"Münte" im Miltenberger Landkreis - Beim Festakt "25 Jahre Förderungen durch die Stiftung Altenhilfe" wurde die hiesige gemeinsame Initiative gewürdigt

FESTAKT am 08.06.2018 in Obernburg am Main im Pflegezentrum: 25 Jahre Förderungen durch die Stiftung Altenhilfe mit v. l. Dr. Heinz Kaiser, MdL a.D., Festredner Franz Müntefering, Bundesminister a.D., Landrat Jens Marco Scherf und Wolfgang Zöller, MdB a.D . - Foto: Roland Schönmüller.
 
Jens Marco Scherf abschließend: „Die Entscheidung zur Gründung der Stiftung Altenhilfe war vor einem Vierteljahrhundert von großer Weitsicht geprägt. Heute können wir darauf aufbauen. Die Gründung der Stiftung Altenhilfe erfolgte aus dankbarer Einsicht in die Verpflichtung, unseren älteren Generation einen Lebensabend mit Sinn und Lebensqualität zu gewährleisten.“
 
Als Gastredner sprach der Bundesminister für Arbeit und Soziales a.D. Franz Müntefering zum Thema „Älter werden in dieser Zeit“, der sich in seinem kurzweiligen Vortrag als Vorsitzender der Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen e. V. engagiert für die Belange der älteren Generation einsetzte.
Obernburg: Rathausplatz |

Bundesminister a.D. Franz Müntefering war am Freitagnachmittag, dem 08. 06. 2018,  Ehrengast und Festredner in Obernburg am Main. 

Beim Festakt "25 Jahre Förderungen durch die Stiftung Altenhilfe" wurde die gemeinsame Initiative des Landkreises Miltenberg und aller Städte, Märkte und Gemeinden zum Wohl der älteren Mitbürgerinnen und Mitbürger gebührend gewürdigt. 

Bereits ein Viertel Jahrhundert alt ist die Stiftung Altenhilfe im Landkreis Miltenberg.

Das war für die Verantwortlichen Grund genug, dieses Jubiläum würdevoll zu feiern.

Entsprechend sehr gut besucht und bestens organisiert war der Festakt am Freitagnachmittag im Pflegezentrum Oberburg in der Lindenstraße, zu dem Landrat Jens Marco Scharf als Vorsitzender des Stiftungsrates eingeladen hatte.

Rückblickend lobte Landrat Jens Marco Scherf die Verantwortlichen im Landkreis Miltenberg, die angesichts des demographischen Wandels schon Anfang der 1990er Jahre Handlungsbedarf erkannt hätten.

Die alten Menschen sollten sich auch wohlfühlen, wenn sie „ihr gewohntes Zuhause verlassen müssen“
- so hieß es im Ergebnisprotokoll einer Kreistagssitzung am 3. Juni 1992.

Hilfen durch die Stiftung, konstituiert am 26.10.1992, sollten dort anfangen, wo öffentliche Finanzierungen aufhören. Annehmlichkeiten und ein Mehrwert an Lebensqualität für die ältere Generation waren fest umschriebene Ziele in der Satzung.

Zur Finanzierung
wurde vereinbart, dass neben Spenden und Ertragszinsen die Kommunen und der Landkreis jeweils 1 DM pro Einwohner als Stiftungs-Jahresbeitrag beisteuerten.

Frauen und Männer der ersten Stunde
waren neben Roland Schwing (damaliger Landrat) und Gerhard Nebel (Bürgermeister und einstiger Vorsitzender des Bayerischen Gemeindetags), die ehemaligen Bürgermeister Karlheinz Bein, Dieter Schütte, Karl Neuser und Joachim Bieber sowie Verantwortliche aus Pflegeheimen, Vereinen, Verbänden, Banken und Landratsamt-Mitarbeiter.

Insgesamt mehr als 2,5 Millionen Euro habe - so Landrat Scherf - die Altenhilfe-Stiftung seit ihrem Bestehen für alte Menschen im Landkreis Miltenberg an Förderleistungen erbracht.

Jens Marco Scherf abschließend: „Die Entscheidung zur Gründung der Stiftung Altenhilfe war vor einem Vierteljahrhundert von großer Weitsicht geprägt. Heute können wir darauf aufbauen. Die Gründung der Stiftung Altenhilfe erfolgte aus dankbarer Einsicht in die Verpflichtung, unseren älteren Generation einen Lebensabend mit Sinn und Lebensqualität zu gewährleisten.“

In diesem Sinne gelte - so der Landrat - für alle Verantwortlichen und ehrenamtlichen Kräfte der Wunsch, dass sie auch in Zukunft zur Erhaltung und zum weiteren Ausbau der „Stiftung Altenhilfe“ im Landkreis Miltenberg beitragen.


Als Gastredner sprach der Bundesminister für Arbeit und Soziales a.D. Franz Müntefering zum Thema „Älter werden in dieser Zeit“, der sich in seinem kurzweiligen Vortrag als Vorsitzender der Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen e. V. engagiert für die Belange der älteren Generation einsetzte.

Franz Müntefering macht den Senioren Mut

Für den 78-jährigen, früheren Vizekanzler, sei das Leben eine „realistische Kurve“ - und wenn der Mensch ein gewisses Alter erreiche, dann greife er eben zum Schlaufengriff im Bus, während jüngere Menschen mit ihren Körpern gewisse Fahrtbewegungen elegant ausbalancieren.

Mit einer gesunden Prise Humor sowie der notwendigen Ernsthaftigkeit sprach Müntefering über das Thema Alter.



Das ganze Dortmunder Stadion voll von Hundertjährigen – außer auf dem Platz!“

Franz Müntefering umschrieb die Altersentwicklung in den kommenden Jahren und Jahrzehnten:
so gebe es in der Bunderepublik Deutschland heute rund 4,5 Millionen Menschen im Alter von 80 Jahren,

im Jahr 2035 seien es schon zehn Millionen.

