Berufsorientierungsangebote wahrnehmen zu können, um sich vorerst grundlegender informieren zu wollen.
Weitere Faktoren sind sicherlich auch die ungewissen Ausgänge der jeweiligen Abschlussprüfungen –viele angehende AbsolventInnen fühlen sich unsicher und gehen gar von schlechteren Ergebnisse aus, die ohne Corona ggf. besser sein würden- und die Corona-bedingte, zeitliche Verschiebung der Zeugnisübergaben, um sich abschließend bei den Betrieben bewerben zu können.
Das Handwerk möchte betonen, dass ein Beruf in dieser Branche nicht nur ehrenwert, sondern auch existentiell für die gesamte Gesellschaft ist.
Ohne Handwerker gäbe es tagtäglich beispielsweise kein Brot (Bäcker/in), der liebe Blumengruß bei besonderen Anlässe bliebe aus (Florist/in) und die Grünflächen würden nur noch vor sich hin veröden (Landschaftsgärtner/in). Und was ist, wenn das Auto „streikt“ (KFZ-Mechatroniker), wenn das Licht zu Hause nicht mehr angeht (Elektriker/in), wenn die Klospülung „hängt“ oder im Winter die Heizung nicht richtig funktioniert (Heizungsinstallateur/in)? Und das nächste Weihnachtsfest ohne eine tolle Frisur (Friseur/in)- never ever, oder?
Natürlich sind diese Hintergründe allen Menschen bewusst- in höchsten Tönen loben sie stets das Handwerk, aber woran liegt es, dass die Zahlen eine andere Seite der Medaille zeigen- sind wir alle etwa schizophren geworden?
Nun, kollektive Schuldgeständnisse führen zwar zur Erkenntnis, dass etwas nicht rund läuft, bringt aber in der Diskussion niemanden weiter - vielmehr ist der Geist der Moderne, mit dem das Handwerk sich auseinander setzen muss, um die jungen Menschen zu begeistern und den Eltern präsent zu machen, dass das Klischee endlich beseitigt werden muss, wonach das Handwerk und seine Berufe kein verstaubtes Gedankengut darstellen, keine Alternative zur Alternativlosigkeit sind und nicht aus „dummen“ Menschen bestehen.
Im Gegenteil: Es sind große Herausforderungen, die diese Branche selbstbewusst angeht: Die Bedürfnisse der Menschen werden komplexer, ihre Erwartungen hinsichtlich der Dauer und der Qualität der Arbeiten steigen, die Aktualisierung des eigenen Wissens und Könnens muss stets vorgenommen werden.
Zu diesem letzten Aspekt darf ein wichtiges Gremium innerhalb der Handwerkskammer nicht unerwähnt bleiben: Der Berufsbildungsausschuss.
Dieser beschäftigt sich intensiv mit den Fragen und Anliegen, die er entweder selbst vorschlägt oder die extern eingebracht werden, und er liefert die möglichen Lösungen, erarbeitet die eventuellen Konzepte, analysiert die IST-Zustände.
Andrea Faggiano aus Obernburg stellte in seiner Nominierungsansprache im Laufe der Veranstaltung und im Rahmen der Ernennung -als einstimmig gewählter Arbeitnehmervertreter- zum Mitglied dieses wichtigen Ausschusses seine Ansichten klar, wofür er steht, wenn er im Gremium mit arbeitet: Die Präsenz des Handwerks sollte dauerhaft gewährleistet sein- ob auf Messen, vor Ort in den Schulen oder auf anderen Kanälen, damit sowohl die potentiellen Auszubildenden als auch die Eltern gezielt beraten und angesprochen werden; im Bereich Bildung darf nicht gespart werden: Eine solide Ausbildung basierend auf gutem Wissen und sicherem Können ist der Schlüssel zum Erfolg, damit eine mögliche Arbeitslosigkeit vermieden und der Einzelne nicht im Stich gelassen wird; Die Diskussionsbereitschaft muss höchste Priorität haben- was gestern technisch galt, gilt heute nur bedingt und morgen wird es vielleicht schon mal gar nicht mehr gelten. Und dies kann man nur dann erfahren, wenn man darüber spricht...
Der Aufruf sollte spätestens jetzt bei Jedem angekommen sein, der noch keine Ausbildungsstelle hat: Auf zum Handwerk, denn es bietet mehr Chancen, als man wahrhaben will- auf die 20% verzichtet es gerne!

Autor:

Andrea Faggiano aus Obernburg am Main

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