Im Jahr 2050 schließlich sei symbolhaft das ganze Stadion in Dortmund voller Hundertjähriger, also 80 000 Menschen bundesweit - prognostizierte der bekannte Politiker.

Rasante Strukturveränderungen in Sicht

Hinzu kommen künftig wohl auch Wanderbewegungen innerhalb Deutschlands – entvölkerte Landstriche auf der einen Seite, Wohnungsnot auf der anderen, sowie eine hohe Zahl an Alleinerziehenden.

Deshalb stünden nicht nur die deutschen Städte und Kommunen vor neuen Herausforderungen.

Müntefering: „Es kommen im Alter zehn, zwölf, 15 gute Jahre obendrauf. Schwere Krankheiten beginnen später“.

Ein bedeutsamer Gesichtspunkt im Alter sei, dass die Mobilität erhalten bleibe - und das nicht allein durch technische Hilfsmittel, sondern vor allem durch Eigen-Initiative.

Bewegung bringt Begegnung und aktives Altern

„Menschen brauchen heute Bewegung und Begegnung“, forderte Müntefering, der auch moderne Wohnformen ansprach.

Der selbst sehr vital wirkende, 78-jährige Politiker erklärte nicht nur den anwesenden Senioren, was sie zum aktiven Altern beisteuern können.

„Menschen können etwas bewegen, dann kann es relativ gut werden. Wir sind die Vertreter der Senioren, es hat keinen Sinn, den Mund zu halten, wenn es etwas zu tun gibt. Es geht nicht nur um uns, sondern um alle.

Die vernünftigen Alten und die vernünftigen Jungen müssen sich zusammentun“, ermutigte Müntefering.

Er erinnerte daran, dass es vor 30 Jahren noch keine Pflegeversicherung, keine Palliativmedizin und keine Hospizgruppen gab und wie segensreich diese Einrichtungen seien.

„Wir brauchen Menschen in dem Bereich, wo es um Menschen geht. Wenn mehr Männer in den Pflegeberufen oder Kitas beschäftigt wären, gäbe es da auch mehr Lohn“, so Müntefering.

Stolperfallen beseitigen

Müntefering forderte finanzielle Verbesserungen für die, die Menschen, die zu Hause Angehörige pflegen.

Erschreckend für viele Zuhörer war zu hören, dass in den Haushalten doppelt so viele – jährlich 8000 – tödliche Unfälle als im Straßenverkehr passieren.

Man müsse alte Wohnungen so herrichten, dass es keine Stolperfallen mehr gibt. Geschäfte in der Nähe seien, so Müntefering, für alte Menschen lebenswichtig, sie kaufen da nicht nur ein, sie haben dort auch Gelegenheit zu reden und sich auszutauschen.

Auf Rädern zum Essen

„Essen auf Rädern ist gut, auf Rädern zum Essen ist besser, da kommt man zusammen und redet miteinander“, empfahl Müntefering, an eigene Erlebnisse anbknüpfend.

Bei solchen Zusammenkünften entstünden wichtige soziale Kontakte.

„Man muss sich bemühen seine Beweglichkeit zu erhalten. Bewegen der Beine ernährt das Gehirn. Sagen Sie nicht, da gehe ich nicht hin, da sind nur alte Leute – auch wenn Sie bei einem Blick in den Spiegel feststellen, Sie sind ebenso alt, aber die anderen sind so komisch alt. Es ist besser mit komischen Alten spazieren zu gehen als allein“, betonte  Müntefering.

Er forderte die Senioren auf, neugierig auf Neues zu bleiben, man müsse etwas haben – auch im Rentenalter könne man noch "richtig gute Sachen" machen.

Rezept zum Fitbleiben

"Nur dann", so Müntefering, "wenn die Menschen sich umeinander kümmern und in der Gesellschaft ein Teil der Probleme aufgefangen werden, kann Vieles besser funktionieren."

Die Kommunen müssten gestärkt werden, um für die entsprechenden Einrichtungen zu sorgen, für Schulen, Kindergärten, aber auch für Hospiz- und Palliativeinrichtungen.

Das Drittel der Gesellschaft, das bald im Rentenalter sei, falle nicht aus der Verantwortung.

„Es gibt eine Verpflichtung zur gesellschaftlichen Teilhabe“, sagte der 78-Jährige und verriet zusammenfassend

sein Rezept, um fit zu bleiben: sich bewegen, immer weiter zu lernen und Spaß am Leben zu haben.



Den musikalischen Rahmen gestalteten gekonnt zwei Schülerinnen und ein Schüler der Musikschule Oberburg: Anna Bruhn am Klavier, Isabella Xiao (Violine) sowie Emmanuel Klement (ebenfalls am Klavier).

Humorvoll präsentierte die Theatergruppe „Lichtblick“
unter der Leitung von Heimleiterin Sabine Geipel den Senioren-Alltag.

Bewundernswert waren auch der Beitrag und die Dankesworte von Kunigunde Hauenschild, einer rüstigen. lebensfrohen Bewohnerin des Obernburger Pflegezentrums.

Günther Oettinger, Kreisvorsitzender des Bayerischen Gemeindetages, sowie Heimleiterin Sabine Geipel sprachen weitere Grußworte und erläuterten informativ ihre persönliche Sichtweisen zum Jubiläum.

Eine sehenswerte Ausstellung zeigte Möglichkeiten und Ergebnisse der Freizeitgestaltung im Pflegezentrum. Ein kleiner Empfang schloss sich mit vielen Gesprächen der Besucher an den Festakt an.

Weitere Informationen und Bilder folgen!

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